Meldung | Bildung 21.01.2014

Experimento-Fortbildung in Mthatha, Südafrika, erfolgreich abgeschlossen

© Siemens Stiftung

„Jetzt können wir auch in dieser Ecke des Landes glänzen. Danke!” Lächelnd liest Birgit Grässer die SMS eines Teilnehmers der Experimento-Lehrer-Fortbildung, die sie am 18. Januar in Mthatha gehalten hat. Mthatha ist eine Stadt im Eastern Cape, der ärmsten Provinz Südafrikas. Klassen mit oftmals 60 oder mehr Schülern, dürftig ausgestattete Schulen und eine zuweilen ungenügend methodische Ausbildung stellen die Lehrer dort vor vielfältige Herausforderungen. Die jährlichen Ergebnisse der zentralen Abschlussprüfungen sind bislang die schlechtesten des Landes. Birgit Grässer unterstützt diese Lehrer dabei, proaktiv an diese Probleme heranzugehen und so den naturwissenschaftlichen Unterricht zu verbessern.

„Bei den Lehrern ansetzen“: forschendes Lernen mit Experimenten

Birgitt Grässer gehört zum Team von Lilo Maclachlan. Gemeinsam mit Dr. Washington Dudu bieten sie an verschiedenen Orten Südafrikas Experimento-Fortbildungen für Lehrkräfte aus dem naturwissenschaftlich-technischen Bereich an. Experimento, das internationale Bildungsprogramm der Siemens Stiftung, basiert auf der Idee des forschenden Lernens: Anhand von Experimenten sollen die Schüler Zusammenhänge aus Naturwissenschaften und Technik besser verstehen lernen und so Wissen gewinnen, das für die Entwicklung eines Landes oder einer Region von entscheidender Bedeutung ist. Die Workshops vermitteln den Lehrern dafür das nötige Rüstzeug.

Mit dem Workshop am 18. Januar endete die vierteilige Fortbildungsreihe für die Region Mthatha, an der insgesamt 35 Lehrkräfte teilnahmen. Partner war die Walter-Sisulu-Universität, die zusammen mit den Fachbetreuern des Distrikts Mthatha die regionale Koordination der Workshops übernommen hat. „Das größte Problem unserer Universität ist, dass insbesondere die Schüler, die aus den ländlichen Gebieten an unsere Universität kommen, ungenügend vorbereitet sind und nur wenig Vorwissen mitbringen. Es dauert sehr lange, ihre Wissenslücken aufzufüllen”, erklärt Dr. Prince Jaca, Direktor der Fakultät für Mathematik, Naturwissenschaften und Technik. „Bei den Lehrern anzusetzen, um dieses Problem anzugehen, ist genau der richtige Weg.”

Neue Methoden für den Unterricht

„Am Anfang waren die Teilnehmer sehr skeptisch, doch schon am Ende des ersten Tages konnte man merken, wie viel Spaß ihnen der Workshop macht und wie gewinnbringend er für ihren täglichen Unterricht ist. Vor allem vom Methodenteil profitieren die Lehrer sehr”, resümiert Nozibele Siphambo, die die Lehrer für Mathematik, Physik und Technik des Mthatha-Distrikts betreut. Auch das Feedback der teilnehmenden Lehrkräfte war sehr positiv: „Ich konnte von Lilo, Birgit und Washington viel lernen und habe auch bereits mit meinen Schülern ein Experiment durchgeführt, das wir hier besprochen haben. Es hat perfekt in den Lehrplan gepasst”, erzählt Sakhile Mseleku, Lehrer an der Mandela School of Science & Technology in Mvezo. „Das praktische Arbeiten hilft enorm, komplexe Sachverhalte zu erklären. Außerdem merkt man richtig, wie auch normalerweise stille Schüler sich öffnen und beginnen, Fragen zu stellen.”

Um den Einsatz im Unterricht zu erleichtern, haben alle Teilnehmer eine Box mit Materialien für rund 130 Experimente und ausführliche Anleitungen erhalten, aber auch gelernt, dass es nicht viel braucht, um im Unterricht Experimente durchzuführen. „Man braucht nicht zwingend eine teure Ausstattung. Schon mit einfachen, günstig zu beschaffenden Materialien kann man den Klassenraum in ein Labor verwandeln”, erklärt Lilo Maclachlan.

Netzwerken und weitergeben

„Wichtig ist auch, dass die Teilnehmer nach den Workshops in Kontakt bleiben“, betont Prince Jaca, „sowohl untereinander als auch mit den Trainern und der Universität. So können sie voneinander lernen und von den Erfahrungen der anderen profitieren.“ Um die Lehrer weiterhin zu unterstützen, aber auch um das Wissen direkt an Lehramts-Studenten weitergeben zu können, haben zwei Dozenten der Universität ebenfalls an der Fortbildung teilgenommen. Die Kooperation mit den erziehungswissenschaftlichen Fakultäten der Universitäten ist ein besonderes Anliegen von Experimento.

„Think big, start small“, das ist schließlich die Botschaft, die Birgit Grässer den Teilnehmern mit auf den Weg gibt. „Scheut euch nicht, etwas Neues auszuprobieren, nur so könnt ihr etwas bewegen!“