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CHANGING PLACES in Mexiko

Umgang mit dem kulturellen Erbe der Moderne

Perspektivwechsel bot das mexikanische Teatro Ojo mit der Installation eines Call Centers über den Dächern der Stadt.
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Die live geschalteten Gespräche mit Bewohnerinnen und Bewohnern aus der Umgebung zeichneten andere, bislang wenig gehörte Bilder des Stadtviertels.
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Die alte Biblioteca Pública del Estado vor dem Park Agua Azul beherbergte mehr als 35 Jahre lang das Erbe des Staates.
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Laura Uribe verwandelte das weitgehend leerstehende Gebäude in ein lebendiges Archiv der Lebenswege von Frauen, die in diesem Gebäude arbeiteten.
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In einer symbolischen Aktion drehte der venezolanische Künstler Miguel Braceli den Obelisken der Plaza Juarez in die Horizontale...
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...und führte damit Visionen der architektonischen Moderne auf ein menschliches Maß zurück...
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...als kollektive Erfahrung, wie dieses Scheitern der Moderne anders gelebt werden kann.
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Explosionen im Kanalnetz markierten 1992 den Wendepunkt des Stadtviertels Analco.
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La Laura Palmer aus Chile führte die Besucherinnen und Besucher zu anderen Begegnungen mit dem heute als gefährlich geltenden Viertel und seinen Bewohnerinnen und Bewohnern.
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In den leeren Räumen des ehemals ikonischen Busterminals ließ Isreal Martínez die Erinnerungen und Visionen seiner Nutzer*innen nachhallen.
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Wie lässt sich Leerstand in lebendige Orte wandeln, fragte Andrea Chirinos und lud zu einer „Stromschnelle von Ideen“ mit skurrilem Gemeinschaftserlebnis und Tanz.
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Dyana Bayardo übersetzte Bewegungen der Arbeiter*innen aus der Epoche der Moderne in eine Raumchoreographie.
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Die recherchierten Materialien und Dokumente des Arbeitsprozesses wurden in einem Archiv zugänglich gemacht und in Gesprächen aktiviert.
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Von August 2019 bis März 2020 fand ein neues Stadtprojekt der Reihe CHANGING PLACES / ESPACIOS REVELADOS in Guadalajara statt. Die traditionsreiche Hauptstadt des Bundesstaates Jalisco ist die zweitgrößte Stadt Mexikos. Ihre modernistische Architektur ist einer der kulturellen Schätze der Stadt – und wird dort noch immer wenig geschätzt.

Ein Blick auf die architektonische Moderne in Guadalajara

Ab 1950 erlebte Guadalajara einen der radikalsten Modernisierungsprozesse des Landes: Große Funktionsgebäude, Minimalismus und die Utopien eines kollektiven Wohnens verleihen der Stadt seither einen besonderen Charakter. Einige der repräsentativen Bauten dieser Epoche, die heute leer stehen oder kaum genutzt werden, nutzte das Projekt für künstlerische Arbeiten um.

Scheitern der Utopien der Moderne

Die Modernisierungsbewegung mit ihrem Innovationsdrang war von der festen Überzeugung geprägt, dass Fortschritt vor Armut bewahren würde. 1970 erwachte das Land aus diesem Traum mit einer der größten Wirtschaftskrisen, verschärft durch die darauf folgenden Migrationsbewegungen. Ausgehend vom Stadtzentrum entwickelte sich zusehends Leerstand. Verlassene oder halbverfallene Gebäude führten dazu, dass die Bevölkerung in andere Stadtteile umzog. Die zentrifugale Bewegung beschleunigte sich zusehends, angetrieben durch die Immobilienspekulationen, und hält bis heute an.

Spuren einer imaginären Zukunft für die Stadt

Der Arbeitsprozess von CHANGING PLACES/ESPACIOS REVELADOS begann im August 2019 mit einem Programm an Stadtlaboren und Workshops, das sich auf die Stadtteile Moderna, Analco und das Stadtzentrum bezog. Wissenschaftler*innen, Künstler*innen, Nachbarinnen und Nachbarn gingen gemeinsam auf Feldforschung an den vergessenen Orten der Stadt, sichteten Karten und suchten nach Wegen, wie sich mit diesem Kulturerbe leben lässt. Auf der Basis dieser Erfahrungen entwickelten 30 Künstler*innen aus sieben Ländern in 19 Gebäuden und Plätzen ortsspezifische Arbeiten. Installationen, Performances und Aktivationen entfalteten von 6. bis 15. März 2020 bei freiem Eintritt andere Perspektiven auf die Stadt. Sie aktivierten Erinnerungen, setzten sich kritisch mit damaligen Utopien einer Zukunft auseinander und fragten, was sich daraus für die Gegenwart mobilisieren lässt. Die Kunstwerke beleuchteten traditionelle Arbeitspraktiken und beobachteten, wie Körper die Stadt formen und verändern. Gleichzeitig öffneten sie einen Raum für Austausch, Begegnung und Tanz im öffentlichen Raum, der die Verletzlichkeit, die Wut und die Möglichkeit der Solidarität zum Ausdruck brachte.

Weitere Komponenten des Projekts waren der Aufbau eines Archivs zum Thema und ein internationales Forum, das sich von 9. bis 11. März 2020 mit der Frage beschäftigte, wie sich mit dem Scheitern dieser Moderne in der Stadt leben lässt.

Veränderte Dynamiken in den Nachbarschaften

Insgesamt 12.000 Besucher*innen erlebten die Installationen, Performances, Aktivierungen, Gespräche und die internationale Konferenz während der 10 Tage. Vor allem die Kooperation zwischen unterschiedlichen Bereichen wie der Kunst, den drei beteiligten Universitäten und zivilgesellschaftlichen Organisationen schuf neue Allianzen. Die Abschlusspräsentation der entstandenen künstlerischen Arbeiten in den ungenutzten, teils ikonischen Gebäuden der Stadt veränderte auch die Dynamik in den Nachbarschaften. „Viele Menschen haben Angst, nach Analco zu kommen. Dies ist eine Gelegenheit für sie, das Viertel kennenzulernen und zu sehen, dass es hier nicht nur Probleme gibt, sondern dass es auch andere Dinge gibt“, erzählte eine Bewohnerin. Der argentinische Verlag DocumentA/Escénicas wird eine Buchpublikation zu den Themen des Projekts erarbeiten, das voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2020 erscheint.

Künstler*innen

Mariana Arteaga, Cía Atea, Marta María Borrás, Héctor Bourges / Cía. Teatro Ojo, Miguel Braceli, Andrea Chirinos, Florencia Guillén, Miguel Ángel Gutiérrez, Olga Gutiérrez, Cía La Laura Palmer, Yair López, Cía Mákina DT, Israel Martínez, La Otra Calle /
Adriana Guillén, Leonardo Moreira / Cía Hiato, Cía Nyam Nyam, Adriana Salazar, Laura Uribe, Lorena Wolffer

in Zusammenarbeit mit weiteren Partnern

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