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CHANGING PLACES / ESPACIOS REVELADOS in Peru

Trennlinien durchkreuzen

Die Brücke überqueren: Das Stadtviertel Rímac ist vom historischen Stadtzentrum Limas durch den Fluss Rímac getrennt.
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An den Trennlinien der Stadt öffnet ESPACIOS REVELADOS / CHANGING PLACES in Lima neue ästhetische Erfahrungsräume. Sie machen bewusst, was wir teilen und was uns teilt. Künstlerinnen und Künstler zeigen neue Perspektiven auf ungenutzte Räume der 10-Millionen-Metropole und werfen dabei auch die Frage auf, wie Kunst gerade in Zeiten von pandemischen Kontaktbeschränkungen gemeinsamen öffentlichen Raum herstellen kann.

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Von November 2021 bis März 2022 entstehen in drei Stadtteilen um den Río Rímac jeden Monat neue Werke. 

Fragmentierte Stadt

Es scheint paradox: Gesellschaften differenzieren sich immer weiter aus, Lebensstile werden vielfältiger. Dennoch wird die Stadt oft als Einheit verstanden. Doch welches Gemeinsame liegt der Stadt zugrunde? Welche Chancen ergeben sich für die Vorstellung und Entwicklung der Stadt, wenn künstlerische Arbeiten nicht nur als Events verstanden werden, sondern als kommunikative und räumliche Prozesse, die Konflikte produktiv werden lassen? Mit diesen Fragen startet das Projekt CHANGING PLACES in der peruanischen Hauptstadt.

Lima scheint wie eine Stadt aus unverbundenen Teilen, die sich unabhängig voneinander weiterentwickelt haben. Auch sozial und kommunikativ sind die Viertel oft voneinander getrennt. Jeder dieser Teile sucht seine Zukunft. Diese gesellschaftliche Kluft hinterlässt charakteristische Spuren im Stadtbild.

Mit Kunst gemeinsamen Raum schaffen

Besonders sichtbar wird das in den historischen Zentren an den Ufern des Flusses Rímac: Cercado de Lima und Barrios Altos auf der einen Seite, Rimac nördlich angrenzend auf der anderen Flussseite. Die ältesten Bezirke der Stadt erstrecken sich vom UNESCO geschützten Kulturerbe kolonialer Häuser bis zu den informellen Siedlungen an den Berghängen – eine Folge der intensiven Migration, die Lima in den letzten 30 Jahren erfahren hat.

27 Kunstprojekte beschäftigen sich hier mit sichtbaren und unsichtbaren städtischen Räumen und Gebäuden, die ungenutzt sind, übersehen werden oder sich bewusst dem Blick entziehen. Ziel ist es, Aktionen und Werke zu initiieren, die öffentlichen Raum aktiv herstellen und Bewohnerinnen und Bewohner einladen, die Brücke zu überqueren – sinnbildlich und physisch. Wie lassen sich Verbindungen herstellen zwischen ungleichen Zentren, sozialen Schichten, Kultur und Natur? Wie werden Barrieren erfahrbar? Thematisiert werden hier auch das Recht auf Kultur und die Bedeutung kultureller Dynamiken für die Erhaltung der Öffentlichkeit und des Gemeinwesens.

27 ortsspezifische Arbeiten laden dazu ein, die Brücke zu überqueren

Ab 12. November 2021 sind die entstanden Arbeiten in einer fünfmonatigen Reihe zu sehen. Für je ein Wochenende im Monat zeigen Künstler*innen und Kollektive aus Peru, Mexiko, Brasilien und Spanien Installationen, performative Aktionen und architektonische Setzungen im öffentlichen Raum. Zum Auftakt der Reihe sind sechs Werke in drei Stadtteilen zu sehen: Eine alte Tabakfabrik wird zum Begegnungsort; in der ehemaligen Zentralpost werden Pandemie-Erfahrungen in Briefen geteilt; die heilenden Gesänge von Shipibo-Frauen laden ein zur Auseinandersetzung mit dem verschmutzten Fluss. Ausgeschlossene Bevölkerungsgruppen werden auf Straßen und Plätzen sichtbar, koloniale wie migrantische Erfahrungen rücken in den Fokus. Bewohnende der Stadtviertel um den Fluss arbeiten gemeinsam mit Kunstschaffenden an einer sozialen Skulptur, schlagen eine symbolische Brücke über den Fluss oder stellen mit dem gemeinsamen Bau eines schlangenförmigen Gebäudes für Kinder in traditioneller Lehmbautechnik kollektives Gedächtnis wieder her. Die Arbeiten können individuell oder in mehreren Touren pro Tag kollektiv erlebt werden.

Künstler*innen und Kollektive des ersten Teils der Reihe: Comunespacio, Sandra Nakamura, elgalpón.espacio, estudio de arquitectura 24/7, DIADIA arquitectura, Oscar Pacheco und Proyecto Yivi (Mexiko)

Orte: Casa de Correos y Telégrafos, Trujillo-Brücke, Kirche San Lázaro, alte Fabrik der Backus-Brauerei, Alameda de los Descalzos, die die Balta-Brücke und den Conjunto Habitacional La Muralla verbindet

Bisherige Projektphasen: Forschung, Diskurs, digitale Dialogreihe und Videos

Das Projekt in Lima begann 2019 mit einer umfangreichen Recherche zu ungenutzten urbanen Räumen, leerstehenden Gebäuden und ihren sozialen Kontexten, Fragen nach Ausschluss und Teilhabe spielten ebenso eine Rolle wie Aspekte des materiellen und immateriellen Kulturerbes. Zum Auftakt des Projekts fand von Juni bis Dezember 2020 eine monatliche digitale Dialogreihe statt. Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Disziplinen setzten sich dabei mit der Rolle von Kunst und Kultur im Kontext der Krise auseinander, mit Märkten als urbanen Räumen der Produktion, des Konsums und der Begegnung, mit Ungleichheit in der Stadt und Zugang zu gemeinsamen Gütern. Ebenso diskutierten sie über nachhaltige Stadt und das Verhältnis von Urbanität und Natur und tauschten sich über vulnerable Bevölkerungen und eine inklusive Stadt aus.

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Einen Einblick zur ersten Dialogreihe gibt das Kompilationsvideo.
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Die digitalen Konferenzen erreichten via Facebook 30.000 Zuschauerinnen und Zuschauer. Während der Pandemie wurden außerdem 21 Videos künstlerischer Erfahrungen zu diesen Themenblöcken publiziert. Nach einer Ausschreibung für künstlerische Ideen zu konkreten Stadtteilen wählte eine Jury 18 Positionen aus Peru ausEin Diskurs-Programm mit Vorträgen und Diskussionen zur Kontextualisierung der Projekte fand über 8 Monate jeweils für ein Wochenende zwischen Mai und September 2021 stattDie Projekt-Aktivitäten wurden außerdem von einem Beirat und Forschungsarbeiten der Universidad Nacional de Ingenería zu den ausgewählten Orten begleitet. 

In Zusammenarbeit mit:

Municipalidad Metropolitana de Lima, Gerencia de Cultura y el Programa Municipal para la Recuperación del Centro Histórico – PROLIMA, Municipalidad del Rímac, Ministerio de Cultura, Centro Cultural de la Universidad Mayor de San Marcos, Escuela Nacional Superior Autónoma de Bellas Artes, Goethe-Institut Peru, Beneficencia de Lima, dem Museo de los Descalzos, Revista Devenir, Ícomos Perú, Yuyai-UNI u. a.

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