Pressemitteilung | Grundversorgung & Social Entrepreneurship 26.11.2014

Groß angelegte Forschungsstudie fühlt den Puls von Sozialunternehmen und ihrem Ökosystem in Schwellenländern.

Paneldiskussion „Cultivating an Ecosystem for Social Entrepreneurs” (Ein Ökosystem für Sozialunternehmer fördern)
© Siemens Stiftung

Am Mittwoch, dem 26. November, haben die Zeppelin Universität und die Siemens Stiftung die Ergebnisse ihrer jüngsten Studie über Sozialunternehmen und ihr Ökosystem am Tecnológico de Monterrey in Mexiko-Stadt vorgestellt. Diese erste groß angelegte Erhebung in Schwellenländern, in diesem Fall Kolumbien, Mexiko, Kenia und Südafrika, liefert Forschungsdaten zur Organisation und Finanzierung von Sozialunternehmen. Die Studie wurde mit 286 Sozialunternehmen und 148 Sozialinvestoren sowie anderen Förderern von Sozialunternehmen in den genannten Ländern durchgeführt.

Die Studie ist aus dem Internationalen Forschungsnetzwerk IRENE | SEE (International Research Network on Social Economic Empowerment) hervorgegangen, das 2011 von der Siemens Stiftung und der Zeppelin Universität ins Leben gerufen wurde. Sie wird ab Ende 2014/Anfang 2015 auf den Internetseiten der Siemens Stiftung und der Zeppelin Universität zum Download bereitstehen. Die zweijährige Studie wurde von Lisa M. Hanley, Aline Margaux Wachner und Tim Weiss am Lehrstuhl von Prof. Stephan A. Jansen an der Zeppelin Universität durchgeführt.

Neben vielen weiteren interessanten Erkenntnissen, mit denen die Diskussion über Sozialunternehmen und ihre zugehörigen Ökosysteme in Schwellen
ländern auf ein solides Fundament gestellt werden soll, zeigen die Ergebnisse der Studie, dass Endverbraucher direkt für die bereitgestellten Produkte oder Dienstleistungen zahlen. Dies schränkt die Fähigkeit von Sozialunternehmen ein, gezielt die ärmsten Bevölkerungsschichten anzusprechen. Im Gegensatz dazu sind diejenigen Sozialunternehmen, die ihre Einkünfte hauptsächlich aus Spenden, von Nichtregierungsorganisationen oder staatlichen Stellen generieren, stärker auf die Ärmsten der Armen ausgerichtet.

Die Erhebung zeigt ferner, dass Förderer von Sozialunternehmen vorzugsweise neu gegründete gewinnorientierte oder dual strukturierte Sozialunternehmen unterstützen. Letztere beziehen sich auf die Kombination von gemeinnütziger und gewinnorientierter Rechtsform. Darüber hinaus zeigt die Studie, dass Sozialinvestoren deutlich Sozialunternehmer mit hohem Bildungsstand bevorzugen: Über 76 Prozent der Gründer von Sozialunternehmen, die finanzielle oder technische Unterstützung erhalten haben, besaßen entweder einen Master-, MBA- oder PhD-Abschluss. Dies kann den komplexen Herausforderungen im Management von Sozialunternehmen zugeschrieben werden und lässt Rückschlüsse auf die Auswahlkriterien zu, wer in dem Ökosystems gefördert wird.

Die Autoren der Studie haben die wichtigsten Erkenntnisse dieser Studie zu Beginn der Paneldiskussion „Cultivating an Ecosystem for Social Entrepreneurs – The role of Investors, Researchers and Philanthropy“ (Ein Ökosystem für Sozialunternehmer fördern – die Rolle von Investoren, Wissenschaftlern und Philanthropie) vorgestellt, die am 26. November 2014 am Tecnológico de Monterrey stattfand.

 
Zu den Panelteilnehmern gehörten:

  • Jorge Camil (Mitbegründer und CDO des mexikanischen Sozialunternehmens ENOVA)
  • Rodrigo Villar (Mitbegründer des Inkubators New Ventures Mexico und des Impact Investment
  • Katia Dumont (Leiterin des Bereichs Zentralamerika des Aspen Network of Development Entrepreneurs, ANDE)
  • Lisa Hanley (Wissenschaftlerin an der Zeppelin Universität)
  • Rolf Huber (geschäftsführender Vorstand der Siemens Stiftung).

Die Siemens Stiftung unterstützt Sozialunternehmer, die sich für notleidende Menschen in Entwicklungsländern einsetzen, indem sie eine sektorenübergreifende Zusammenarbeit sowie eigene operative Projekte ermöglicht. Die Stiftung unterstützt in diesem Zusammenhang auch die Forschung zu Sozialunternehmertum über das internationale Netzwerk IRENE | SEE und wird als Präsentationspartner an der Forschungskonferenz des Global Social Business Summit 2014 in Mexiko-Stadt teilnehmen, auf dem Mitglieder des Forschungsnetzwerks ihre Beiträge in die wissenschaftliche Diskussion einbringen werden.


Hintergrundinformationen über die Studie

Vor dem Versenden der Online-Umfrage wurden 148 Sozialinvestoren (darunter z. B. Inkubator- und Akzelerator-Programme) durch Internet-Recherche, Besuche vor Ort und nach dem Schneeballprinzip ermittelt. Diese Investoren stellten die erste Datenbasis dar. Auf dieser Basis wurden anschließend die 1.124 Portfolio-Organisationen in einer zweiten Datenbasis erfasst. Insgesamt haben 36 Sozialinvestoren (24 %) und 286 Sozialunternehmen (25 %) geantwortet. Auf diese Antworten stützen sich die oben beschriebenen Erkenntnisse.

International Research Network on Social Economic Empowerment (IRENE | SEE)

Die Siemens Stiftung und die Zeppelin Universität haben 2011 das internationale Forschungsnetzwerk IRENE | SEE (International Research Network on Social Economic Empowerment) ins Leben gerufen. Ziel des Projekts ist die Erforschung organisatorischer Ansätze, die die soziale und wirtschaftliche Selbstbefähigung (Social Economic Empowerment) fördern – in diesem Zusammenhang verstanden als der Prozess der wirtschaftlichen Selbstbefähigung durch professionelle Hilfestellung. Der Hauptschwerpunkt liegt auf unternehmerischen Lösungen für soziale Probleme, beispielsweise durch Sozialunternehmen, die in den letzten Jahrzehnten zunehmend als vielversprechende Ergänzung zur traditionellen Entwicklungszusammenarbeit diskutiert werden.

Siemens Stiftung

Die Siemens Stiftung arbeitet in den Bereichen Grundversorgung, Bildung und Kultur. Als operative Stiftung entwickelt sie ihre Projekte selbst, stößt sie an und gestaltet sie längerfristig mit. In ihrem Arbeitsbereich Grundversorgung und Social Entrepreneurship will die Siemens Stiftung Menschen dabei unterstützen, ihr Leben in Eigenständigkeit und Würde zu gestalten. Unser Ziel ist es, existenzielle Versorgungsdefizite abzubauen und dafür notwendige gesellschaftliche Strukturen zu stärken. In Entwicklungs- und Schwellenländern fördert die Siemens Stiftung insbesondere den Einsatz von einfachen und gleichzeitig innovativen technischen Lösungen und kombiniert diese in ihrer Projektarbeit mit Trainings und sozialunternehmerischen Ansätzen. www.siemens-stiftung.org

Zeppelin Universität und Civil Society Center
Die Zeppelin Universität (ZU) ist eine seit 2003 vom Land Baden-Württemberg staatlich anerkannte und vom Wissenschaftsrat akkreditierte Stiftungs
universität. Als „Universität zwischen Wirtschaft, Kultur und Politik“ lehrt und forscht sie – mit derzeit 1.308 Studierenden, 49 Professoren und knapp 269 Mitarbeitern – konsequent interdisziplinär, individualisiert und international. Sie wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem 2011 mit dem Bundessieg „Hochschule in Gesellschaft“ für ihr besonderes gesellschaftliches Engagement. In den relevanten Rankings wird sie seit Beginn in der Spitzengruppe geführt. Das Civil Society Center | CiSoC wurde im Jahr 2010 zur Erforschung insbesondere von sozialen Innovationen, sozialen Bewegungen und Sozialunternehmen mit zahlreichen fördernden Stiftungen – wie Stiftung Mercator, Siemens Stiftung oder JP Morgan Chase – gegründet. Mit derzeit fünf Mitarbeitern unter Leitung von Prof. Dr. Stephan A. Jansen und zahlreichen internationalen Partneruniversitäten werden nationale wie internationale empirische Projekte in Graduiertenkollegs durchgeführt. Die Mitarbeiter der Zeppelin Universität, die im Internationalen Forschungs
netzwerk IRENE I SEE mitwirken, sind Dr. Lisa M. Hanley (Projektleiterin), Aline Margaux Wachner und Tim Weiss (Doktoranden).