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»Bei der Zukunft der Bildung im 21. Jahrhundert geht es nicht nur darum, mehr Menschen zu erreichen, sondern auch darum, die Qualität und Vielfalt der Bildungs-möglichkeiten zu verbessern.«

OECD, Open Educational Report 2015 Tweet

Open Educational Resources

Bildungs­chancen der Digita­lisierung nutzen

An jedem Ort der Welt sollten Kinder und Jugendliche Zugang zu hochwertiger Bildung haben. Das fordert nicht nur die Agenda 2030 der Vereinten Nationen, das ist auch ein Ziel unseres Engagements als Siemens Stiftung. Freie Unterrichtsmaterialien (sog. Open Educational Resources, kurz OER) sehen wir dabei als große Chance. Als Teil einer weltweiten Bewegung wollen wir eine Kultur des Teilens fördern, die am Ende allen zugutekommt.

Open Educational Resources sind Unterrichtsmaterialien, die kostenfrei zugänglich sind und sowohl verändert als auch weiterverbreitet werden dürfen. So beschreibt es die UNESCO in ihrer Pariser Erklärung von 2017.

Seit mehr als zehn Jahren entwickeln und verwenden Bildungsinstitutionen und Privatpersonen OER. Neben der UNESCO unterstützen – laut OER Worldmap – renommierte Bildungsinstitutionen wie das Massachusetts Institute of Technology (MIT) oder die Khan Academy die OER Bewegung.

Ein Video, zu einem Thema, das uns sehr am Herzen liegt - offene Bildung! Blink Tower erklärt in drei Minuten OER. (Englisch)
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Eines der wichtigsten Ziele der Agenda 2030 der Vereinten Nationen lautet: „inklusive, chancengerechte und hochwertige Bildung für alle Menschen“. Mit unserem Engagement für freie Bildungsmedien tragen wir auf drei Ebenen dazu bei, dass dieses Ziel Wirklichkeit wird:

  • OER eröffnen BildungschancenBeim Thema OER geht es nicht nur darum, wer künftig Schulbücher und Unterrichtsmaterialien erstellt, sondern vorrangig um Bildungs- und Chancengerechtigkeit. Noch stehen nicht an allen Orten genau die Materialien zur Verfügung, die benötigt werden, um Schülerinnen und Schüler auf ihrem Bildungsweg angemessen zu begleiten. Wie die UNESCO halten wir deshalb OER für ein wirksames Mittel zur „Demokratisierung der Bildung“: Digital abrufbar sind sie weltweit verfügbar – auch in Regionen, in denen aktuelles Lehr- und Lernmaterial bislang nicht für jeden erschwinglich ist.
  • OER ermöglichen individuelle FörderungAus unserer Arbeit mit Lehrern und Schülern wissen wir: Im Unterricht gibt es kein „one fits all“. Immer heterogenere Klassen machen es notwendig, Lehrmaterialien auf unterschiedliche Bedürfnisse abzustimmen. Doch vorherrschende Lizenzregelungen lassen dies oft nicht zu. Offene Bildungsmedien hingegen können rechtssicher angepasst werden – sei es an die kulturellen Bedingungen eines Landes oder an unterschiedliche Lern- und Förderbedarfe einer Klasse. Sie erfüllen damit wichtige Voraussetzungen für einen binnendifferenzierten, inklusiven Unterricht.
  • OER werden aktiv mitgestaltet

    Offene Bildungsmedien geben Ideen für innovative Lehr- und Lernformen und fördern die Zusammenarbeit von Lehrkräften und Schülern, aber auch die der Lehrkräfte untereinander. Durch das kreative Potenzial vieler entstehen so neue Medien und aktuelle Themen, die (noch) in keinem Lehrbuch stehen. Nur so kann Bildung den Einzelnen auf eine Welt vorbereiten, die sich rasch und dynamisch verändert.

Nachgefragt

Welche Auswirkungen haben OER auf das Lehren und Lernen der Zukunft?

Professor Michael Kerres vom Lehrstuhl für Mediendidaktik und Wissensmanagement der Universität Duisburg-Essen spricht unter anderem über den Beitrag, den Stiftungen für die Verbreitung von OER leisten können.

Auf unserem Medienportal haben wir mehr als 4.000 kostenlose OER für den naturwissenschaftlich-technischen Unterricht eingestellt: interaktive Tafelbilder, Grafiken, Tondateien, Arbeitsblätter, Experimentieranleitungen und Videos – in den Sprachen Deutsch, Englisch und Spanisch, von Fachexperten erstellt und geprüft. Um bei Autoren und auch Lehrkräften Transparenz über die geltenden Nutzungsrechte zu schaffen, verwenden wir die CC-Standardlizenzen der gemeinnützigen Organisation „Creative Commons“. Damit ist klar: Jeder kann die Medien verwenden und verbreiten, solange er sie unter den gleichen Bedingungen weitergibt.

© Siemens Stiftung, Fotograf: Enno Kapitza

Offene Bildungsmedien haben viele Vorteile. Trotzdem ist ihre Verwendung im Schulalltag noch längst keine Selbstverständlichkeit. Laut einer aktuellen Erhebung in 102 Ländern haben 49 Prozent der Befragten noch Probleme beim Einsatz von OER (OER Global Report 2017). Gründe dafür sind unter anderem Unsicherheiten bei Fragen des Urheberrechts, der inhaltlichen Qualität und der praktischen Handhabung. Diesen Vorbehalten möchten wir entgegenwirken. Gemeinsam mit Universitäten und Bildungseinrichtungen wie der TUM School of Education oder der iMINT-Akademie erstellen wir deshalb Unterrichtskonzepte für den Einsatz von OER.

Praktische Unterrichtskonzepte

Wir wissen auch, dass viele Lehrer keinen Zugang zu OER-Portalen haben oder ihnen die technischen Geräte fehlen, um Inhalte zu bearbeiten. Das gilt besonders für Entwicklungsregionen. Deshalb stellen wir Universitäten und Schulen, mit denen wir in solchen Regionen zusammenarbeiten, unsere offenen Bildungsmedien auch analog zur Verfügung. Über unsere praktische Arbeit hinaus setzen wir uns in Gremien wie dem Forum Bildung Digitalisierung für mehr OER und digitales Lernen im Unterricht ein.

Als gemeinnützige Stiftung leisten wir nicht nur Aufklärungsarbeit – wir treiben vor allem die Verbreitung von OER voran. Dabei begegnen uns auch Fragen und kritische Stimmen. Unsere OER-Expertin Dr. Franziska Frost setzt sich damit intensiv auseinander. Lesen Sie im Interview mit ihr, wie das Urheberrecht bei offenen Bildungsmedien genau funktioniert, was die größten Herausforderungen beim Einsatz von OER im Schulalltag sind und wie wir unsere Rolle als Stiftung verstehen.

©Siemens Stiftung

»Digitale Medien können schlechten Unterricht nicht gut machen, aber guten Unterricht noch besser.«

Hintergrund­material

UNESCO: Pariser Erklärung zu OER (2012)

Commonwealth of Learning: Open Educational Resources. Global Report (2017)

UNESCO: German OER Practices and Policy – from Bottom-up to Top-down Initiatives (2018)

Muuß-Merholz: Freie Unterrichtsmaterialien finden, rechtssicher einsetzen, selbst machen und teilen (2018)

Teachtoday: OER – Open Educational Resources im Unterricht?!

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