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CHANGING PLACES in Mexiko

Umgang mit dem kulturellen Erbe der Moderne

Die alte Biblioteca Pública del Estado vor dem Park Agua Azul beherbergte mehr als 35 Jahre lang das Erbe des Staates.
© Moisés Mondragón

Von August 2019 bis März 2020 fand ein neues Stadtprojekt der Reihe CHANGING PLACES / ESPACIOS REVELADOS in Guadalajara statt. Die traditionsreiche Hauptstadt des Bundesstaates Jalisco ist die zweitgrößte Stadt Mexikos. Ihre modernistische Architektur ist einer der kulturellen Schätze der Stadt – und wird dort noch immer wenig geschätzt.

Ein Blick auf die architektonische Moderne in Guadalajara

Ab 1950 erlebte Guadalajara einen der radikalsten Modernisierungsprozesse des Landes: Große Funktionsgebäude, Minimalismus und die Utopien eines kollektiven Wohnens verleihen der Stadt seither einen besonderen Charakter. Einige der repräsentativen Bauten dieser Epoche, die heute leer stehen oder kaum genutzt werden, nutzte das Projekt für künstlerische Arbeiten um.

Scheitern der Utopien der Moderne

Die Modernisierungsbewegung mit ihrem Innovationsdrang war von der festen Überzeugung geprägt, dass Fortschritt vor Armut bewahren würde. 1970 erwachte das Land aus diesem Traum mit einer der größten Wirtschaftskrisen, verschärft durch die darauf folgenden Migrationsbewegungen. Ausgehend vom Stadtzentrum entwickelte sich zusehends Leerstand. Verlassene oder halbverfallene Gebäude führten dazu, dass die Bevölkerung in andere Stadtteile umzog. Die zentrifugale Bewegung beschleunigte sich zusehends, angetrieben durch die Immobilienspekulationen, und hält bis heute an.

Spuren einer imaginären Zukunft für die Stadt

Der Arbeitsprozess von CHANGING PLACES/ESPACIOS REVELADOS begann im August 2019 mit einem Programm an Stadtlaboren und Workshops, das sich auf die Stadtteile Moderna, Analco und das Stadtzentrum bezog. Wissenschaftler*innen, Künstler*innen, Nachbarinnen und Nachbarn gingen gemeinsam auf Feldforschung an den vergessenen Orten der Stadt, sichteten Karten und suchten nach Wegen, wie sich mit diesem Kulturerbe leben lässt. Auf der Basis dieser Erfahrungen entwickelten 30 Künstler*innen aus sieben Ländern in 19 Gebäuden und Plätzen ortsspezifische Arbeiten. Installationen, Performances und Aktivationen entfalteten von 6. bis 15. März 2020 bei freiem Eintritt andere Perspektiven auf die Stadt. Sie aktivierten Erinnerungen, setzten sich kritisch mit damaligen Utopien einer Zukunft auseinander und fragten, was sich daraus für die Gegenwart mobilisieren lässt. Die Kunstwerke beleuchteten traditionelle Arbeitspraktiken und beobachteten, wie Körper die Stadt formen und verändern. Gleichzeitig öffneten sie einen Raum für Austausch, Begegnung und Tanz im öffentlichen Raum, der die Verletzlichkeit, die Wut und die Möglichkeit der Solidarität zum Ausdruck brachte.

Weitere Komponenten des Projekts waren der Aufbau eines Archivs zum Thema und ein internationales Forum, das sich von 9. bis 11. März 2020 mit der Frage beschäftigte, wie sich mit dem Scheitern dieser Moderne in der Stadt leben lässt.

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