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E-Mobilität

Nachhaltige Mobilitäts­lösungen in Subsahara-Afrika

Elektromobilität wird weltweit als Technologie der Zukunft diskutiert. Subsahara-Afrika kann dabei Vorreiter beim Sprung in eine klimafreundliche Mobilitätszukunft sein.
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Mobilität ist eine zentrale Grundvoraussetzung für die nachhaltige, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung eines Landes: Handel, Gesundheitsversorgung, Bildung, politische Teilhabe oder kulturelle Interaktion sind auf verlässliche und erschwingliche Verkehrssysteme angewiesen. In vielen Regionen des Globalen Südens müssen diese aufgebaut werden und insbesondere ländliche Gebiete Afrikas stehen hier vor gewaltigen Herausforderungen. Unsere Partnerschaften mit Sozialunternehmen und Start-ups im Bereich E-Mobilität, unsere Zusammenarbeit mit lokalen Behörden und internationalen Organisationen treiben die Entwicklung innovativer technischer Lösungen und nachhaltiger Geschäftsmodelle voran. Denn Elektromobilität auf Basis erneuerbarer Energien und einer auf Kreislaufwirtschaft ausgelegten Technik ist für uns der Schlüssel für gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung sowie zur Erreichung der globalen Klimaschutzziele.

Steigende Bevölkerungszahlen, Urbanisierung und unzureichende Anbindung der ländlichen Gebiete verlangen dem afrikanischen Transportsektor sehr viel ab. Durch die klimatischen Bedingungen in Afrika hat der Kontinent allerdings die einmalige Chance, direkt in eine klimafreundliche Mobilitätszukunft überzugehen – Elektromobilität bietet sich hier als neuer Entwicklungssektor an.

Die Eckpfeiler für E-Mobilität im ländlichen Subsahara-Afrika sind gesetzt

Elektrisch angetriebene Fahrzeuge sind für rurale und peri-urbane Gebiete in Subsahara-Afrika bestens geeignet. Frostige Temperaturen sind äußerst selten, Geschwindigkeiten von über 60 km/h die Ausnahme und tägliche Reichweiten von maximal 80 Kilometern die Regel. Die praktisch unbegrenzte Verfügbarkeit von Solarenergie machen leichte und robuste Lösungen technisch und wirtschaftlich interessant. Der Aufbau einer CO2-freien Ladeinfrastruktur und die lokale Produktion von E-Fahrzeugen schaffen zudem Arbeitsplätze und fördern die wirtschaftliche wie auch gesellschaftliche Entwicklung. Zudem trägt die Elektromobilität für Länder und Nutzer zur Energieautarkie, der Energieversorgung ohne Abhängigkeit von entfernten Quellen oder Lieferanten, bei.

Zwei- und Dreiräder sowie Leichtfahrzeuge sind dabei für uns die interessanteste Option: Die weite Verbreitung insbesondere im ländlichen Raum und große Bedeutung von Motorrädern und Leichtfahrzeugen mit konventionellen Antrieben sowie deren oft kurze Lebensdauer bieten Chancen für eine Flottenerneuerung. Zudem wird nur geringe Ladekapazität benötigt, die einfach und kostengünstig zur Verfügung gestellt werden kann.

Wussten Sie…

… dass bis zu 3,7 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart werden können, wenn ein Motorrad durch ein elektrisches Fahrzeug ausgewechselt wird?

Mehr Zahlen und Fakten zu Elektromobilität in Subsahara-Afrika

Elektromobilität als Chance für nachhaltige und emissionsfreie Entwicklung?

Unser Reader „E-Mobility Solutions for Rural Sub-Saharan Africa: Leveraging Economic, Social and Environmental Change“ trägt die größten Herausforderungen wie auch die Chancen für Elektromobilität in Subsahara-Afrika zusammen, gibt Einblick in derzeit verfügbare Technologien und Business-Modelle und liefert verlässliche Daten für die Region.

Für uns als Siemens Stiftung steht die Marktentwicklung von ländlicher Elektromobilität im Fokus. Wir sind überzeugt, dass diese Technologie einen Beitrag zu den Zielen für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals) der Agenda 2030 leistet.

Sustainable Development Goal 1 – Keine Armut
Sustainable Development Goal 8 – Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum
Sustainable Development Goal 9 – Industrie, Innovation und Infrastruktur
Sustainable Development Goal 13 – Maßnahmen zum Klimaschutz

Inkubationsprogramm für Start-ups und lokale E-Technologie

Ganz konkret kooperieren wir mit Sozialunternehmen, die sich dem Ausbau von E-Mobilität für gewerbliche Zwecke im ländlichen Raum verschrieben haben. Dafür ermöglichen wir die Pilotierung ihrer Technologien und das Testen neuer Geschäftsmodelle – wie Verleih- und Leasingmodelle. Wir begleiten diese Phasen mit Datenanalysen und Studien und vernetzen die Start-ups mit Finanzierungs- und Kooperationspartnern. Im ländlichen Westen Kenias betreiben wir ein eigenes Inkubationsprogramm für E-Mobilität mit einem Netzwerk verschiedener Nutzergruppen, mit staatlichen Akteuren und mit lokalen Start-ups, die technische E-Mobilitätslösungen für die Produktion sowie Ladeinfrastruktur anbieten und wie ein Katalysator für den Arbeitsmarkt wirken.

Ein nutzerzentrierter Ansatz steht dabei im Fokus für die wichtigsten Wirtschaftsbereiche des ländlichen Subsahara-Afrikas: Landwirtschaft, Fischerei sowie Markthandel. Partnerunternehmen der Siemens Stiftung testen dafür vor Ort die Marktanforderungen für passende E-Mobilitätslösungen. Da Kleingewerbetreibende in der Region vorrangig Zwei- und Dreiräder, leichte Transporter sowie Fischerboote nutzen, stehen dabei elektrische Lastenfahrräder, Motorräder und Bootsmotoren mit den dafür benötigten Service-und Ladestationen im Fokus. Für gebrauchte Batterien, Solarmodule und andere elektronische Komponenten bauen wir die Infrastruktur für eine ressourcenschonende Kreislaufwirtschaft auf.

Stiftungseigenes Sozialunternehmen als Innovationshub

Unser stiftungseigenes kenianisches Sozialunternehmen WeTu ermöglicht Partnern ein risikofreies Testumfeld für innovative Business-Modelle. Die Stiftung steht als verlässliche Partnerin während den Pilotierungsphasen zur Verfügung; Sozialunternehmen können in dieser Zeit zu Stabilisierung und Wachstum gelangen. Darüber hinaus ist uns die Förderung von Business-Modellen, beispielsweise aus der Sharing Economy mit dem Bezahlsystem PAYGO oder Batterie-Leasing, ein besonderes Anliegen.

Ein Ökosystem für E-Mobilität

Neben der individuellen Förderung von Sozialunternehmen schaffen wir eine Umgebung, in der Wissens- und Datentransfer zwischen Unternehmen, staatlichen Institutionen und anderen Schlüsselakteuren stattfinden. Die Zusammenarbeit mit strategischen Partnern ist entscheidend. Den Grundstein hierfür legte die Innovationskonferenz „Spotlight on E-Mobility“ Ende November 2019 in Kisumu/Westkenia, die in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und dem UN-Umweltprogramm (UNEP) initiiert wurde. Mit der Shell Foundation und UNEP arbeiten wir zusammen daran, die Vernetzung von Investoren zu verstärken.

Entscheidend für die nachhaltige Förderung von E-Mobilität im ländlichen Subsahara-Afrika halten wir eine verlässliche Datengrundlage. Dafür unterstützt uns die GIZ in der Erstellung von fünf Studien, die neue Daten zu gesellschaftlicher, ökologischer und wirtschaftlicher Wirkung, zu Geschäftsmodellen, Ausbildungsanforderungen und zur benötigten Ladeinfrastruktur liefern. Sämtliche Ergebnisse aus der technischen Evaluierung sowie der Evaluierung der Geschäftsmodelle werden im Frühjahr 2021 frei als Open Source veröffentlicht, um so die Skalierung von E-Mobilität in Subsahara-Afrika zu unterstützen. Unser Reader “E-Mobility Solutions for Rural Sub-Saharan Africa: Leveraging Economic Social and Environmental Change” liefert bereits erste Daten und Case Studies aus der Region

Für den technologischen Ausbau von E-Mobilität im ländlichen Subsahara-Afrika arbeiten wir mit und für die folgenden Sozialunternehmen in der Region:

In unserem Engagement für eine E-Mobilitätsplattform und die Erweiterung des Ökosystems arbeiten wir mit Organisationen wie der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), der Shell Foundation, dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP), P4G – Partnering for Green Growth and Global Goals 2030 sowie lokalen, regionalen und staatlichen Behörden in Kenia, Ghana und Uganda, zusammen.

Wir verfolgen mit der Förderung von E-Mobilität in Subsahara-Afrika eine verbesserte Versorgungssituation, Verbesserungen im Klimaschutz, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung sowie sichere Jobs und Einkommen. Damit möchten wir einen Beitrag zu folgenden globalen Zielen für nachhaltige Entwicklung der Agenda 2030 leisten.

Wirtschaftliches Wachstum vor Ort durch ein stiftungseigenes Sozialunternehmen

Im Jahr 2019 hat die Siemens Stiftung das Unternehmen WeTu am Viktoriasee in Kenia gegründet. Die Stiftung geht damit mit ihren eigenen Aktivitäten in sozialunternehmerische Strukturen und Organisationsformen. Sie stellt die Wirkung ihrer Angebote somit auf eine breitere Basis und verankert sie lokal. An den WeTu-Standorten entlang des Viktoriasees erfolgt die lokale Produktion von elektrischen Lastenrädern, Workshops vermitteln das Wissen zu Montage und Instandhaltung der eingesetzten Elektrofahrzeuge. Um Batterien auszuleihen oder diese zu laden, betreibt WeTu bereits sieben solare Ladestationen. Weitere folgen in enger Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden und anderen lokalen Partnern, um den Ausbau einer verlässlichen Ladeinfrastruktur sicherzustellen.

Für Rücknahmestellen von Elektroschrott sowie den Aufbau lokaler Wertschöpfungsketten baut WeTu ein E-Waste-Recyclingnetzwerk auf. Unterstützt wird dieses finanziell vom Global LEAP Fund, der unter anderem von der United States Agency for International Development (USAID) und dem Department for International Development (DFID) aufgelegt wurde.

 Wussten Sie …

… dass WeTu’s elektrische Lastenfahrräder mit voller Ladung eine Reichweite von bis zu 50 Kilometern haben und rund 180 Kilogramm Last tragen können?

Mehr zur Wirkung von WeTu

Aufbau einer Informations- und Netzwerkplattform für die E-Mobilitäts­gemeinschaft

Die Community für E-Mobilität im ruralen Subsahara-Afrika wächst dynamisch. Die Innovationskonferenz „Spotlight on E-Mobility“ in Kisumu zeigte das Engagement der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, lokale E-Mobilitätslösungen auszubauen. Partnerschaften und Kooperationen konnten daraufhin vertieft werden. Lokale Sozialunternehmen kamen mit weiteren Investoren in Kontakt und konnten interessierten Geldgebern ihre Innovationen und Aktivitäten vorstellen. Die Siemens Stiftung schloss ein Memorandum of Understanding mit UNEP ab, um in einem gemeinsamen Programm den Umstieg zu Elektromobilität zu unterstützen, und um mit nationalen und regionalen Regierungen stärker zu kooperieren.

»Using an electric cargo bike to transport water and goods from wholesale shops to retail shops increased our daily earning and improved our way of life.«

Oder möchten Sie mit uns für die Förderung von Elektromobilität im ländlichen Subsahara-Afrika zusammenarbeiten? Wir freuen uns auf einen Austausch! Wenn Sie die Print-Version des Readers möchten, lassen wir Ihnen diese gerne zukommen.

Social Venture Support – E-Mobility and Circular Economy
Marah Köberle
Kommunikation – Entwicklungskooperation
Alexandra Kovanetz

Hintergrund­material

GIZ: Advancing Transport Climate Strategies (TraCS), (2016-2023)

GIZ: Electric Mobility in Kenya (2020)

Intellecap: White Paper, Sustainable rural mobility solutions in India: Challenges and Opportunities (2019)

ISNAD: Transportation and Mobility Behavior and Trends: Africa’s Road to a Sustainable Future (2019)

UEMI: Kenya Profile (2020)

UNEP: The eMob calculator (2018)

UNEP: The global electric vehicle policy database (2018)

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