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MINT-Bildung in Kolumbien

MINT für mehr Menschlichkeit

Vom Flüchtlings-Hotspot zur „cuidad más educada“: Medellín investierte jahrelang fast 40 Prozent ihres Etats in Bildung. Die Strategie ging auf.
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Für die Kinder vieler Binnenflüchtlinge bietet gerade eine technische Ausbildung Chancen, in ihrer neuen Heimat Fuß zu fassen.
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Dabei vermittelt der Unterricht viel mehr als nur Wissen: Trost, Zuversicht und ein friedliches Miteinander.
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Vor allem das gemeinsame Experimentieren fördert den Dialog.
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„Gemeinsam zu experimentieren, ist in Kolumbien eine neue Art zu unterrichten. In der Gruppe diskutieren, den anderen verstehen, bedeutet, der andere wird in den Dialog einbezogen. Auch, wenn er der Sohn eines Paramilitärs oder Guerilleros ist. Das ist: Friedensprozess unterrichten“, beschreibt Nestor David Restrepo, Bildungssekretär des Departamento de Antioquia, die Wirkung naturwissenschaftlich-technischer Bildung auf den Reformprozess in Kolumbien.

Das vom Bürgerkrieg zerrissene Land sucht den Frieden. Bildung wird dabei zu einer wichtigen Brücke im gesellschaftlichen Miteinander. Bis 2025 will sich Kolumbien mit der besten Bildung Lateinamerikas positionieren. Im Fokus stehen vor allem wirkungsvolle Aus- und Weiterbildungsangebote für Lehrkräfte sowie zeitgemäße Methoden im naturwissenschaftlich-technischen Unterricht: MINT-Lehren und -Lernen soll nicht frontal, sondern problemorientiert, interaktiv und kooperativ gestaltet werden. Es soll junge Menschen befähigen, informierte und reflektierte Entscheidungen zu treffen.

  • Vorschule (Educación inicial: 2 Jahre), Grundschule (Educación básica: 5 Jahre), weiterführende Schule (Educación primaria y secundaria: 4 Jahre)
  • Ausgaben für Bildung: 4,5 % des BIP (2015)
  • WEF Ranking Maths and Science: Platz 100 von 137 (2017/18)
  • PISA-Studie 2015: Platz 59 von 71
  • Wichtige Themen: Stärkung von Frieden und Stabilität, Verbesserung der Lehrerausbildung, Erarbeitung eines nationalen Lehrplans

Mit Mut, Kreativität und einem starken Veränderungswillen engagieren sich seit Jahren verschiedenste Akteure aus Bildungspraxis- und -forschung, Wirtschaft und Politik für eine Verbesserung naturwissenschaftlich-technischer Kompetenzen von jungen Menschen. Die internationale Siemens Stiftung und die lokale Fundación Siemens Colombia leisten in diesem Kontext mit MINT-Bildungsprogrammen und thematischer Netzwerk- und Gremienarbeit einen Beitrag.

Internationales Bildungsprogramm Experimento

2011 startete die Fundación Siemens Colombia gemeinsam mit der Bildungsbehörde der Stadt Medellín und dem Kooperationspartner Universidad de Los Andes den Einsatz des internationalen Bildungsprogramms Experimento der Siemens Stiftung. Zunächst in Medellín und im Departamento de Antioquia, experimentieren seit 2015 auch Grundschülerinnen und Grundschüler der Städte Bogota/Tenjo, Cali und Barranquilla mit Experimento. Die Universität adaptierte Experimento für den nationalen Lehrplan und entwickelte maßgeschneiderte Schulungen für Lehrkräfte. Lehrerinnen und Lehrer können zudem in ein zertifiziertes Schulungsprogramm aufgenommen werden.

Medellín – ein Beispiel für wirkungsvolle Bildung

Experimento wird in Medellín entlang der gesamten Bildungskette, vom Kindergarten über Grundschule und weiterführende Schule bis hin zur Universität in Medellín eingesetzt. Mit Erfolg: Schulpsychologen beobachten in den „sozialen Brennpunkten“ Medellíns signifikante Verbesserungen im gemeinschaftlichen Umgang der Schülerinnen und Schüler. Vorurteile, Gewalt, Mobbing und aggressive Verhaltensweisen im Schulgeschehen konnten erfahrungsgemäß über die Gruppenarbeit und das Forschende Lernen gemindert werden.

STEM + H: Ganzheitliche Bildung im Sinne des Gemeinwohls

Seit 2017 einwickelt die Stadt Medellín ihr Bildungsengagement strategisch weiter. Die Ausrichtung von STEM- zu STEM+H-Bildung (STEM+Humanity) schlägt eine Brücke zu den Geisteswissenschaften. Gewünscht ist eine Bildung, die neben den naturwissenschaftlich-technischen Fachkenntnissen auch Haltungen, zur Ausbildung einer sozial orientierten Persönlichkeit ermöglicht und das Gemeinwohl in den Mittelpunkt einer ganzheitlich gefassten Bildung stellt. Die Fundación Siemens Colombia und die Siemens Stiftung unterstützen diesen Prozess operativ durch die Einbindung von Experimento und durch aktive Netzwerkarbeit. Beispielsweise führt die deutsche, international agierende TUM School of Education, ein langjähriger Partner der Siemens Stiftung, nicht nur Lehrerfortbildungen in Medellín durch, sondern pflegt inzwischen selbst eine intensive Partnerschaft mit lokalen Bildungsverantwortlichen.

Gemeinsam arbeiten und Kompetenzen bündeln

Neben ihrer operativen Arbeit agieren die Fundación Siemens Colombia und die Siemens Stiftung auch als „Brückenbauer“ zwischen kommunalen Einrichtungen, ortsansässigen Unternehmen, lokalen Universitäten und Vertretern der Zivilgesellschaft zum Aufbau von STEAM Territorios. Ziel ist es, ein erfolgreiches Bündnis im Sinne einer besseren (STEM-) Bildungsqualität und mit zeitgemäßen, frei verfügbaren Lehr- und Lernmaterialien zu ermöglichen. Die Kooperationen haben bewirkt, dass eine kontinuierliche Bildungspolitik für Zugang, Qualität und gut gelingende STEM-Bildung zum Label für Medellín werden konnte. „Territorio STEM + H“ ist die Deklaration einer kontinuierlich durchgesetzten und mit der Gesellschaft insgesamt verhandelten Strategie für das Gemeinwohl.

Kolumbien im Bündnis internationaler Kooperationen

Das wirkungsvolle Zusammenspiel von engagierten Akteuren vor Ort ist in Kolumbien in besonderer Weise gelungen und geht durch die Kooperationen mit Bildungspartnern aus Chile, Mexiko und Peru wachsend über die nationalen Grenzen hinaus. Wegweisend dafür ist die 2017 unterzeichnete „Bildungs-Städte-Partnerschaft“ zwischen Lima/Miraflores in Peru und Medellín. Mit dieser Bildungsachse sollen Strategien und Methoden zur Förderung der (STEM-) Bildung miteinander diskutiert, entwickelt und umgesetzt werden.

Red STEM Latinoamérica

Seit 2011 unterstützt die Siemens Stiftung mit ihrem internationalen Bildungsprogramm Experimento Pädagogen und Lehrkräfte in acht Ländern Lateinamerikas dabei, das STEM-Verständnis von Kindern und Jugendlichen zu fördern und ihr Interesse an naturwissenschaftlich-technischen Zusammenhängen zu stärken. Die spanische Website Red STEM Latinoamérica informiert umfassend über das Engagement und fördert die Netzwerksaktivitäten der einzelnen Akteure.

Bildung in Lateinamerika
Ulrike Wahl

+569 6176 7041

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