• Die Gemeinde ist aktiv einbezogen: In Gemeindeversammlungen wird die Bedeutung von Trinkwasser und Hygiene diskutiert.
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  • Straßentheater ist unterhaltsam und in Kenia sehr beliebt - gleichzeitig können wichtige Botschaften zu Wasser und Gesundheit emotional vermittelt werden.
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  • Lokale Gesundheitsarbeiter sind wichtige Botschafter für Trinkwasser und Hygiene – hier ein Training von CHVs nördlich von Nairobi.
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  • Sobald sie das Training abgeschlossen haben, ziehen die CHVs von Haus zu Haus und erklären die Zusammenhänge zwischen Trinkwasserkonsum, Hygiene und Gesundheit.
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  • Lehrer und Schüler sind wichtige Multiplikatoren. Ein Experimentier-Set erleichtert den Lehrern die Vermittlung wichtiger Lehrinhalte und fördert den interaktiven Unterricht.
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  • Die Siemens Stiftung unterstützt Schulen beim Bau von Handwaschstationen. 2017 konnte eine neue Station an der Matunda Primary School in Betreib genommen werden.
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In Kenia haben noch immer rund 17 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Die Siemens Stiftung arbeitet daher mit den Safe Water Enterprise Programm sowie den Water Energy Hubs an einem Ansatz zur nachhaltigen Versorgung besonders in ländlichen Regionen. Noch immer sind der Konsum kontaminierten Wassers sowie unzureichende Hygiene die Hauptursachen für häufige Durchfall-Erkrankungen, die insbesondere für Kinder unter 5 Jahren gefährlich, sogar tödlich sein können. Dabei könnte allein regelmäßiges Waschen der Hände mit Seife das Erkrankungsrisiko um 50% reduzieren.

Oft sind der Bevölkerung die Zusammenhänge zwischen dem Konsum von Trinkwasser, hygienischen Verhalten und der eigenen Gesundheit nicht ausreichend bekannt. Viele Menschen verstehen schlicht nicht, was schlecht daran sein soll, das Wasser aus dem Fluss zu holen, wie es bereits ihre Vorfahren getan haben. Warum auch für Wasser bezahlen, das bisher umsonst war?

Die Siemens Stiftung setzt hier auf praxisorientierte Wissensvermittlung an den Schulen sowie auf soziales Marketing, das sich direkt an die Mitglieder in der Gemeinde wendet.

Praktisches Lernen an Schulen

Herzstück der Trainings ist ein Experimentier-Set, das anhand einfacher Experimente Fragen beantwortet wie: Welchen Einfluss hat kontaminiertes Wasser auf die Gesundheit? Wie verschmutzt Wasser? Wie kann man aus schlechtem Wasser dennoch Trinkwasser herstellen? Durch eigenes Ausprobieren und sichtbare Effekte werden Funktionsweisen und Zusammenhänge leichter verständlich und nachvollziehbar. Lehrer und Schüler sind oftmals gute Multiplikatoren, über die sich neues Wissen und Zusammenhänge zu Wasser, Hygiene und Gesundheit schnell in den Gemeinden verbreiten. Zudem steigt die Wahrscheinlichkeit, dass spätere Erwachsene, die entsprechendes Hygieneverhalten bereits als Kind erlernt haben, dieses Verhalten auch fortsetzen.

Kunden statt Hilfsempfänger: Soziales Marketing als Erfolgsfaktor 

Regelmäßige Hausbesuche, Straßentheater, Jahreskalender für Stammkunden: Soziales Marketing nutzt die Instrumente des klassischen Marketings zur Vertrauensbildung und intensiven Aufklärung. Eine wichtige Rolle spielen die Gesundheitsarbeiter, die es in fast jeder Gemeinde gibt. Sie kümmern sich auf ehrenamtlicher Basis um werdende Mütter, Kinder und kranke Menschen und beraten sie in gesundheitlichen Belangen. Als Botschafter für den Konsum von sauberem Trinkwasser und Hygiene ziehen sie von Tür zu Tür, geben Tipps und informieren die Bewohner, warum sie zum Beispiel Wasserkanister verschließen oder zuerst die eigenen Hände und dann alle Zutaten vor dem Essen waschen sollten. Gemeinsam mit Jugendgruppen werden Theaterstücke einstudiert, die das Hygiene-Thema in emotionale und lebensnahe Geschichten verpacken. Die traditionell verankerte Erzählweise sorgt dafür, dass bei den Veranstaltungen schnell einige hundert Zuschauer zusammenkommen.

Das RANAS-Modell

Die Aktivitäten der Siemens Stiftung zu Aufklärung und Sozialmarketing baut auf den Erkenntnissen eines interdisziplinären Forschungsteams der Schweizer EAWAG, einer Forschungsanstalt für Wasserversorgung, Abwasserreinigung und Gewässerschutz der ETH/Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich auf, das die Faktoren auf sozialer, physischer und persönlicher Ebene untersuchte, die für eine Verhaltensänderung ausschlaggebend sind:

Risk (Risiko): Menschen müssen sich der gesundheitlichen Risiken von durch Wasser übertragenen Krankheiten im Klaren sein, die der Genuss unsauberen Trinkwassers mit sich bringt.

Attitude (Grundhaltung): Für eine Verhaltensänderung ist auch die Haltung der Menschen gegenüber Wasser in Bezug auf Kosten, der Filtrierung, relevant und was den Aufwand der Beschaffung angeht.

Norms (Gesellschaftliche Normen): Hierbei handelt es sich um gesellschaftliche Vorgaben, die das Verhalten des Einzelnen in Bezug auf seine Trinkwasser-Gewohnheiten beeinflussen könnten. Findet sauberes Trinkwasser bereits Akzeptanz in der Gemeinde, werden sich andere wahrscheinlich anschließen.

Ability (Finanzielle Möglichkeiten): Es ist genau zu überprüfen, ob und wie viel die Mitglieder der Kommune für sauberes Trinkwasser bezahlen können.

Self-regulation (Selbstregulierung): Hier ist die Frage zu klären, ob es die Menschen als wichtig erachten, sauberes Trinkwasser am Kiosk zu kaufen. Sie sollten sich des Ursprungs des Wassers, das sie trinken, bewusst sein.

Das RANAS-Modell im Überblick