Spezifisch entwickelte Methoden und Materialien unterstützen die Lehrkräfte im inklusiven Experimentalunterricht.

Die differenzierte und individuelle Förderung aller Schüler und dabei die Wertschätzung der zunehmenden Unterschiedlichkeit der Lernenden: das ist der Grundgedanke eines inklusiven Unterrichts, der in Deutschland bildungspolitisch gefordert wird. Entsprechend sollen alle Schüler, ob mit oder ohne Handicap, unabhängig von ihrem Förderbedarf, ihres kulturellen, sprachlichen und sozioökonomischen Hintergrunds, bestmöglich, individuell und dennoch gemeinsam gefördert werden.

Um Lehrkräften die Umsetzung inklusiver Lernumgebungen in der Unterrichtspraxis zu ermöglichen, sind neben der Aus- und Fortbildung sowie der Schaffung unterstützender Rahmenbedingungen vor allem auch geeignete Lehr- und Lernmaterialien notwendig. Entsprechende Angebote für den Einsatz in den naturwissenschaftlich-technischen Fächern sind jedoch rar.

Deshalb unterstützt die Siemens Stiftung Lehrkräfte bei der Umsetzung eines inklusiven Unterrichts in den MINT-Fächern. Gemeinsam mit unseren Kooperationspartnern, der iMINT-Akademie der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft Berlin und dem Landesinstitut für Schulqualität und Lehrerbildung Sachsen-Anhalt (LISA), haben wir exemplarisch inklusive Experimentiereinheiten entwickelt. Diese ermöglichen ein differenziertes und dennoch gemeinsames Erarbeiten naturwissenschaftlich-technischer Fragestellungen in heterogenen Gruppen. Die Lehr- und Lernmaterialien basieren unter anderem auf dem internationalen Bildungsprogramm Experimento der Siemens Stiftung sowie auf den Standards für das Experimentieren im inklusiven Unterricht der iMINT-Akademie.

Die in der iMINT-Akademie erarbeiteten Experimentiereinheiten für die Jahrgangsstufen 5 und 6 beschäftigen sich mit den Themenfeldern „Stoffe im Alltag“ sowie „Von den Sinnen zum Messen“. Die von LISA entwickelten Experimentiereinheiten für die Jahrgangsstufen 7 bis 10 fokussieren die Themen Energie, Umwelt und Gesundheit. Die Materialien sind auf die Potenziale und Bedürfnisse von Schülern mit verschiedenen Lernausgangslagen abgestimmt: Alle bearbeiten denselben Themenbereich, während ein niederschwelliger Einstieg, gestufte Hilfen sowie vertiefende Teilaufgaben auf unterschiedlichem Niveau das individuelle Arbeits- und Lerntempo berücksichtigen.

Ab dem Schuljahr 2016/2017 kommen die im Unterricht an Schulen getesteten inklusiven Materialien in der Lehrerfortbildung in Berlin-Brandenburg bzw. Sachsen-Anhalt zum Einsatz. Und die Entwicklung geht weiter – die inklusiven Lernumgebungen Stoffeigenschaften – eine Forschungsreise und Von den Sinnen zum Messen für die Jahrgangsstufen 5 und 6 werden für spezielle Förderbedarfe ausgebaut: einerseits durch Zusatzaufgaben für die spezielle Förderung begabter Schüler, andererseits durch besondere Angebote für Schüler mit sprachlichen Defiziten oder geringen Deutschkenntnissen.

Die Experimentiereinheiten schaffen die Grundlage für eine individuelle Förderung von Schülern im inklusiven MINT-Unterricht, ohne die Klassengemeinschaft aufzugeben. Jeder Schüler bringt sich nach seinen Möglichkeiten ein und leistet einen Beitrag zur Aufgabenstellung. Durch diese auf Vielfalt und Gemeinschaft ausgerichtete Arbeitsweise bilden sich lernprozessbezogene Werte wie Teamorientierung, Toleranz und Verantwortungsgefühl, die im Unterricht praktisch gelebt werden.

Die Materialien sind in deutscher Sprache auf den Bildungsservern der Länder Berlin und Sachsen-Anhalt verfügbar sowie im Medienportal der Siemens Stiftung, der Online-Plattform für qualitätsgeprüfte und lehrplanorientierte Lehr- und Lernmaterialien. Sie gehören zu den aktuell 2.200 Open Educational Resources (OER) im Medienportal, die unter der offenen Lizenz CC BY-SA 4.0 international allen Nutzern zur Verfügung stehen. Sie können ohne vorherige Registrierung heruntergeladen, nach den jeweiligen Bedürfnissen verändert und anderen wieder zur Verfügung gestellt werden.