Pressemitteilung | Entwicklungskooperation 06.10.2016

Siemens Stiftung zeichnet Gewinner des empowering people. Award aus: 200.000 Euro Preisgeld gehen an die innovativsten technischen Erfindungen, die das Leben der Menschen in Entwicklungsregionen auf nachhaltige Weise zu verbessern helfen.

epa 2016 gewinner
Gewinner des empowering people. Award 2016 Preisträger von links nach rechts: Ratul Narain/Bempu Health (1. Preis), Dr Gamal Albinsaid/Indonesia Medika (2. Preis), Lennart Budelmann/aQysta (3. Preis), Mohammad Aleysa/Fraunhofer Gesellschaft - (Community Prize)
© Siemens Stiftung

Eine internationale Expertenjury hat die drei erfolgversprechendsten Projekte und Lösungen des empowering people. Award ausgewählt: Der erste Preis geht an BEMPU Health, eine Organisation aus Indien, für ein Armband, das gefährliche Hypothermie rechtzeitig anzeigt und so das Leben von Neugeborenen retten kann. Den zweiten Preis erhält Indonesia Medika für eine integrierte Lösung zur Bekämpfung von zwei gravierenden Problemen Indonesiens: dem Müllproblem und der fehlenden Gesundheitsversorgung vieler Menschen. Mit dem dritten Preis zeichnet die Siemens Stiftung das niederländische Unternehmen aQysta aus, das mithilfe seiner Barsha-Pumpe ausschließlich mit der Kraft des Wassers die Bewässerung von Feldern ermöglicht. WAFFCO, der Biomasse-Verbrennungsofen der Fraunhofer-Gesellschaft aus Deutschland, ist der Gewinner des Publikumspreises, über den die weltweite Netz-Community des empowering people. Network im Online-Voting entschieden hat.

Mehr als 800 Einreichungen aus 88 Ländern gingen bei der Siemens Stiftung ein, die den empowering people. Award im letzten Jahr zum zweiten Mal ausgerufen hat. Eine internationale Jury hat jetzt die drei Hauptgewinner aus einer Shortlist der 23 besten technischen Lösungen und Produkte ausgewählt. Kriterien waren unter anderem die Fragen, wie innovativ die jeweilige Lösung ist und ob sie auch in finanzieller Hinsicht auf längere Sicht bestehen kann. Während der Preisverleihung am 6. Oktober 2016 im LaLuz in Berlin zeichnete die Siemens Stiftung alle Gewinner aus.

„Unter den Gewinner-Lösungen sind beeindruckend einfache, aber intelligente technische Erfindungen, die die Lebensqualität von Menschen in Regionen mit unzureichender Grundversorgung deutlich verbessern werden. Ich bin sicher, das empowering people. Network trägt wesentlich dazu bei, dass diese Produkte und Lösungen ihr volles Potenzial entfalten können. Wir sollten die Arbeit der Erfinder und Entrepreneure daher so gut wie möglich gemeinsam begleiten“, sagte Noha El-Ghobashy, Gründerin und Präsidentin von Engineering for Change (E4C) und Jury-Mitglied des empowering people. Award.

Das empowering people. Network wurde gegründet, um Unternehmer und Erfinder mit operativen Partnern und Investoren sowie Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit zusammenzubringen. Die Mitglieder des Netzwerks profitieren unter anderem von Offline- und Online-Weiterbildungsangeboten zu Themen, die für ihre tägliche Arbeit relevant sind. Zudem erfahren sie fachliche Beratung und Unterstützung bei der Weiterentwicklung ihrer Organisation und der Implementierung ihrer Lösungen.

„Es kommt jetzt darauf an, dass wir mit diesen herausragenden Lösungen möglichst schnell so viele Menschen wie möglich erreichen“, sagte Rolf Huber, Geschäftsführender Vorstand der Siemens Stiftung. „Zusammen mit unserem internationalen Netzwerk aus engagierten und erfahrenen Experten werden wir die Gewinner dabei unterstützen und sie auf ihrem weiteren, oft schwierigen Weg als Unternehmer begleiten.“

Die Siemens Stiftung prämiert die Gewinner mit Preisgeldern in Höhe von 200.000 Euro. Die Erst-, Zweit- und Drittplatzierten erhalten je 50.000, 30.000 bzw. 20.000 Euro. Der Gewinner des Publikumspreises darf sich auf technisches Equipment für sein Projekt im Wert von 3.000 Euro freuen. Die 20 weiteren Finalisten erwartet ein Preisgeld in Höhe von je 5.000 Euro. Mit den Preisgeldern unterstützt die Siemens Stiftung die Erfinder bei der Weiterentwicklung und Implementierung ihrer Projekte. Darüber hinaus erhalten alle 23 Finalisten die Möglichkeit, sich dem empowering people. Network anzuschließen.

Die ersten drei Gewinner des empowering people. Award sind:

Der Hauptgewinner des empowering people. Award, BEMPU Health aus Indien, erhielt für seine Antwort auf das weitverbreitete Gesundheitsrisiko Hypothermie ein Preisgeld in Höhe von 50.000 Euro. Ein Armband (Bempu Hypothermia Alert Bracelet) überwacht die Körpertemperatur von Frühchen und Neugeborenen. Fällt die Temperatur unter eine kritische Marke und droht Unterkühlung, alarmiert das System die Eltern. Durch die intuitive Bedienung ist die Lösung für Menschen ohne jegliche medizinische Kenntnisse gut geeignet und braucht kein zusätzliches Training. Das Armband verhindert mit einfachen Mitteln den Tod von Neugeborenen in Gebieten mit unzureichender Gesundheitsversorgung.

Für ihr integriertes Gesundheitssystem Garbage Clinical Insurance (GCI) wurde die Indonesia Medika mit 30.000 Euro prämiert. GCI funktioniert wie eine Mikro-Krankenversicherung, allerdings bezahlen die Menschen in Indonesien nicht mit Geld, sondern in der Währung „recyclebarer Müll“. Indem sie Abfall gegen ärztliche Versorgung tauschen, sorgen die Menschen nicht nur für ihre eigene Gesundheit, sondern tragen gleichzeitig zur Lösung des Müllproblems vieler indonesischer Städte bei.

Der dritte Preis geht an aQysta für die Barsha Pump – Hydro-powered Irrigation aus den Niederlanden. Die Bewässerungspumpe verbessert die Anbau-Bedingungen und benötigt für ihren Betrieb lediglich einen Fluss oder einen Kanal – unabhängig von dessen Fließgeschwindigkeit. Die Pumpe mit großer Förderreichweite ist nicht nur günstig, sondern ist zudem aus heimischen Materialien gefertigt und benötigt kaum Wartung. Da sie nicht mit Treibstoff oder Elektrizität, sondern rein mit Wasserkraft arbeitet, fallen keinerlei Betriebskosten an.

Der Gewinner des Publikumspreises ist:

WAFFCO, Fraunhofer-Gesellschaft, Deutschland
Waste-Fuel Free Combustion (WAFFCO) ist ein geschlossener Biomasse-Verbrennungsofen für den Haushalt. Der einfach konstruierte Ofen besteht hauptsächlich aus Ton und wird zum Kochen eingesetzt. Er lässt sich mit landwirtschaftlichen und häuslichen Abfällen ebenso befeuern wie mit ausgedientem Verpackungsmaterial.

Die weiteren Gewinner sind:

Breezergy Mini-Windrad, FuSystems SkyWind, Deutschland
Das Mini-Windrad von Breezergy besteht aus lediglich zwei Teilen, ist leicht und dennoch robust, unkompliziert zu montieren und einfach zu bedienen. Das Windrad produziert zuverlässig genügend Energie für einen kleinen Haushalt und ist daher vor allem für Gebiete ohne Stromversorgung geeignet.

Café Compadre, Compadre, Peru
Der Kaffeeröster aus Peru bündelt Sonnenstrahlen und lenkt sie konzentriert auf die Kaffeebohnen. Die Röstung von einem Kilogramm Kaffeebohnen dauert so gerade einmal 15 bis 25 Minuten. Dabei kommt das Café Compadre mit einem Bruchteil der Energie aus, die herkömmliche Geräte benötigen.

Ennota, Ennota, Ägypten
Die Finanzmanagement-App von Ennota wurde für kleine Unternehmen der MENA-Region entwickelt. Sie soll Kleinunternehmer beim Ausbau ihrer Geschäftsaktivitäten unterstützen. Die App verbessert das Finanzwissen der Unternehmer, sodass sie sich leicht einen Überblick über alle wichtigen Finanzdaten verschaffen und die Effizienz ihrer Organisation steigern können.

Evaptainer, Evaptainers, USA
Der Evaptainer ist ein mobiles, stromunabhängiges Kühlungssystem, das die Verdunstung von Wasser zur Kühlung nutzt und verderbliche Lebensmittel schützt. Es funktioniert nach dem Prinzip des „Zeer Pot“, einem traditionellen Tonkühler; Bauern können damit ihre Ernte bis zum Verkauf auf dem Markt konservieren.

GiftedMom, GiftedMom, Kamerun
GiftedMom ist ein Sozialunternehmen, das mittels Mobilfunktechnologie die schnelle ärztliche Versorgung von Müttern und Kindern in entlegenen Regionen sicherstellt. Die Kombination aus SMS und Sprachnachrichten mit GPS-basierten Anwendungen sorgt für die Kommunikation zwischen Frauen und medizinischem Personal. Ziel ist es, durch rechtzeitig entsandte Hilfe die Rate der Kinder- und Müttersterblichkeit zu senken.

GravityLight, The GravityLight Foundation, UK
GravityLight sorgt für Licht im gesamten Haus. Die Energie für die Lampen wird durch das Anheben von Gewichten gewonnen; Batterien werden nicht benötigt. In Regionen ohne Stromversorgung sind sie eine nachhaltige, sichere und günstige Alternative zu Kerosinlampen.

GRIS water saving system, IgenDesign, Ungarn/Brasilien
Die Wasserbehälter von GRIS fangen auf dem Boden der Duschkabine das Wasser aus dem Duschkopf, von Boden und Wänden wieder auf. Das in den Containern gesammelte Wasser kann anschließend für die Toilettenspülung, die Reinigung oder die Bewässerung von Pflanzen genutzt werden.

Groasis Technology, Groasis/Desert Tulip/ICU, Jordanien
Groasis Technology ermöglicht das Überleben neu gepflanzter Bäume auch in extrem wasserarmen Ökosystemen. Dafür umgibt ein 20-Liter-Behälter den Keimling, der Tau und Regenwasser auffängt und so die Pflanze beim Anwurzeln und Wachsen unterstützt.

ioTM solar power system, Shamba Technologies, UK
Erschwingliche Sonnenenergie für ländliche Regionen ohne Stromversorgung: Das Basis-Element des modularen Solarkollektors ist günstig und bereits funktionstüchtig. Um die Leistungsfähigkeit und Funktionalität zu erhöhen, kann ‒ je nach Budget ‒ mit weiteren Modulen zum Betrieb von Geräten mit höherem Stromverbrauch aufgestockt werden.

Library for All, Library for All, USA
Mithilfe der cloudbasierten Bücherei Library for All erhalten Kinder aus Entwicklungsländern Zugang zu Lehrmaterialien in Form von E-Books. Die Bücherei wurde speziell für Regionen mit geringer Bandbreite konzipiert; das Angebot ist skalierbar und lässt sich an die Bedürfnisse der Lehrer und Schüler anpassen.

MAPS G110, Mobile Agricultural Power Solutions (MAPS), USA
Das Nutzfahrzeug MAPS G110 ist auf die Bedürfnisse von landwirtschaftlichen Betrieben ausgerichtet. Konzipiert für unwegsames Gelände, unterstützt es die Bauern dabei, Nahrungsmittel sicher auf den Markt zu bringen oder Maschinen und Anlagen leichter zu transportieren.

Mellowcabs, Mellowcabs, Südafrika
Die dreirädrigen, elektrischen Mini-Taxis sind eine günstige und bequeme Transportart in Ballungsräumen. Ein flexibel einsetzbares Solarpanel auf dem Dach liefert bis zu 35 Prozent der Energie. Die Fahrzeuge sind günstiger als normale Taxen oder Privatautos und sparen CO2 ein.

Multi-Crop Thresher, Elliot Avila, Tansania
Mit dieser Maschine lassen sich verschiedene Getreidesorten wie Mais oder Reis in ein und derselben Maschine dreschen. Dadurch wird der Vorgang effizienter und wirtschaftlicher. Das Gerät erspart nicht nur Anschaffung und aufwändiges Wechseln unterschiedlicher Aufsätze, sondern nimmt den Menschen generell das zeitintensive und anstrengende Dreschen per Hand ab.

Pearltect, Pearltect, Niederlande
Das innovative Selbstverteidigungsprodukt für Frauen wird als Armband getragen. Darin befindet sich eine kleine Kapsel, die bei einem Angriff eine übel riechende Substanz freisetzt und den Angreifer zusätzlich mit einem DNA-Farbstoff markiert.

Pocket FM, Media in Cooperation and Transition, Deutschland
Als Schnittstelle zwischen Internet und Radio ist Pocket FM für Situationen gedacht, in denen die Nachrichtenübermittlung erschwert ist. So kann das System zum Beispiel in Regionen eingesetzt werden, wo Bürgerkrieg herrscht, oder in Flüchtlingslagern für Informationsfluss sorgen.

Quintas Biomass fired Hot Air Dryer/Dehydrator, Quintas Renewable Energy Solutions, Nigeria
Das Heißluft-Dörrgerät verbrennt lokal verfügbare Biomasse, um landwirtschaftliche Produkte zu trocknen. Dies ermöglicht eine rasche Konservierung – die Bauern müssen ihre Produkte nicht mehr umgehend verkaufen – und gleichzeitig eine sinnvolle Nutzung von Abfällen.

Safe Travel, Traveler, Kamerun
Save Travel ist eine kostenlose Handy-App, die auf einem Überwachungssystem namens „traveler“ basiert. Ein Tracking-System lokalisiert Reisende; sollten sie in einen Unfall verwickelt sein und Hilfe benötigen, lassen sich über diese Plattform Verkehrswacht, Notfallteams und die Familie alarmieren.

SolarTurtle, SolarTurtle, Südafrika
Der mobile Solarkiosk SolarTurtle ist in einem Container untergebracht. Wie bei einer Schildkröte lassen sich die Solarpanels einziehen, sodass sie vor Diebstahl und Vandalismus geschützt sind. Die gewonnene Sonnenenergie wird mittels einer im Inneren einer PET-Flasche befindlichen Batterie gespeichert und verkauft und kann so einfach nach Hause transportiert werden.

Videobooks in Sign Language, Canales Asociación Civil, Argentinien
Um gehörlose Kinder ans Lesen heranzuführen und ihnen Literatur näherzubringen, kombinieren die Bücher im Videoformat verschiedene Kommunikationsformen. Zeichensprache, Ton und animierte Bilder sorgen dafür, dass die Kinder gemeinsam mit ihren Familien und Freunden lesen lernen können.