Wasser und Klimaresilienz: Gemeinsame Herausforderungen in konkretes Handeln übersetzen
Roundtable zu Wasser und Klimaresilienz im Rahmen der ersten Munich Climate Week
© Siemens Stiftung
Wie kann Wasser die Klimaresilienz von Gemeinschaften stärken? Am 19. Oktober 2026 brachten die Siemens Stiftung, Viva con Agua und das Deutsche WASH-Netzwerk Vertreter*innen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Philantrophie und Zivilgesellschaft in München zusammen. Im Rahmen der ersten Munich Climate Week verband das Fachgespräch praktische Erfahrungen mit politischen Perspektiven und identifizierte gemeinsame Handlungsschwerpunkte.
Wasser verbindet Klimaanpassung, Ernährungssicherheit, Gesundheit und Lebensgrundlagen. Dennoch wird seine Bedeutung in der Klimapolitik und -finanzierung bislang nicht ausreichend berücksichtigt. Die Teilnehmenden diskutierten, wie sektorübergreifende Zusammenarbeit diese Lücke schließen und die Widerstandsfähigkeit von Gemeinschaften gegenüber zunehmenden Klimabelastungen stärken kann.
„Da der Klimawandel den Druck auf Ressourcen erhöht, ist es entscheidend, Wasser-, Ernährungs- und Bodensicherheit miteinander zu verbinden, um die Widerstandsfähigkeit zu stärken und die internationale Zusammenarbeit zu fördern“, sagte Dr. Andreas Schaumayer vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).
Technologie und lokale Kompetenzen verbinden
Erfahrungen aus Ostafrika zeigten, wie Dürren, unvorhersehbare Niederschläge und Überschwemmungen die Wasserversorgung und den Alltag beeinflussen. Ein verlässlicher und bezahlbarer Zugang zu Wasser bildet die Grundlage für Klimaresilienz. Um ihn aufrechtzuerhalten, braucht es neben Infrastruktur auch Kompetenzen, Ressourcen und Partnerschaften, die lokale Akteur*innen bei der Anpassung unterstützen.
„Bei Innovation geht es nicht allein um Technologie“, betonte Christine Meinhardt, Leiterin des Arbeitsgebiets Wasser der Siemens Stiftung. Sie hob hervor, wie wichtig es ist, lokale Sozialunternehmen, Wasserversorger und Gemeinschaften zu befähigen, die Wasserversorgung nachhaltig zu gestalten und Lösungen für lokale Bedingungen zu entwickeln.
„Abwasser ist eine Ressource“, erklärte Prof. Dr.-Ing. Jörg E. Drewes von der Technischen Universität München. Die Wiederverwendung von Wasser sowie die Rückgewinnung von Nährstoffen und Energie bieten Möglichkeiten, Süßwasserressourcen zu entlasten. Die Teilnehmenden betonten, dass viele technologische Lösungen bereits existieren, ihre Umsetzung jedoch stärkere Zusammenarbeit erfordert.
Technologie und lokale Kompetenzen verbinden
Vertrauen, Beteiligung und Zusammenarbeit erwiesen sich als ebenso wichtig. Christian Wiebe von Viva con Agua betonte, wie wichtig es ist, Gemeinschaften zu stärken, damit sie sich gemeinsam vorbereiten, anpassen und von Krisen erholen können. Entscheidend sind dabei die Berücksichtigung lokalen Wissens und die Beteiligung der besonders vom Klimawandel Betroffenen.
„Wasser wird inzwischen ernster genommen, doch das spiegelt sich nicht in der Klimafinanzierung wider“, stellte Hannah Neumeyer vom Deutschen WASH-Netzwerk fest und forderte eine stärkere Verknüpfung von Wasser, Sanitärversorgung und Klimafinanzierung.
Das Fachgespräch verdeutlichte ein gemeinsames Verständnis: Wasser ist nicht nur einer von vielen Sektoren, sondern eine wesentliche Grundlage für Klimaresilienz, nachhaltige Entwicklung, gesellschaftliche Stabilität und menschliches Wohlergehen. Die Teilnehmenden waren sich einig, dass Wasser Klimaanpassung, Ernährungssicherheit, Gesundheit, wirtschaftliche Chancen, ökologische Nachhaltigkeit und Frieden miteinander verbindet.
Klimaresiliente Gemeinschaften erfordern einen Wandel von isolierten Ansätzen hin zu integrierten, systemischen Lösungen, die Technologie, Finanzierung, Steuerungsstrukturen, lokale Kompetenzen und gesellschaftliche Beteiligung verbinden. Widerstandsfähige Wassersysteme hängen ebenso von Menschen, Institutionen und Partnerschaften ab wie von Infrastruktur.
Der Austausch unterstrich zudem, dass weitere Fortschritte stärkere sektorübergreifende Zusammenarbeit, eine größere Berücksichtigung von Wasser in der Klimafinanzierung und -politik sowie mehr Unterstützung für lokale Innovationen erfordern. Wasser sollte daher als strategische Priorität im Klimahandeln und bei globalen Entscheidungen verankert werden. Es bildet die Grundlage für Klimaresilienz und trägt zur Stabilität von Gemeinschaften und Gesellschaften angesichts zunehmender Klimaunsicherheiten bei. Vor allem aber ist Wasser ein menschliches Grundbedürfnis und die Grundlage für einen gesunden Planeten.
Mit Blick auf die UN-Wasserkonferenz im Dezember 2026 wurden die Teilnehmenden eingeladen, sich an der gemeinsamen Erklärung der Interessengruppen zu beteiligen. Diese wird im Rahmen eines globalen Konsultationsprozesses erarbeitet, um praktische Perspektiven in die internationale Wasseragenda einzubringen.