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»Covid-19 hat zu einem Paradigmenwechsel in der Frage geführt, wie Lernende weltweit Zugang zum Lernen erhalten. Mehr denn je ist es jetzt entscheidend, dass die globale Gemeinschaft gemeinsam einen universellen Zugang zu Informationen und Wissen durch OER fördert.«

Call for Joint Action on OER, UNESCO 2020 Tweet

Open Educational Resources

Bildungschancen der Digitalisierung nutzen

An jedem Ort der Welt sollten Kinder und Jugendliche Zugang zu hochwertiger Bildung haben. Das fordert nicht nur die Agenda 2030 der Vereinten Nationen, das ist auch ein Ziel unseres Engagements als Siemens Stiftung. Freie Unterrichtsmaterialien (sogenannte Open Educational Resources, kurz OER) sehen wir dabei als große Chance. Als Teil einer weltweiten Bewegung wollen wir eine Kultur des Teilens fördern, die am Ende allen zugutekommt – nicht nur in Zeiten von Schulschließungen und Home Schooling, sondern vor allem langfristig.

Open Educational Resources sind Unterrichtsmaterialien, die kostenfrei zugänglich sind und sowohl verändert als auch weiterverbreitet werden dürfen. So beschreibt es die UNESCO in ihrer Pariser Erklärung von 2012.

Seither entwickeln und verwenden Bildungsinstitutionen und Privatpersonen OER. Neben der UNESCO unterstützen – laut OER Worldmap – renommierte Bildungsinstitutionen wie das Massachusetts Institute of Technology (MIT) oder die Khan Academy die OER Bewegung.

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Ein Video, zu einem Thema, das uns sehr am Herzen liegt - offene Bildung! Blink Tower erklärt in drei Minuten OER. (Englisch)
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»Die aktuellen Entwicklungen offenbaren, wie viel im Bereich Digitalisierung noch getan werden muss, bestätigen aber gleichzeitig das große Potenzial von OER für chancengerechte Bildung.«

Dr. Nina Smidt, Geschäftsführende Vorständin der Siemens Stiftung

Eines der wichtigsten Ziele der Agenda 2030 der Vereinten Nationen lautet: „inklusive, chancengerechte und hochwertige Bildung für alle Menschen“. Mit unserem Engagement für freie Bildungsmedien tragen wir auf drei Ebenen dazu bei, dass dieses Ziel Wirklichkeit wird:

  • OER eröffnen BildungschancenBeim Thema OER geht es nicht nur darum, wer künftig Schulbücher und Unterrichtsmaterialien erstellt, sondern vorrangig um Bildungs- und Chancengerechtigkeit. Noch stehen nicht an allen Orten genau die Materialien zur Verfügung, die benötigt werden, um Schülerinnen und Schüler auf ihrem Bildungsweg angemessen zu begleiten. Wie die UNESCO halten wir deshalb OER für ein wirksames Mittel zur „Demokratisierung der Bildung“: Kostenlos und digital abrufbar sind sie weltweit verfügbar – auch in Regionen, in denen aktuelles Lehr- und Lernmaterial bislang nicht für alle erschwinglich ist.
  • OER ermöglichen individuelle FörderungAus unserer Arbeit mit Lehrkräften und Schüler*innen wissen wir: Im Unterricht gibt es kein „one fits all“. Immer heterogenere Klassen machen es notwendig, Lehrmaterialien auf unterschiedliche Bedürfnisse abzustimmen. Doch vorherrschende Lizenzregelungen lassen dies oft nicht zu. Offene Bildungsmedien hingegen können rechtssicher angepasst werden – sei es an die kulturellen Bedingungen eines Landes oder an unterschiedliche Lern- und Förderbedarfe einer Klasse. Sie erfüllen damit wichtige Voraussetzungen für einen binnendifferenzierten, inklusiven Unterricht.
  • OER werden aktiv mitgestaltet

    Offene Bildungsmedien geben Ideen für innovative Lehr- und Lernformen und fördern die Zusammenarbeit von Lehrkräften mit ihren Schülerinnen und Schülern, aber auch die der Lehrkräfte untereinander. Durch das kreative Potenzial vieler entstehen so neue Medien und aktuelle Themen, die (noch) in keinem Lehrbuch stehen, werden aufbereitet. So kann Bildung jeden Einzelnen auf eine Welt vorbereiten, die sich rasch und dynamisch verändert.

Nachgefragt

Welche Auswirkungen haben OER auf das Lehren und Lernen der Zukunft?

Professor Michael Kerres vom Lehrstuhl für Mediendidaktik und Wissensmanagement der Universität Duisburg-Essen spricht unter anderem über den Beitrag, den Stiftungen für die Verbreitung von OER leisten können.

Offene Bildungsmedien für den MINT-Unterricht

Auf unserem Medienportal haben wir mehr als 4.000 kostenlose OER für den naturwissenschaftlich-technischen Unterricht eingestellt: interaktive Tafelbilder, Grafiken, Tondateien, Arbeitsblätter, Experimentieranleitungen und Videos – in den Sprachen Deutsch, Englisch und Spanisch, von Fachexpertinnen und -experten erstellt und geprüft. Um sowohl bei Autorinnen und Autoren als auch bei Lehrkräften Transparenz über die geltenden Nutzungsrechte zu schaffen, verwenden wir die CC-Standardlizenzen der gemeinnützigen Organisation „Creative Commons“. Damit ist klar: Jede Person kann die Medien verwenden und verbreiten, solange sie sie unter den gleichen Bedingungen weitergibt.

© Siemens Stiftung, Fotograf*in: Enno Kapitza

Praktische Unterrichtskonzepte

Offene Bildungsmedien haben viele Vorteile. Trotzdem ist ihre Verwendung im Schulalltag noch längst keine Selbstverständlichkeit. Laut einer aktuellen Erhebung in 102 Ländern haben 49 Prozent der Befragten noch Probleme beim Einsatz von OER (OER Global Report 2017). Gründe dafür sind unter anderem Unsicherheiten bei Fragen des Urheberrechts, der inhaltlichen Qualität und der praktischen Handhabung. Diesen Vorbehalten möchten wir entgegenwirken. Gemeinsam mit Universitäten und Bildungseinrichtungen wie der TUM School of Education oder der iMINT-Akademie erstellen wir deshalb Unterrichtskonzepte für den Einsatz von OER.

Starke Netzwerke für OER und digitales Lernen

Wir wissen, dass weltweit viele Lehrkräfte keinen Zugang zu OER-Portalen haben oder ihnen die technischen Geräte fehlen, um Inhalte zu bearbeiten. Deshalb stellen wir Universitäten und Schulen, mit denen wir zusammenarbeiten, unsere offenen Bildungsmedien immer auch analog zur Verfügung. Als Teil der UNESCO Global Education Coalition arbeiten wir zudem daran, den Zugang zu OER auszuweiten und universell zu gestalten. Auch in länderspezifischen Gremien wie dem Forum Bildung Digitalisierung setzen wir uns für mehr OER und digitales Lernen im Unterricht ein. In unserem lateinamerikaweiten Netzwerk Red STEM Latinoamérica kooperieren wir mit Bildungspartnern und Universitäten des gesamten Kontinents: Das neue Centro Recursos Educativos Abiertos vereint rund 700 freie Lehr- und Lernmaterialien speziell für den Einsatz an lateinamerikanischen Schulen.

#LearningNeverStops

Covid-19 darf keine Bildungskrise auslösen. Als Mitglied der Global Education Coalition setzen wir nicht nur kurzfristig an, sondern wollen langfristig offenere und flexiblere Bildungssysteme ermöglichen.

Als gemeinnützige Stiftung leisten wir nicht nur Aufklärungsarbeit – wir treiben vor allem die Verbreitung von OER voran. Dabei begegnen uns auch Fragen und kritische Stimmen. Unsere OER-Expertin Corinna Hartung setzt sich damit intensiv auseinander. Lesen Sie im Interview mit ihr, wie das Urheberrecht bei offenen Bildungsmedien genau funktioniert, was die größten Herausforderungen beim Einsatz von OER im Schulalltag sind und wie wir unsere Rolle als Stiftung verstehen.

»Digitale Medien können schlechten Unterricht nicht gut machen, aber guten Unterricht noch besser.«

Webseiten

Hintergrund­material

Commonwealth of Learning: Open Educational Resources. Global Report (2017)

Muuß-Merholz: Freie Unterrichtsmaterialien finden, rechtssicher einsetzen, selbst machen und teilen (2018)

OECD: Open Educational Resources. A Catalyst for Innovation (2015)

OERinfo: „Die Entscheidung für OER war die richtige!“ – Ein Interview mit Corinna Hartung über die Herausforderungen und Chancen, die die Umstellung des MINT-Medienportals auf Open Educational Resources mit sich brachte. (2019)

Teachtoday: OER – Open Educational Resources im Unterricht?! (2016)

UNESCO: Pariser Erklärung zu OER (2012)

UNESCO: German OER Practices and Policy – from Bottom-up to Top-down Initiatives (2018)

UNESCO: Empfehlung zu Open Educational Resources (2019)

UNESCO: Call for Joint Action – Supporting Learning and Knowledge Sharing through Open Educational Resources (2020)

Bleiben Sie auf dem Laufenden!