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EXPERIMENTA SUR

Internationale Akademie für Darstellende Kunst

Ausgaben von EXPERIMENTA SUR

EXPERIMENTA SUR startete im Oktober 2013 in Bogotá, Kolumbien. Seitdem wurden drei temporäre Akademien mit Laboratorien, Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen, Workshops und Aufführungen durchgeführt.

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Internationale Akademie für Darstellende Kunst vom 14. bis 27. September 2015 in Bogotá

  • EXPERIMENTA SUR brachte rund 80 Künstler aus 13 lateinamerikanischen Ländern zu Künstler-Laboratorien, Vorträgen und Aufführungen in Bogotá zusammen.
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  • Im Mittelpunkt der Akademie stand die Frage: Wie kann Theater in Gesellschaften im Umbruch Wirkung entfalten? / Foto: „Traslaciones“, Akira Takayama
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  • Zu Gast war der japanische Künstler Akira Takayama, der gemeinsam mit den Teilnehmern ein Projekt im öffentlichen Raum entwickelte.
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  • Unter der Leitung von Fanny de Chaillé entstand unter dem Motto „If you were a book, what would be your title?“ ein lebendiges Archiv von persönlichen Geschichten.
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  • Rodrigo García präsentierte sein Werk “Arrojad mis cenizas sobre Mickey”.
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  • deufert&plischke aus Berlin gaben die Choreographie ihres Stücks „InsTanzen“ in Bogotá komplett in die Hände des Publikums.
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  • Auf Initiative von Siemens Stiftung, Mapa Teatro und Goethe-Institut Bogotá fördert EXPERIMENTA SUR Austausch und Zusammenarbeit von Künstlern in Lateinamerika.
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Wie kann Theater in einer Gesellschaft Wirkung entfalten, die nach politischen Krisen und gewaltsamen Auseinandersetzungen wieder zusammenzufinden versucht? Kann es in Zeiten des Umbruchs eine neue Sprache finden? Mit diesen Fragen beschäftigte sich die 3. Ausgabe der internationalen Akademie für darstellende Kunst EXPERIMENTA SUR. Zwei Wochen lang bot sie Künstlern aus 13 lateinamerikanischen Ländern Raum für gemeinsame Reflexion und Zusammenarbeit. Mit Theatermachern aus Europa und Japan arbeiteten sie an experimentellen Formaten. Das Aufführungsprogramm stellte partizipative Formate vor und betonte Theater als soziales Experiment.

Ungewöhnliche Blicke auf den öffentlichen Raum

Aus Japan zu Gast war der Regisseur Akira Takayama, der sich mit Projekten im urbanen Raum einen Namen gemacht hat. In seiner Arbeit greift er politische Themen auf, wie die soziale Situation von Jugendlichen oder Umweltthemen, die sich auf das konkrete Lebensumfeld in der japanischen Gesellschaft beziehen. Gemeinsam mit den Künstlern des kolumbianischen Mapa Teatros entwickelte er ein Projekt im öffentlichen Raum, das sich aus der Begegnung dieses Ansatzes mit der kolumbianischen Lebenswirklichkeit speist. Mehr dazu erfahren Sie in einem Bericht von Akira Takayama und Natasha Tiniacos.

Reflexion der eigenen Identität

In der kolumbianischen Nationalbibliothek zeigte die französische Künstlerin Fanny de Chaillé ein Living Library Projekt von persönlichen Geschichten verschiedener Menschen. Sie befasste sich in ihrer Arbeiten vor allem mit Sprache und den dahinter liegenden Räumen, die sich in sprachlichen Wendungen verstecken und genutzt werden können. Unter dem Motto „If you were a book, what would be your title?” traf die Künstlerin die Teilnehmer vor Ort, unterhielt sich lange mit jedem einzelnen von ihnen und forderte sie auf, Autoren einer Erzählung ihrer Wahl zu werden, immer in Zusammenhang mit ihrer eigenen Geschichte.

Gesellschaftliche Themen als Ausgangspunkt

Der argentinisch-spanische Autor und Regisseur Rodrigo García gastierte mit drei Stücken. Bekannt ist er für seine Theaterarbeit, die sich mit dem täglichen Kampf jedes Einzelnen um politische Selbstbestimmung auseinandersetzt. Besondere Merkmale seiner Theaterarbeit sind die wütenden Texte und die extreme Körperlichkeit in seinen Inszenierungen. Rodrigo Garcia und sein Ensemble finden den Ausgangspunkt ihrer Betrachtungen in der alltäglichen Realität und legen den Finger in die Wunde sozialer Ungerechtigkeiten. In einem Land, dessen jüngste Geschichte wie in Kolumbien von Gewalt gezeichnet ist, trifft Garcías drastische Theaterarbeit besonders. Seine Arbeiten gleichen einem Weckruf, der gleichermaßen aufschreckt und Hoffnung verleiht, denn García sucht nach nichts weniger als nach einem „Modus Vivendi”, nach Überlebensstrategien für die Gegenwart, nach Möglichkeiten friedvollen Zusammenlebens.

Theater als kollektive Erfahrung

Roh und existenzialistisch muten auch die Arbeiten der brasilianischen Choreografin Lia Rodrigues an. „Pindorama“, wie der Titel des Stücks lautet, das in Bogotá gezeigt wurde, ist der ursprüngliche Name Brasiliens in der Sprache der Ureinwohner. Rodrigues will damit die Erinnerung an die koloniale Vergangenheit des Landes wachhalten. Über die ganze Breite der Bühne wird eine durchsichtige Plastikplane ausgebreitet. Die Zuschauer sitzen oder stehen am Rande dieser Bahn, die sich bald in den reißenden Amazonas verwandelt. Rodrigues verhandelt mit diesem Stück nicht nur Fragen nach dem Kollektiv, sie lässt es selbst zur kollektiven Erfahrung werden. Zudem ist die Choreographin für ihr soziales Engagement bekannt: Schon vor Jahren hat sie das Probenzentrum ihrer Kompanie in die Maré, eine der Favelas von Rio, verlegt. Ihr Kulturzentrum versteht sie als offenen Ort, hier können die Favela-Bewohner kostenlos Tanzkurse besuchen oder politische Meetings abhalten.

Choreographie als soziale Praxis

Was Choreographie heute sein kann, stellten die in Berlin ansässigen Künstler deufert&plischke in einer partizipativen Choreographie zur Disposition. Ihre Aufführungen finden in Museen, Theatern, manchmal auch auf der Straße statt und sind immer eine Einladung, sich zu beteiligen und einzubringen. Mit „InsTanzen“ gaben sie die Aufführung in Bogotá völlig in die Hand des Publikums. Aus einem anfänglichen Set an Bewegungsvorschlägen generierte sich die Choreographie als kollektiver Prozess. Choreographie wurde so zur sozialen Aktivität, die nicht von ästhetischen Prinzipien bestimmt war, sondern von existentiellen oder philosophischen Konzepten.

Begegnungen auf dem Kontinent

Alle gastierenden Künstler bei EXPERIMENTA SUR 2015 arbeiteten in Laboratorien mit Künstlern aus Kolumbien und anderen südamerikanischen Ländern zusammen. Diskussionen, Vorträge und Begegnungen mit der lokalen Szene intensivierten das Programm. Der spanische Theaterwissenschaftler José Antonio Sanchez und der Philosoph Peter Pál Pelbart von der Pontifícia Universidade Católica de São Paulo bereicherten die gemeinsamen Arbeitsprozesse mit Theorie-Inputs. Das komplette Programm finden Sie auf: www.experimentasur.com

Stipendien für Nachwuchskünstler

Das Goethe-Institut vergab für die Teilnahme an EXPERIMENTA SUR erneut Stipendien für Künstler aus Südamerika (Argentinien, Bolivien, Brasilien, Chile, Kolumbien, Kuba, México, Perú, Uruguay, Paraguay, Ecuador und Venezuela).