Pressemitteilung | Grundversorgung & Social Entrepreneurship 10.05.2011

Swisscontact und Siemens Stiftung fördern mit Abfallmanagement-Projekt Arbeit und Einkommen in Bolivien

Vorstellung des Kooperationsprojekts bei einem gemeinsamen Empfang zum Deutschen Stiftungstag 2011 in Stuttgart am 12. Mai 2011, 18.30 Uhr

Swisscontact, die Schweizerische Stiftung für technische Entwicklungszusammenarbeit, und die Siemens Stiftung fördern, gemeinsam mit weiteren namhaften Partnern, in vier Großstädten Boliviens ein Projekt zur Verbesserung der Abfallwirtschaft. Hauptziele des Projekts sind die Einführung einer Abfalltrennung in den Haushalten von sogenannten Ökoquartieren, stabilere Einkommen für die Abfallsammler und der nachhaltige Umgang mit natürlichen Ressourcen dank der Förderung von Recyclingprozessen.


Wie viele Großstädte in Entwicklungs- und Schwellenländern, so stehen auch die vier Großstädte Boliviens La Paz, El Alto, Santa Cruz und Cochabamba vor dem Problem stark wachsender Müllberge. Es häufen sich organische, recyclingfähige und giftige Abfälle in offenen Halden und „wilden“ Deponien.


Aufgrund der stark verbreiteten Armut betätigen sich immer mehr Personen als Abfallsammler in den Straßen oder direkt auf den Müllhalden. Unter unwürdigen Bedingungen und erheblichen gesundheitlichen Risiken arbeiten sie sich durch Müllberge auf der Suche nach verwertbarem Material, das sie danach an Sammelzentren verkaufen, um so ein paar Dollars zu verdienen. In Zusammenarbeit mit den jeweiligen Stadtvierteln verbessert das Projekt die Arbeitsbedingungen sowie das Einkommen der Abfallsammler durch den Aufbau von einfachen Sammelsystemen für wiederverwertbare Abfälle und die Einführung einer Abfalltrennung direkt in den Haushalten. Zudem wird durch die Förderung von Recyclingprozessen dazu beigetragen, dass die Abfallmengen auf den Deponien kleiner werden und somit die Umwelt weniger belastet wird.


Projektziele
Das Projekt

  • baut in sogenannten Ökoquartieren Sammelsysteme für wiederverwertbare Abfälle auf privater Basis auf, mit Abfalltrennung und -wiederverwertung.
  • nutzt das ökonomische Potential der recyclingfähigen Materialien, um höhere und stabilere Einkommen für die Abfallsammler zu generieren.
  • verbessert die Arbeitsbedingungen der Abfallsammler und vermindert ihre gesundheitlichen Risiken.
  • reduziert die Abfallmengen auf den Deponien in den vier Großstädten.
  • vermittelt Wissen und stärkt in der Bevölkerung das Bewusstsein für die Themen Umwelt, Abfalltrennung, Abfallentsorgung und Gesundheit.

Durch das Projekt erhalten Abfallsammler, die in extremer Armut leben, eine berufliche Perspektive und können sich zu Kleinunternehmern weiter entwickeln. Ihr bislang informeller Status wird legalisiert. Durch die unternehmerische Tätigkeit steigen sowohl ihr Einkommen als auch ihr soziales Ansehen. Etwa 300 Arbeitsplätze werden durch das Projekt neu geschaffen oder aufgewertet.

Ergebnisse seit Projektbeginn 2009 sind u. a.

  • In 85 Ökoquartieren werden die Abfälle vor Ort in den Haushalten getrennt und separat eingesammelt.
  • Rund 75.000 Haushalte (entspricht ca. 375.000 Personen) konnten durch Kommunikationskampagnen und Aufklärungsarbeit zum Thema Abfalltrennung sensibilisiert und ausgebildet werden.
  • Rund 135 Abfallsammler, davon ca. 40% Frauen, arbeiten als offizielle Abfallsammler in den Ökoquartieren.
  • 46 Kleinunternehmen agieren als Sammelzentren und sind am Verkauf der wieder verwertbaren Materialien beteiligt.
  • In allen vier Städten hat die separate Sammlung von organischen Abfällen begonnen, die kompostiert werden und so nicht mehr auf die Deponien gelangen.
  • Spezielle Sammelkampagnen für e-waste und Batterien wurden durchgeführt.
  • Die täglichen Abfallmengen in den Pilotbezirken konnten um bis zu 50% reduziert werden.

Abfallmanagement wurde in den Städten zu einem wichtigen kommunalpolitischen Thema, deshalb trifft das Projekt ein Grundanliegen der Öffentlichkeit und wird auch von den Medien sehr gut aufgenommen. Die positive Resonanz führt inzwischen zu einer hohen Nachfrage nach Unterstützung aus mittelgroßen Städten und eher ländlichen Gebieten, was zu weiteren Zielregionen für das Projekt – außerhalb der vier Großstädte – führen kann.


Weitere Informationen
Über dieses Projekt informiert ausführlich die Projektpräsentation im Rahmen des gemeinsamen Empfangs von Swisscontact Germany und der Siemens Stiftung. Sie sind herzlich eingeladen!

Wann: 12. Mai 2011 ab 18:30 Uhr
Wo: Senefelderstrasse 26 in 70176 Stuttgart


Wir freuen uns auf Ihre Anmeldung bis zum 11. Mai an
daria.tamagni@swisscontact.net; Tel.: +49 / 711 / 22 04 68 09

Bildmaterial zu dieser Presseinformation finden Sie im Internet unter:
http://www.swisscontact.net/530.0.html


Swisscontact wurde 1959 in Zürich von Persönlichkeiten aus der Schweizer
Wirtschaft, Wissenschaft und Politik gegründet. Heute arbeiten rund 500 Personen weltweit für eine nachhaltige soziale, ökonomische und ökologische Entwicklung in über 25 Ländern in Asien, Afrika, Lateinamerika und Osteuropa. Thematische Schwerpunkte aller Swisscontact-Projekte sind die Förderung der beruflichen Ausund Weiterbildung, die Förderung von kleinen und mittleren Unternehmen und eine Verminderung der Umweltbelastung. Swisscontact ermutigt und befähigt die Menschen, ihre Lebensumstände eigenverantwortlich zu verbessern, streng nach dem Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe. Weitere Informationen unter
www.swisscontact.org oder www.swisscontact.net


Die gemeinnützige Siemens Stiftung wurde im Herbst 2008 von der Siemens AG gegründet. Sie ist mit Projekten zur Stärkung der Zivilgesellschaft insbesondere in Afrika, Lateinamerika und Deutschland/Europa tätig. Ziel ist es, einen langfristigen Beitrag zur Minderung von Armut und zu besserer Bildung zu leisten. Die Stiftung arbeitet auf drei Gebieten: Sie unterstützt den Ausbau der Grundversorgung sowie die Verbesserung von Sozialstrukturen, initiiert Bildungsprojekte und trägt zur Weiterentwicklung kultureller Identitäten bei. Maßgeblich ist für die Stiftungsarbeit, Hilfe zur Selbsthilfe zu fördern. Die Projektentwicklung der Siemens Stiftung erfolgt in enger Zusammenarbeit mit lokalen und internationalen Kooperationspartnern sowie in Allianz mit den anderen vom Unternehmen gegründeten Siemens Stiftungen in Argentinien, Brasilien, Frankreich, Kolumbien und den USA. Weitere Informationen unter www.siemens-stiftung.org