• Frühkindliche Bildung hat in den nationalen Bildungsagenden Lateinamerikas an Bedeutung stark zugenommen.
    © Siemens Stiftung
  • Die Siemens Stiftung unterstützt diese Reformen mit der Einbettung des Bildungsprogramms Experimento in die lokale Bildungslandschaft.
    © Siemens Stiftung
  • In Afrika engagiert sich die Siemens Stiftung schwerpunktmäßig in Kenia und Südafrika. Seit diesem Jahr auch in Nigeria.
    © Siemens Stiftung
  • In jedem Kind steckt ein kleiner Forscher. Experimente machen neugierig auf die Welt und fördern das Verstehen von Zusammenhängen in Natur und Technik.
    © Siemens Stiftung
  • Bewährte Zusammenarbeit: Das Haus der kleinen Forscher führt in Afrika, Lateinamerika und Deutschland Fortbildungen zu Experimento durch.
    © Siemens Stiftung
Arbeitsbereich:
Bildung
Land/Region:
International
Dr. Barbara Filtzinger, Leitung Arbeitsgebiet Bildung der Siemens Stiftung

Auf die ersten Jahre kommt es an!

Frühkindliche MINT-Bildung ist ein unverzichtbarer Bestandteil des Fundaments für eine erfolgreich verlaufende Bildungsbiografie. Dr. Barbara Filtzinger leitet das Arbeitsgebiet Bildung der Siemens Stiftung und sitzt im Stiftungsrat beim „Haus der kleinen Forscher“, Deutschlands größter Frühbildungsinitiative.

Frau Dr. Filtzinger, Kinder haben ein natürliches Interesse am Experimentieren und Beobachten. Welches „Forschungsprojekt“ hat Sie in Ihrer Kindheit besonders fasziniert?

Der Stromkreis! Dieses einfache, physikalische System aus Batterie und zwei Drähten hat mich als kleines Mädchen absolut fasziniert und beschäftigt. Wir haben alles beleuchtet, was uns zwischen die Finger kam. Von schlichten Lichtinstallationen bis hin zu blinkenden Spielrennautos.

Kinder sind von Natur aus experimentierfreudig. Warum braucht es überhaupt eine besondere Frühbildung im MINT-Bereich?

MINT-Bildung schafft eine grundlegende Vertrautheit mit der von Wissenschaft und Technik geprägten Welt und ein Bewusstsein für die sich daraus ergebenden globalen Herausforderungen. Sie ist für eine demokratische Teilhabe notwendig und befördert den sozialen Zusammenhalt. Aufgrund dieser Bedeutung ist eine frühe MINT-Bildung unerlässlich. Auf die ersten Jahre kommt es an! In Kitas und Kindergärten werden die Weichen für individuelle Bildungsbiografien gestellt. Forschendes, experimentelles Lernen gelingt aber nicht von selbst, sondern braucht gezielte Angebote.

Das „Haus der kleinen Forscher“ feiert sein zehnjähriges Bestehen. Was zeichnet die Institution heute besonders aus?


Da könnte ich jetzt einen ganzen Strauß an positiven Resultaten nennen, beschränke mich aber auf folgende. Zum einen ist es bemerkenswert, dass sich die Stiftung „Haus der kleinen Forscher“ in den zehn Jahren ihres Bestehens zur größten Frühbildungsinitiative Deutschlands entwickelt hat. Sie ist ein elementarer Bestandteil der naturwissenschaftlich-technischen Frühförderung! Gleichzeitig wird die Qualität der Stiftungsarbeit kontinuierlich reflektiert, geprüft und weiterentwickelt. Wirkungsorientierung ist eine zentrale Voraussetzung dafür, dass die pädagogische Qualität in vorschulischen Einrichtungen gewährleistet und nachhaltig gestärkt werden kann. Und schließlich bin ich immer wieder davon beeindruckt, wie engagiert und zielstrebig Kooperationen mit anderen MINT-affinen Institutionen realisiert und wie intensiv Netzwerkarbeit gelebt wird. Die Zusammenarbeit mit starken Partnern in engagierten Bündnissen ist für die gesamte MINT-Bildung von zentraler Bedeutung.

Sie sind seit vielen Jahren Mitglied im Stiftungsrat vom „Haus der kleinen Forscher“ und leiten das Arbeitsgebiet Bildung der Siemens Stiftung. Welche besonderen Merkmale kennzeichnen die intensive Zusammenarbeit der beiden Stiftungen und wie kann die MINT-Bildung davon profitieren?

Ein besonderes Merkmal ist sicher das vertrauensvolle und gewinnbringende Kooperieren mit „Tandem-Effekt“ auf nationaler Ebene: mit hierzulande inzwischen 29.700 erreichten Kitas, Horten und Grundschulen legt die Stiftung „Haus der kleinen Forscher“ eine beeindruckende Basis für naturwissenschaftlich-technische Früh- und Primarbildung. Die Siemens Stiftung baut darauf mit Experimento I 8+ und Experimento I 10+ für die Sekundarbildung auf. Diese Verknüpfung ermöglicht eine lückenlose Bildungsbiografie für Kinder und Jugendliche von drei bis 18 Jahren. Meines Erachtens ist die enge Verzahnung von qualitativ hochwertigen Bildungsangeboten entlang der Bildungskette auch einer der gewinnbringenden Faktoren für die MINT-Bildung insgesamt.

Die Siemens Stiftung und die Stiftung „Haus der kleinen Forscher“ arbeiten seit einigen Jahren auch international erfolgreich zusammen. Wie gestaltet sich diese Zusammenarbeit?

Die Siemens Stiftung engagiert sich für eine qualitativ hochwertige MINT-Bildung in Deutschland, Lateinamerika und Afrika. Seit Beginn unserer Länderimplementierungen unterstützt die Stiftung „Haus der kleinen Forscher“ unser Engagement vor Ort mit Fortbildungen für Multiplikatoren und Lehrkräfte. Darüber hinaus berät sie die Siemens Stiftung in Lateinamerika bei spezifischen Konzepten und Fragestellungen oder Expertengesprächen, wie sie beispielsweise aktuell im Rahmen einer internationalen Forscherwoche in Berlin stattfinden.

Sie sind auch verantwortlich für das Bildungsengagement der Siemens Stiftung in Lateinamerika. Welche Bedarfe sind vorrangig, welche Fragen stellen sich in der heutigen Schulwirklichkeit gerade mit Blick auf den Bereich Frühförderung?


Trotz vieler Erfolge ist es grundsätzlich so, dass naturwissenschaftlich-technische Frühbildung insgesamt forciert und qualitativ weiter gestärkt werden muss. Es mangelt an gut ausgebildeten Pädagogen und entsprechend ausgestatteten Vor- und Grundschulen. Die Unterrichtssituation orientiert sich noch sehr stark an starren Lehr- und Lernprozessen, wie frühes Auswendiglernen oder Sitzen in Reih und Glied. Grundsätzlich erschweren aber auch gesellschaftlich bedingte Bildungsbarrieren die Entwicklungen vor Ort, wie zum Beispiel die enorme Heterogenität durch viele verschiedene indigene Bevölkerungsgruppen und die damit einhergehende Sprachenvielfalt. Allein in Mexiko gibt es über 60 Landessprachen! Andere Herausforderungen kennzeichnen sich durch soziale Disparitäten: Bildungskarrieren sind in Lateinamerika noch eng mit dem Familieneinkommen verknüpft. Wohlhabende Familien schicken ihre Kinder auf teure, qualitativ hochwertige Privatschulen, wohingegen den Kindern von Menschen mit geringen finanziellen Möglichkeiten oft nur der Besuch einer einfachen Grundschule bleibt.

Wie wichtig sind vor diesem Hintergrund bildungspolitische Engagements zur Förderung der naturwissenschaftlich-technischen Frühförderung?

Bildung ändert alles! Und MINT-Bildung ist ein gesamtgesellschaftliches Anliegen, das politisch verankert werden muss. Unser Engagement geht deshalb weit über die rein operative Arbeit hinaus: Gemeinsam mit unseren Partnern vor Ort arbeiten wir für eine Verankerung von naturwissenschaftlich-technischen Programmen und Methoden mit bildungspolitischen Richtlinien. In Südafrika beispielsweise bietet unser Kooperationspartner, die University of Cape Town, Fortbildungen zu unserem internationalen Bildungsprogramm Experimento an und kann diese nach den Richtlinien des South African Council for Educators (SACE) zertifizieren. Lehrkräfte, die Experimento-Fortbildungen an der University of Cape Town besuchen, erhalten nach bestandener Prüfung die als Qualifizierungsnachweis geforderten Credit Points zur Vorlage bei SACE. Das ist ein schöner Erfolg!

Gibt es Schwerpunkte, die Ihnen für die Zukunft besonders wichtig sind?


Kein Land kann heute mehr alleine stehen wenn es um naturwissenschaftlich-technische Bildung geht. Sie ist der Schlüssel zur Lösung wichtiger Mega-Themen wie Klima, Energie, Ernährung und Mobilität. Den internationalen Ausbau der naturwissenschaftlich-technischen Frühförderung halte ich deshalb für ganz zentral!

„Forschendes Lernen gelingt nicht von selbst, sondern braucht gezielte Angebote.“

Experimento in Lateinamerika – Interview mit Catalina Everaert
  • Siemens Stiftung startet Experiemnto in Mexiko
    Begeistert experimentieren die Kinder in kleinen Gruppen und erfahren so spielerisch Natur und Technik.
    © Siemens Stiftung
Arbeitsbereich:
Bildung
Land/Region:
Mexiko
Catalina Everaert, INNOVEC in Mexiko.

In Mexiko arbeitet die Siemens Stiftung mit der gemeinnützigen Bildungsorganisation Innovec zusammen, eine Initiative zur Verbesserung der Lehr- und Lernmethoden in der MINT Bildung.

Frau Everaert, bei Ihrem Programm namens SEVIC geht es um das selbstständige Experimentieren. Warum arbeiten Sie auch mit Experimento von der Siemens Stiftung?

Experimento ist ein sehr gut aufgebautes Programm, das unseres ergänzt. Die Themen sind nicht identisch und da, wo sie sich gleichen, ist die Handhabung unterschiedlich. Die Versuche bei Experimento sind für einen kürzeren Zeitraum angelegt und meist unabhängig voneinander. Bei SEVIC dauern die Versuchsreihen über eine längere Zeit.

Ende 2014 startete das Pilotprojekt an vier Schulen. Wo liegen die?

Zwei sind in der Stadt Querétaro, etwa hundert Kilometer nördlich der Hauptstadt, wo viele internationale Firmen und wichtige Universitäten sind. Doch viele Schüler stammen aus der indigenen Bevölkerung und sind arm. Zwei Schulen liegen in Guanajuato in Zentralmexiko, die Stadt ist Weltkulturerbe, reich und schön, hat sogar eine Universität. Aber im Elendsgürtel der Stadt herrscht Armut, dort arbeiten wir in zwei Schulen. Beide Städte brauchen gute ausgebildete Arbeitskräfte. Insgesamt schulten wir Ende des Jahres 24 Lehrer, die mit rund 700 Schülern arbeiten, Primarias, von der ersten bis zur sechsten Klasse. Wir haben Experimento I 8+ für Kinder von der dritten bis zur sechsten Klasse eingeführt. Die Lehrer sagen: Das Material ist sehr gut, nicht zu komplex, die Schüler sind motiviert und begeistert, und sie lernen nicht auswendig, sondern begreifen, worum es geht.

Gab es auch Verbesserungswünsche?

Es gab Verbesserungsvorschläge. Die Lehrer finden, dass die Versuche noch strenger nach Klassenstufe sortiert werden sollten. Außerdem sind die Experimente nicht exakt an die Lehrpläne angepasst, die das Ministerium vorgibt.

Was können Sie dagegen tun?

Wir haben eine Arbeitsgruppe gebildet, die das Experimento-Programm für uns in Mexiko adaptiert. Experimento soll sich vor allem an Kinder der 6. Klasse richten und die Themen Umwelt und Energie beinhalten. Und die Lektionen sollten thematisch zu den Vorgaben des Ministeriums passen und mit noch mehr Versuchen hintereinander mehr in die Tiefe gehen.

Wird Experimento damit nicht eine Kopie von SEVIC?

Nein, sie ergänzen sich und haben das gleiche Ziel: Ausund Weiterbildung von Lehrkräften. Unsere Arbeit bei Innovec besteht hauptsächlich in der Schulung von Lehrkräften, wir sind der Überzeugung, dass es einen radikalen Unterschied macht, ob ein Lehrer gut oder schlecht ausgebildet ist. Seit der Bildungsreform werden Lehrkräfte in Mexiko evaluiert. Bei SEVIC und Experimento haben wir alle Lehrer an ihren Schulen mehrere Tage ausgebildet, wie sie mit den Materialien umgehen können. Danach sind wir in den Unterricht gegangen, haben sie beobachtet und nachjustiert.

Auf diese Weise breitet sich das Wissen natürlich langsamer aus ...

Sehr langsam, aber die Qualität ist garantiert. Auch beim Pilotprojekt mit Experimento gehen wir sehr sorgfältig vor. Innovec erreicht jetzt gerade mal zehn Prozent der Bevölkerung Mexikos. Wir wollen Wege finden, die naturwissenschaftliche Ausbildung für alle abzudecken. Dafür müssen wir auch digital arbeiten und effektive Online-Programme für die Lehrer entwickeln.

INNOVEC

INNOVEC ist eine mexikanische gemeinnützige Organisation, die zum Ziel hat, zur Verbesserung des naturwissenschaftlichen Unterrichts für Kinder und Jugendliche beizutragen. Die Organisation fördert Entwicklungsprojekte sowie die Bildungsinnovation mit Fokus auf praxis- und erlebnisorientierten Methoden und unterstützt dabei insbesondere öffentliche Schulen in Mexiko. Die Schüler sollen mithilfe dieses Lehransatzes Konzepte hinterfragen, Versuche durchführen, um Lösungen zu finden, Prognosen abgeben und schließlich aus den erzielten Ergebnissen Schlüsse ziehen.

Auf diese Weise soll bei den Schülern logisches und kritisches Denken entwickelt werden, um begründete Entscheidungen zu Themen zu treffen, die sie selbst oder ihre Umwelt betreffen. So können sie sich für eine höhere Lebensqualität einsetzen und erfolgreich in der heutigen Gesellschaft agieren.

„Das Material ist sehr gut, nicht zu komplex, die Schüler sind motiviert und begeistert“

  • Siemens Stiftung startet Experiemnto in Mexiko
    Begeistert experimentieren die Kinder in kleinen Gruppen und erfahren so spielerisch Natur und Technik.
    © Siemens Stiftung
Arbeitsbereich:
Bildung
Land/Region:
Mexiko
Catalina Everaert, INNOVEC in Mexiko.

In Mexiko arbeitet die Siemens Stiftung mit der gemeinnützigen Bildungsorganisation Innovec zusammen, eine Initiative zur Verbesserung der Lehr- und Lernmethoden in der MINT Bildung.

Frau Everaert, bei Ihrem Programm namens SEVIC geht es um das selbstständige Experimentieren. Warum arbeiten Sie auch mit Experimento von der Siemens Stiftung?

Experimento ist ein sehr gut aufgebautes Programm, das unseres ergänzt. Die Themen sind nicht identisch und da, wo sie sich gleichen, ist die Handhabung unterschiedlich. Die Versuche bei Experimento sind für einen kürzeren Zeitraum angelegt und meist unabhängig voneinander. Bei SEVIC dauern die Versuchsreihen über eine längere Zeit.

Ende 2014 startete das Pilotprojekt an vier Schulen. Wo liegen die?

Zwei sind in der Stadt Querétaro, etwa hundert Kilometer nördlich der Hauptstadt, wo viele internationale Firmen und wichtige Universitäten sind. Doch viele Schüler stammen aus der indigenen Bevölkerung und sind arm. Zwei Schulen liegen in Guanajuato in Zentralmexiko, die Stadt ist Weltkulturerbe, reich und schön, hat sogar eine Universität. Aber im Elendsgürtel der Stadt herrscht Armut, dort arbeiten wir in zwei Schulen. Beide Städte brauchen gute ausgebildete Arbeitskräfte. Insgesamt schulten wir Ende des Jahres 24 Lehrer, die mit rund 700 Schülern arbeiten, Primarias, von der ersten bis zur sechsten Klasse. Wir haben Experimento I 8+ für Kinder von der dritten bis zur sechsten Klasse eingeführt. Die Lehrer sagen: Das Material ist sehr gut, nicht zu komplex, die Schüler sind motiviert und begeistert, und sie lernen nicht auswendig, sondern begreifen, worum es geht.

Gab es auch Verbesserungswünsche?

Es gab Verbesserungsvorschläge. Die Lehrer finden, dass die Versuche noch strenger nach Klassenstufe sortiert werden sollten. Außerdem sind die Experimente nicht exakt an die Lehrpläne angepasst, die das Ministerium vorgibt.

Was können Sie dagegen tun?

Wir haben eine Arbeitsgruppe gebildet, die das Experimento-Programm für uns in Mexiko adaptiert. Experimento soll sich vor allem an Kinder der 6. Klasse richten und die Themen Umwelt und Energie beinhalten. Und die Lektionen sollten thematisch zu den Vorgaben des Ministeriums passen und mit noch mehr Versuchen hintereinander mehr in die Tiefe gehen.

Wird Experimento damit nicht eine Kopie von SEVIC?

Nein, sie ergänzen sich und haben das gleiche Ziel: Ausund Weiterbildung von Lehrkräften. Unsere Arbeit bei Innovec besteht hauptsächlich in der Schulung von Lehrkräften, wir sind der Überzeugung, dass es einen radikalen Unterschied macht, ob ein Lehrer gut oder schlecht ausgebildet ist. Seit der Bildungsreform werden Lehrkräfte in Mexiko evaluiert. Bei SEVIC und Experimento haben wir alle Lehrer an ihren Schulen mehrere Tage ausgebildet, wie sie mit den Materialien umgehen können. Danach sind wir in den Unterricht gegangen, haben sie beobachtet und nachjustiert.

Auf diese Weise breitet sich das Wissen natürlich langsamer aus ...

Sehr langsam, aber die Qualität ist garantiert. Auch beim Pilotprojekt mit Experimento gehen wir sehr sorgfältig vor. Innovec erreicht jetzt gerade mal zehn Prozent der Bevölkerung Mexikos. Wir wollen Wege finden, die naturwissenschaftliche Ausbildung für alle abzudecken. Dafür müssen wir auch digital arbeiten und effektive Online-Programme für die Lehrer entwickeln.

INNOVEC

INNOVEC ist eine mexikanische gemeinnützige Organisation, die zum Ziel hat, zur Verbesserung des naturwissenschaftlichen Unterrichts für Kinder und Jugendliche beizutragen. Die Organisation fördert Entwicklungsprojekte sowie die Bildungsinnovation mit Fokus auf praxis- und erlebnisorientierten Methoden und unterstützt dabei insbesondere öffentliche Schulen in Mexiko. Die Schüler sollen mithilfe dieses Lehransatzes Konzepte hinterfragen, Versuche durchführen, um Lösungen zu finden, Prognosen abgeben und schließlich aus den erzielten Ergebnissen Schlüsse ziehen.

Auf diese Weise soll bei den Schülern logisches und kritisches Denken entwickelt werden, um begründete Entscheidungen zu Themen zu treffen, die sie selbst oder ihre Umwelt betreffen. So können sie sich für eine höhere Lebensqualität einsetzen und erfolgreich in der heutigen Gesellschaft agieren.

„Das Material ist sehr gut, nicht zu komplex, die Schüler sind motiviert und begeistert“

Education Challenge Africa
  • Education-Challenge-Africa
    Eine Teilnehmerin der Education Challenge Afrika erforscht Lernen mit Experimento.
    © Siemens Stiftung
Arbeitsbereich:
Bildung
Land/Region:
Afrika
Dr. Washington Takawira Dudu, Senior Lecturer North-West University Südafrika.

EDUCATION CHALLENGE AFRICA – Die Implementierung von Experimento in Afrika mithilfe von Social Entrepreneurship realisieren

Wie kann Experimento in Nigeria und weiteren Ländern Afrikas implementiert werden? Lässt sich das Bildungsprogramm mithilfe lokaler Unternehmer umsetzen? Vor diesen und ähnlichen Fragen standen die Teilnehmer eines dreiwöchigen Innovations-Workshops Mitte November in Berlin. Die knapp zwanzigköpfige Gruppe, größtenteils Akademiker aus Afrika, war im Rahmen der „EDUCATION CHALLENGE AFRICA“ von den beiden Initiatoren, der Siemens Stiftung und The DO School, eingeladen worden. Die zentrale Aufgabe für die Gruppe bestand darin, Strategien und Konzepte für die Implementierung des Bildungsprogramms Experimento im Rahmen von Social Entrepreneurship zu entwickeln. Alle Teilnehmer hatten sich bereits intensiv mit sozialem Unternehmertum auseinandergesetzt. Nyokabi Njuguna aus Kenia hat zum Beispiel eine NGO mit Schwerpunkt strategische Entwicklung gegründet und verschiedene Schulprogramme aufgesetzt. Die Computerexpertin Nissi Chibuzor Madu aus Nigeria arbeitet bei der Initiative “Intellucent”, die Schüler und Studenten für Mathematik begeistern will, und Lawrence Afere baut ein Mentoren-Netzwerk in Nigeria auf. Mit diesem Engagement und Fachwissen war es ihnen gelungen, sich in einem mehrstufigen Auswahlverfahren gegenüber rund 800 Mitbewerbern durchzusetzen. Der Workshop begann mit einer Einführung in das naturwissenschaftlich-technische Bildungsprogramm Experimento. Dr. Washington Dudu und Lilo Maclachlan, Multiplikatoren und Wegbereiter von Experimento im südlichen Afrika, stellten das besondere Konzept und die Methodik von Experimento vor und erläuterten Experimentiermaterialien und Anleitungen. Im Anschluss daran widmete sich die Gruppe dem eigentlichen Thema des Workshops und konzentrierte sich auf die Entwicklung konkreter Konzepte und Strategien.

Ohne lokales Know-how geht es nicht

Schnell stellte sich heraus, dass die Implementierung von Bildungsprojekten allein durch lokal agierende Unternehmer aufgrund ausbleibender finanzieller Einnahmen für die Entrepreneure nicht umsetzbar ist. Ebenso erkannten die Teilnehmer, dass auf die Einbindung lokaler Bildungsinstitutionen nicht verzichtet werden kann. Nach drei intensiven Wochen präsentierten sie auf der Abschlussveranstaltung am 4. Dezember ihr Konzept für die Implementierung von Experimento in weiteren Ländern Afrikas. Dreh- und Angelpunkt ist die Einbeziehung lokaler Bildungsinstitutionen sowie starker Partner, seien es Privatpersonen oder Firmen. Auf diese Weise genießen die Projekte der lokal agierenden Unternehmer das Wohlwollen staatlicher Behörden und stehen finanziell auf sicheren Beinen.Und ein weiteres Ergebnis lieferte der Workshop: Beim Abwägen der verschiedenen Maßnahmen zeigte sich, dass es unabdingbar ist, die Gegebenheiten vor Ort genau zu kennen. Lokale Voraussetzungen, Regeln und Gesetze müssen berücksichtigt werden, um die Umsetzbarkeit von Projekten zu gewährleisten. Aus diesem Grund hatten sich die Siemens Stiftung und The DO School auch entschieden, gezielt Experten zu suchen, die mit diesem Know-how aufwarten können. Die geladenen Jungunternehmer brachten dieses Spezialwissen mit und machten EDUCATION CHALLENGE AFRICA zu einem Projekt aus Afrika für Afrika. Der Workshop war auch für sie ein voller Erfolg. Sie hatten die Gelegenheit, ihr Wissen zu erweitern, Kontakte zu knüpfen und ihre Visionen in detaillierten Konzepten einfließen zu lassen. „Wir haben nicht nur eine Challenge gelöst, sondern durch das dreiwöchige Seminar auch sehr viel für unsere eigenen Unternehmen gelernt“, so das begeisterte Resümee von Nissi Chibuzor Madu.

Bildungsengagement mit Erfahrungen im Bereich Grundversorgung verknüpfen
Das Projekt kann jederzeit gestartet werden. Schon während des Workshops etwa hatten die Teilnehmer erste Kontakte zu einer nigerianischen Universität aufgebaut. Zudem würden sich gerne zwei Drittel der Jungunternehmer bei der Implementierung von Experimento in Nigeria aktiv einbringen. Für die Siemens Stiftung bietet EDUCATION CHALLENGE AFRICA die Chance, ihr Bildungsengagement mit ihren Erfahrungen aus dem Arbeitsgebiet Grundversorgung zu verknüpfen. Seit Jahren initiiert die Stiftung weltweit vielzählige Entrepreneurship-Projekte, fördert Eigeninitiative und Unternehmergeist und führt Schulungen und Trainings durch. Die Kooperation mit der ihrerseits auf Innovation und Entrepreneurship spezialisierten The DO School ist ein erster Schritt in diese Richtung. Hinzu kommt, dass durch das Engagement der Stiftung im Bereich Open Educational Resources (OER) bald alle Experimentierkästen von Experimento von den Lehrkräften an lokale Bedürfnisse angepasst und Dritten zur Verfügung gestellt werden können. Ebenso verhält es sich auch mit den Experimentieranleitungen, die kostenlos im Medienportal der Siemens Stiftung heruntergeladen werden können. Auch sie stehen unter offener Lizenz und können somit verändert, mit eigenen Inhalten kombiniert und nach Belieben weitergegeben werden.

„Für die Umsetzung von Bildungsprojekten braucht es Kenntnisse über die Gegebenheiten vor Ort.“

  • Education-Challenge-Africa
    Eine Teilnehmerin der Education Challenge Afrika erforscht Lernen mit Experimento.
    © Siemens Stiftung
Arbeitsbereich:
Bildung
Land/Region:
Afrika
Dr. Washington Takawira Dudu, Senior Lecturer North-West University Südafrika.

EDUCATION CHALLENGE AFRICA – Die Implementierung von Experimento in Afrika mithilfe von Social Entrepreneurship realisieren

Wie kann Experimento in Nigeria und weiteren Ländern Afrikas implementiert werden? Lässt sich das Bildungsprogramm mithilfe lokaler Unternehmer umsetzen? Vor diesen und ähnlichen Fragen standen die Teilnehmer eines dreiwöchigen Innovations-Workshops Mitte November in Berlin. Die knapp zwanzigköpfige Gruppe, größtenteils Akademiker aus Afrika, war im Rahmen der „EDUCATION CHALLENGE AFRICA“ von den beiden Initiatoren, der Siemens Stiftung und The DO School, eingeladen worden. Die zentrale Aufgabe für die Gruppe bestand darin, Strategien und Konzepte für die Implementierung des Bildungsprogramms Experimento im Rahmen von Social Entrepreneurship zu entwickeln. Alle Teilnehmer hatten sich bereits intensiv mit sozialem Unternehmertum auseinandergesetzt. Nyokabi Njuguna aus Kenia hat zum Beispiel eine NGO mit Schwerpunkt strategische Entwicklung gegründet und verschiedene Schulprogramme aufgesetzt. Die Computerexpertin Nissi Chibuzor Madu aus Nigeria arbeitet bei der Initiative “Intellucent”, die Schüler und Studenten für Mathematik begeistern will, und Lawrence Afere baut ein Mentoren-Netzwerk in Nigeria auf. Mit diesem Engagement und Fachwissen war es ihnen gelungen, sich in einem mehrstufigen Auswahlverfahren gegenüber rund 800 Mitbewerbern durchzusetzen. Der Workshop begann mit einer Einführung in das naturwissenschaftlich-technische Bildungsprogramm Experimento. Dr. Washington Dudu und Lilo Maclachlan, Multiplikatoren und Wegbereiter von Experimento im südlichen Afrika, stellten das besondere Konzept und die Methodik von Experimento vor und erläuterten Experimentiermaterialien und Anleitungen. Im Anschluss daran widmete sich die Gruppe dem eigentlichen Thema des Workshops und konzentrierte sich auf die Entwicklung konkreter Konzepte und Strategien.

Ohne lokales Know-how geht es nicht

Schnell stellte sich heraus, dass die Implementierung von Bildungsprojekten allein durch lokal agierende Unternehmer aufgrund ausbleibender finanzieller Einnahmen für die Entrepreneure nicht umsetzbar ist. Ebenso erkannten die Teilnehmer, dass auf die Einbindung lokaler Bildungsinstitutionen nicht verzichtet werden kann. Nach drei intensiven Wochen präsentierten sie auf der Abschlussveranstaltung am 4. Dezember ihr Konzept für die Implementierung von Experimento in weiteren Ländern Afrikas. Dreh- und Angelpunkt ist die Einbeziehung lokaler Bildungsinstitutionen sowie starker Partner, seien es Privatpersonen oder Firmen. Auf diese Weise genießen die Projekte der lokal agierenden Unternehmer das Wohlwollen staatlicher Behörden und stehen finanziell auf sicheren Beinen.Und ein weiteres Ergebnis lieferte der Workshop: Beim Abwägen der verschiedenen Maßnahmen zeigte sich, dass es unabdingbar ist, die Gegebenheiten vor Ort genau zu kennen. Lokale Voraussetzungen, Regeln und Gesetze müssen berücksichtigt werden, um die Umsetzbarkeit von Projekten zu gewährleisten. Aus diesem Grund hatten sich die Siemens Stiftung und The DO School auch entschieden, gezielt Experten zu suchen, die mit diesem Know-how aufwarten können. Die geladenen Jungunternehmer brachten dieses Spezialwissen mit und machten EDUCATION CHALLENGE AFRICA zu einem Projekt aus Afrika für Afrika. Der Workshop war auch für sie ein voller Erfolg. Sie hatten die Gelegenheit, ihr Wissen zu erweitern, Kontakte zu knüpfen und ihre Visionen in detaillierten Konzepten einfließen zu lassen. „Wir haben nicht nur eine Challenge gelöst, sondern durch das dreiwöchige Seminar auch sehr viel für unsere eigenen Unternehmen gelernt“, so das begeisterte Resümee von Nissi Chibuzor Madu.

Bildungsengagement mit Erfahrungen im Bereich Grundversorgung verknüpfen
Das Projekt kann jederzeit gestartet werden. Schon während des Workshops etwa hatten die Teilnehmer erste Kontakte zu einer nigerianischen Universität aufgebaut. Zudem würden sich gerne zwei Drittel der Jungunternehmer bei der Implementierung von Experimento in Nigeria aktiv einbringen. Für die Siemens Stiftung bietet EDUCATION CHALLENGE AFRICA die Chance, ihr Bildungsengagement mit ihren Erfahrungen aus dem Arbeitsgebiet Grundversorgung zu verknüpfen. Seit Jahren initiiert die Stiftung weltweit vielzählige Entrepreneurship-Projekte, fördert Eigeninitiative und Unternehmergeist und führt Schulungen und Trainings durch. Die Kooperation mit der ihrerseits auf Innovation und Entrepreneurship spezialisierten The DO School ist ein erster Schritt in diese Richtung. Hinzu kommt, dass durch das Engagement der Stiftung im Bereich Open Educational Resources (OER) bald alle Experimentierkästen von Experimento von den Lehrkräften an lokale Bedürfnisse angepasst und Dritten zur Verfügung gestellt werden können. Ebenso verhält es sich auch mit den Experimentieranleitungen, die kostenlos im Medienportal der Siemens Stiftung heruntergeladen werden können. Auch sie stehen unter offener Lizenz und können somit verändert, mit eigenen Inhalten kombiniert und nach Belieben weitergegeben werden.

„Für die Umsetzung von Bildungsprojekten braucht es Kenntnisse über die Gegebenheiten vor Ort.“

Wie Bildung gelingen kann – Interview mit Professor Prenzel
  • Im Team geht´s besser: Schüler forschen gemeinsam an verschiedenen Stationen.
    © Siemens Stiftung
Arbeitsbereich:
Bildung
Land/Region:
Deutschland
Manfred Prenzel ist Professor an der Technischen Universität München (TUM).

Bildungsforscher Manfred Prenzel im Gespräch über Begeisterung für Naturwissenschaften und darüber, wie Bildung gelingen kann.

Herr Prenzel, Sie haben sich intensiv mit der Pädagogik der Naturwissenschaften beschäftigt. Gab es in Ihrer eigenen Schulzeit ein Erlebnis, das Sie nachhaltig geprägt hat?

Mich haben die Naturwissenschaften immer stark gereizt, aber der Unterricht war in der Regel doch eher ernüchternd. Ich erinnere mich zum Beispiel, dass wir mal als Höhepunkt des Unterrichts eine Kakerlake seziert und dann den linken Oberschenkel unter dem Mikroskop betrachtet haben. Das war für uns schon ein großes Ereignis! (lacht) Das eigentlich Entscheidende hat aber auch bei diesem Beispiel gefehlt: Es wurden keine Forschungsfragen gestellt. Weder durch die Lehrkraft noch durch uns. Niemand hat gefragt, warum wir das machen oder welche Erkenntnis wir uns davon versprechen.

Wie würden Sie vor diesem Hintergrund guten Unterricht definieren?

Das lässt sich am besten vom Ende her bestimmen: »Gut« ist der Unterricht dann, wenn die Schüler das gelernt haben, was Lehrplan und Lehrkraft angestrebt haben, wenn die Schüler die Lehr- und Lerninhalte verstanden haben, wenn sie begeistert sind und wenn sie die Lösungen
und Erkenntnisse in ihren Alltag übertragen und mit ihrem Leben verbinden können. Das Ergebnis ist das Entscheidende – und es gibt fast immer verschiedene Wege, zu diesem Ziel zu gelangen.

Darauf kommt es wirklich an?

Ja, durchaus. Meines Erachtens ist Zielklarheit besonders wichtig: Die Schüler sollten am Anfang einer Unterrichtseinheit erfahren, worum es geht, warum das wichtig ist und was sie verstehen und am Ende können sollen. Und als Zweites ist es wichtig, dass das Lernen kontinuierlich begleitet wird. Die Lehrkräfte müssen die Augen offen halten, um festzustellen, wann Schüler mit dem Stoff Probleme haben. Und bei dieser Lernbegleitung geht es natürlich auch um das soziale Klima. Die Schüler sollen sich angenommen und respektiert fühlen, auch wenn sie vielleicht etwas noch nicht können. Und schließlich ist es wichtig, dass die Lehrkräfte die Eigenaktivität ihrer Schüler unterstützen, damit die Schüler das Lernen gewissermaßen selbst in die Hand nehmen.

Bildung, so heißt es, sei der Schlüssel für Innovation. Lässt sich durch Bildung Innovation fördern?

Bildung ist eine notwendige Voraussetzung für Innovation jeder Art, aber keine hinreichende. Eine Bildung, in der Wert auf Eigenständigkeit und Kreativität gelegt wird, schafft bessere Voraussetzungen dafür, innovativ zu werden, als eine eng vorschreibende und dogmatisch ausgelegte Version von Bildung.

Kann Bildung an sich schon eine soziale Innovation sein?

Wenn alle einen Zugang zu einer wie gerade beschriebenen Bildung haben, ist das für mich schon mal eine soziale Innovation. Und zweitens sollte Bildung den Menschen und ihren Talenten Rechnung tragen. In Deutschland zum Beispiel tun sich Kinder mit Stärken im handwerklich-gestalterischen Bereich in der Schule schwer, weil Schule bei uns stark analytisch geprägt ist. Schule sollte aber für verschiedene Talente offen sein. Vor allem aber sollte Bildung die soziale Dimension von Wissen deutlich machen: Erkenntnisse sind meistens nicht von irgendwelchen einsamen Forschern erarbeitet worden. Forschung schließt an die Erkenntnisse von anderen an und ist zu einem großen Teil Teamarbeit. Nur im Miteinander können Fragen beantwortet, kontroverse Diskussionen geführt und Ergebnisse erzielt werden. Wenn die Stärke des gemeinsamen Arbeitens erfahren wird, schafft das zugleich eine neue Sicht auf das Soziale, auf das Zusammenleben und Zusammenarbeiten. Deshalb sind tatsächlich Bildung und soziale Innovation eng miteinander verflochten. 

„Bildung und soziale Innovation sind eng miteinander verflochten.“

  • Im Team geht´s besser: Schüler forschen gemeinsam an verschiedenen Stationen.
    © Siemens Stiftung
Arbeitsbereich:
Bildung
Land/Region:
Deutschland
Manfred Prenzel ist Professor an der Technischen Universität München (TUM).

Bildungsforscher Manfred Prenzel im Gespräch über Begeisterung für Naturwissenschaften und darüber, wie Bildung gelingen kann.

Herr Prenzel, Sie haben sich intensiv mit der Pädagogik der Naturwissenschaften beschäftigt. Gab es in Ihrer eigenen Schulzeit ein Erlebnis, das Sie nachhaltig geprägt hat?

Mich haben die Naturwissenschaften immer stark gereizt, aber der Unterricht war in der Regel doch eher ernüchternd. Ich erinnere mich zum Beispiel, dass wir mal als Höhepunkt des Unterrichts eine Kakerlake seziert und dann den linken Oberschenkel unter dem Mikroskop betrachtet haben. Das war für uns schon ein großes Ereignis! (lacht) Das eigentlich Entscheidende hat aber auch bei diesem Beispiel gefehlt: Es wurden keine Forschungsfragen gestellt. Weder durch die Lehrkraft noch durch uns. Niemand hat gefragt, warum wir das machen oder welche Erkenntnis wir uns davon versprechen.

Wie würden Sie vor diesem Hintergrund guten Unterricht definieren?

Das lässt sich am besten vom Ende her bestimmen: »Gut« ist der Unterricht dann, wenn die Schüler das gelernt haben, was Lehrplan und Lehrkraft angestrebt haben, wenn die Schüler die Lehr- und Lerninhalte verstanden haben, wenn sie begeistert sind und wenn sie die Lösungen
und Erkenntnisse in ihren Alltag übertragen und mit ihrem Leben verbinden können. Das Ergebnis ist das Entscheidende – und es gibt fast immer verschiedene Wege, zu diesem Ziel zu gelangen.

Darauf kommt es wirklich an?

Ja, durchaus. Meines Erachtens ist Zielklarheit besonders wichtig: Die Schüler sollten am Anfang einer Unterrichtseinheit erfahren, worum es geht, warum das wichtig ist und was sie verstehen und am Ende können sollen. Und als Zweites ist es wichtig, dass das Lernen kontinuierlich begleitet wird. Die Lehrkräfte müssen die Augen offen halten, um festzustellen, wann Schüler mit dem Stoff Probleme haben. Und bei dieser Lernbegleitung geht es natürlich auch um das soziale Klima. Die Schüler sollen sich angenommen und respektiert fühlen, auch wenn sie vielleicht etwas noch nicht können. Und schließlich ist es wichtig, dass die Lehrkräfte die Eigenaktivität ihrer Schüler unterstützen, damit die Schüler das Lernen gewissermaßen selbst in die Hand nehmen.

Bildung, so heißt es, sei der Schlüssel für Innovation. Lässt sich durch Bildung Innovation fördern?

Bildung ist eine notwendige Voraussetzung für Innovation jeder Art, aber keine hinreichende. Eine Bildung, in der Wert auf Eigenständigkeit und Kreativität gelegt wird, schafft bessere Voraussetzungen dafür, innovativ zu werden, als eine eng vorschreibende und dogmatisch ausgelegte Version von Bildung.

Kann Bildung an sich schon eine soziale Innovation sein?

Wenn alle einen Zugang zu einer wie gerade beschriebenen Bildung haben, ist das für mich schon mal eine soziale Innovation. Und zweitens sollte Bildung den Menschen und ihren Talenten Rechnung tragen. In Deutschland zum Beispiel tun sich Kinder mit Stärken im handwerklich-gestalterischen Bereich in der Schule schwer, weil Schule bei uns stark analytisch geprägt ist. Schule sollte aber für verschiedene Talente offen sein. Vor allem aber sollte Bildung die soziale Dimension von Wissen deutlich machen: Erkenntnisse sind meistens nicht von irgendwelchen einsamen Forschern erarbeitet worden. Forschung schließt an die Erkenntnisse von anderen an und ist zu einem großen Teil Teamarbeit. Nur im Miteinander können Fragen beantwortet, kontroverse Diskussionen geführt und Ergebnisse erzielt werden. Wenn die Stärke des gemeinsamen Arbeitens erfahren wird, schafft das zugleich eine neue Sicht auf das Soziale, auf das Zusammenleben und Zusammenarbeiten. Deshalb sind tatsächlich Bildung und soziale Innovation eng miteinander verflochten. 

„Bildung und soziale Innovation sind eng miteinander verflochten.“

Naturwissenschaftliches Lernen – mit Traditionen und für die Zukunft
  • Kinder, Experimento, Chile
    Schüler an einer Grundschule visualisieren das Sonnensystem zum besseren Verständnis der naturwissenschaftlichen Zusammenhänge.
    © Siemens Stiftung
Arbeitsbereich:
Bildung
Land/Region:
Südafrika
Nathalie von Siemens im Gespräch mit Schülerinnen der Musi High School in Soweto.

Begegnungen, Erfahrungen und Entwicklungen zu Experimento in Südafrika

Die Intshayelolo Primary School ist eine öffentliche Grundschule im südafrikanischen Western Cape,  an der über 1.200 Schülerinnen und Schüler unterrichtet werden. Und, sie ist eine der vielen verschiedenen Stationen die Nathalie von Siemens auf ihrer Südafrikareise in diesem Herbst besucht hat. Im Mittelpunkt des achttägigen Aufenthalts in den Provinzen Eastern Cape, Western Cape und Gauteng standen der persönliche Kontakt und der direkte Austausch mit den zahlreichen Partnern, die sich in Kooperation mit der Siemens Stiftung für eine zeitgemäße, naturwissenschaftlich-technische Bildung engagieren. Kern der Aktivitäten ist Experimento, das internationale Bildungsprogramm der Siemens Stiftung, das seit 2011 in Südafrika eingesetzt wird. Es bietet Pädagogen und Lehrkräften Materialien, Methoden und Anleitungen für einen an Experimenten orientierten und auf das Prinzip des forschenden Lernens ausgerichteten Unterricht. Die Inhalte werden in Zusammenarbeit mit Lehrerbildungsinstituten und lokalen Universitäten speziell an die Lehrpläne vor Ort angepasst.

Auf dem richtigen Weg

Naturwissenschaftlich-technische Bildung ist ein wesentlicher Schlüssel für die persönliche Entwicklung junger Menschen, ihre Zukunftschancen und ihre gesellschaftliche Teilhabe. Von besonderer Bedeutung für eine gelingende Bildung ist die Rolle der Pädagogen und deren Möglichkeiten, naturwissenschaftlich-technische Inhalte zu vermitteln. In Südafrika arbeiten inzwischen rund 270 Lehrkräfte und über 20.000 Schülerinnen und Schüler mit Experimento. Eine erfolgreiche Entwicklung, die stetig fortschreitet. Am Science Competence Center in Johannesburg haben sich etwa in den letzten Monaten engagierte Lehrkräfte und Lehramtsstudierende zum Unterrichtseinsatz von Experimento ausbilden lassen. Jetzt ziehen sie Bilanz. „Die Erfahrung hier hat mich gelehrt, meine Unsicherheit gegenüber naturwissenschaftlich-technischem Unterricht abzulegen und Vertrauen in die Materie zu gewinnen. Darauf bin ich sehr stolz! Ich bin eine junge Lehrerin der Naturwissenschaften und ich werde es allen beweisen“, erklärt sie überzeugt. Ihre Kollegin ergänzt: „Meine 55 Schüler in der Klasse haben nun die Möglichkeit, das naturwissenschaftlich-technische Wissen über kooperative Lehrmethoden mit den vielen Experimentiermaterialien begreifen zu können. Das ist eine wunderbare Erfahrung!“ Auch für die Siemens Stiftung, denn die steigende Nachfrage an Experimento und die positiven Feedbacks aus der Praxis zeigen, dass das Konzept und die Umsetzung von Experimento offenbar den richtigen Weg gehen.

Traditionelles Wissen verknüpft mit zeitgemäßen Lehrmethoden

Dass dieser zukunftsorientierte Weg auch traditionelles Wissen aufgreift und vermittelt, stand im Mittelpunkt des Gespräches zwischen Nathalie von Siemens mit Keith Roy Langenhoven, Direktor der School of Science and Mathematics, an der University of the Western Cape (UWC). Indigenes Wissen, das lokale, meist traditionelle Wissen über Heilkunde, Landwirtschaft, Religion oder Riten, spielt vor allem in vielen Regionen Afrikas bis heute noch eine große Rolle, gerät aber zunehmend in Vergessenheit. Durch Experimento kann dieses traditionelle Wissen mit modernen Lehrmethoden verknüpft und vermittelt werden, wie das Beispiel „Wasser filtern“ zeigt: Ein abgeschnittenes Stück Zuckerrohr diente herkömmlich nicht nur als Trinkhalm, sondern quasi als althergebrachte Technologie zur Wasseraufbereitung. Beim Trinken aus Tümpeln und Bächen wird ein Reinigungseffekt des Wassers erzielt, indem Partikel an den Fasern des Zuckerrohrs haften bleiben und damit ausgefiltert werden. Ein ähnliches Prinzip der Wasserfilterung beschreiben naturwissenschaftliche Versuche aus Experimento I 10+. Durch die Verwendung von Sand, Kohle, Papier oder spezifischen Membranfiltern kann hier Wasser in unterschiedlicher Intensität gereinigt werden. Die Einbettung von indigenem Wissen in den Unterricht schlägt eine Brücke von den kulturellen Identitäten der Lernenden hin zur praktischen Umsetzung der Naturwissenschaften.

Experimento verbindet aber nicht nur traditionelle Weisheit mit moderner Pädagogik, sondern fördert auch fächerübergreifendes Wissen. Die Mthatha Excelsior High School beispielsweise ist eine öffentliche, weiterführende Schule in Eastern Cape, Südafrika. Konzentriert arbeiten die Jugendlichen der 10. Klasse im Physikunterricht mit Experimento I 10+ zum Thema „Wasser als Wärmespeicher“. Es geht um die Aggregatzustände von Wasser in Form von fest, flüssig und gasförmig. Die 16-jährige Zola meldet sich aufgeregt zu Wort. „Die Tatsache kenne ich bereits aus dem Chemieunterricht.“ Damit werden die Schüler zu Transferleistungen angeregt.

Schlüssel zur wirkungsorientierten Bildung

Neben Gesprächen, die dem gegenseitigen Kennenlernen und dem Austausch zur inhaltlichen Entwicklung von Experimento dienten, stand vor allem auch der Austausch mit Bildungsexperten im Vordergrund der Reise durch Südafrika. Welche strukturellen Maßnahmen bedeutend sind, um langfristig und nachhaltig wirkungsorientierte Bildungsprozesse zu entwickeln, war eine der zentralen Fragestellungen im Expertengespräch mit Dr. Jonathan Clark, Bildungsforscher an der University of Cape Town und Direktor an den hier angesiedelten Initiativen Schools Improvement Initiative (SII) und Schools Development Unit (SDU). Sein Credo: Ein effizientes Schulmanagement ist der Schlüssel für eine erfolgreiche Bildungsentwicklung in Südafrika! Schulmanagement beinhaltet alle Maßnahmen, die zur Gestaltung und Optimierung von Schule und schulischen Prozessen beitragen. Dazu gehören zentrale Aspekte wie Führung, Entwicklung von Unterricht und Schule, Umgang mit Konflikten und Problemen, Möglichkeiten der Personalentwicklung, Verwaltung und Organisation sowie funktionale Arbeitsabläufe und der Einsatz von Ressourcen. „Erfolgreiches Schulmanagement ist heute nicht nur in Südafrika, sondern in jedem Land eine entscheidende Aufgabe. Die Rahmenbedingungen dafür sind sicher national verschieden und die Umsetzung für jede einzelne Schule anders. Die entscheidenden Fragen sind aber für jede Schule gleich: Wie können wir unsere Schule so organisieren, dass ein ideales Umfeld für unsere Pädagogen entsteht? Und wie schaffen wir an unserer Schule optimale Lern- und Entwicklungsbedingungen für unsere Schüler? Diese Fragen beschäftigen Experten und Praktiker in Südafrika, Deutschland und Lateinamerika gleichermaßen“, bemerkte Nathalie von Siemens nach ihrem Besuch an der Cape Town University und rückblickend auf eine erfahrungsintensive Woche in Südafrika.

„Durch Experimento kann traditionelles Wissen mit modernen Lehrmethoden verknüpft und vermittelt werden – bewiesen am Beispiel Wasser filtern.“

  • Kinder, Experimento, Chile
    Schüler an einer Grundschule visualisieren das Sonnensystem zum besseren Verständnis der naturwissenschaftlichen Zusammenhänge.
    © Siemens Stiftung
Arbeitsbereich:
Bildung
Land/Region:
Südafrika
Nathalie von Siemens im Gespräch mit Schülerinnen der Musi High School in Soweto.

Begegnungen, Erfahrungen und Entwicklungen zu Experimento in Südafrika

Die Intshayelolo Primary School ist eine öffentliche Grundschule im südafrikanischen Western Cape,  an der über 1.200 Schülerinnen und Schüler unterrichtet werden. Und, sie ist eine der vielen verschiedenen Stationen die Nathalie von Siemens auf ihrer Südafrikareise in diesem Herbst besucht hat. Im Mittelpunkt des achttägigen Aufenthalts in den Provinzen Eastern Cape, Western Cape und Gauteng standen der persönliche Kontakt und der direkte Austausch mit den zahlreichen Partnern, die sich in Kooperation mit der Siemens Stiftung für eine zeitgemäße, naturwissenschaftlich-technische Bildung engagieren. Kern der Aktivitäten ist Experimento, das internationale Bildungsprogramm der Siemens Stiftung, das seit 2011 in Südafrika eingesetzt wird. Es bietet Pädagogen und Lehrkräften Materialien, Methoden und Anleitungen für einen an Experimenten orientierten und auf das Prinzip des forschenden Lernens ausgerichteten Unterricht. Die Inhalte werden in Zusammenarbeit mit Lehrerbildungsinstituten und lokalen Universitäten speziell an die Lehrpläne vor Ort angepasst.

Auf dem richtigen Weg

Naturwissenschaftlich-technische Bildung ist ein wesentlicher Schlüssel für die persönliche Entwicklung junger Menschen, ihre Zukunftschancen und ihre gesellschaftliche Teilhabe. Von besonderer Bedeutung für eine gelingende Bildung ist die Rolle der Pädagogen und deren Möglichkeiten, naturwissenschaftlich-technische Inhalte zu vermitteln. In Südafrika arbeiten inzwischen rund 270 Lehrkräfte und über 20.000 Schülerinnen und Schüler mit Experimento. Eine erfolgreiche Entwicklung, die stetig fortschreitet. Am Science Competence Center in Johannesburg haben sich etwa in den letzten Monaten engagierte Lehrkräfte und Lehramtsstudierende zum Unterrichtseinsatz von Experimento ausbilden lassen. Jetzt ziehen sie Bilanz. „Die Erfahrung hier hat mich gelehrt, meine Unsicherheit gegenüber naturwissenschaftlich-technischem Unterricht abzulegen und Vertrauen in die Materie zu gewinnen. Darauf bin ich sehr stolz! Ich bin eine junge Lehrerin der Naturwissenschaften und ich werde es allen beweisen“, erklärt sie überzeugt. Ihre Kollegin ergänzt: „Meine 55 Schüler in der Klasse haben nun die Möglichkeit, das naturwissenschaftlich-technische Wissen über kooperative Lehrmethoden mit den vielen Experimentiermaterialien begreifen zu können. Das ist eine wunderbare Erfahrung!“ Auch für die Siemens Stiftung, denn die steigende Nachfrage an Experimento und die positiven Feedbacks aus der Praxis zeigen, dass das Konzept und die Umsetzung von Experimento offenbar den richtigen Weg gehen.

Traditionelles Wissen verknüpft mit zeitgemäßen Lehrmethoden

Dass dieser zukunftsorientierte Weg auch traditionelles Wissen aufgreift und vermittelt, stand im Mittelpunkt des Gespräches zwischen Nathalie von Siemens mit Keith Roy Langenhoven, Direktor der School of Science and Mathematics, an der University of the Western Cape (UWC). Indigenes Wissen, das lokale, meist traditionelle Wissen über Heilkunde, Landwirtschaft, Religion oder Riten, spielt vor allem in vielen Regionen Afrikas bis heute noch eine große Rolle, gerät aber zunehmend in Vergessenheit. Durch Experimento kann dieses traditionelle Wissen mit modernen Lehrmethoden verknüpft und vermittelt werden, wie das Beispiel „Wasser filtern“ zeigt: Ein abgeschnittenes Stück Zuckerrohr diente herkömmlich nicht nur als Trinkhalm, sondern quasi als althergebrachte Technologie zur Wasseraufbereitung. Beim Trinken aus Tümpeln und Bächen wird ein Reinigungseffekt des Wassers erzielt, indem Partikel an den Fasern des Zuckerrohrs haften bleiben und damit ausgefiltert werden. Ein ähnliches Prinzip der Wasserfilterung beschreiben naturwissenschaftliche Versuche aus Experimento I 10+. Durch die Verwendung von Sand, Kohle, Papier oder spezifischen Membranfiltern kann hier Wasser in unterschiedlicher Intensität gereinigt werden. Die Einbettung von indigenem Wissen in den Unterricht schlägt eine Brücke von den kulturellen Identitäten der Lernenden hin zur praktischen Umsetzung der Naturwissenschaften.

Experimento verbindet aber nicht nur traditionelle Weisheit mit moderner Pädagogik, sondern fördert auch fächerübergreifendes Wissen. Die Mthatha Excelsior High School beispielsweise ist eine öffentliche, weiterführende Schule in Eastern Cape, Südafrika. Konzentriert arbeiten die Jugendlichen der 10. Klasse im Physikunterricht mit Experimento I 10+ zum Thema „Wasser als Wärmespeicher“. Es geht um die Aggregatzustände von Wasser in Form von fest, flüssig und gasförmig. Die 16-jährige Zola meldet sich aufgeregt zu Wort. „Die Tatsache kenne ich bereits aus dem Chemieunterricht.“ Damit werden die Schüler zu Transferleistungen angeregt.

Schlüssel zur wirkungsorientierten Bildung

Neben Gesprächen, die dem gegenseitigen Kennenlernen und dem Austausch zur inhaltlichen Entwicklung von Experimento dienten, stand vor allem auch der Austausch mit Bildungsexperten im Vordergrund der Reise durch Südafrika. Welche strukturellen Maßnahmen bedeutend sind, um langfristig und nachhaltig wirkungsorientierte Bildungsprozesse zu entwickeln, war eine der zentralen Fragestellungen im Expertengespräch mit Dr. Jonathan Clark, Bildungsforscher an der University of Cape Town und Direktor an den hier angesiedelten Initiativen Schools Improvement Initiative (SII) und Schools Development Unit (SDU). Sein Credo: Ein effizientes Schulmanagement ist der Schlüssel für eine erfolgreiche Bildungsentwicklung in Südafrika! Schulmanagement beinhaltet alle Maßnahmen, die zur Gestaltung und Optimierung von Schule und schulischen Prozessen beitragen. Dazu gehören zentrale Aspekte wie Führung, Entwicklung von Unterricht und Schule, Umgang mit Konflikten und Problemen, Möglichkeiten der Personalentwicklung, Verwaltung und Organisation sowie funktionale Arbeitsabläufe und der Einsatz von Ressourcen. „Erfolgreiches Schulmanagement ist heute nicht nur in Südafrika, sondern in jedem Land eine entscheidende Aufgabe. Die Rahmenbedingungen dafür sind sicher national verschieden und die Umsetzung für jede einzelne Schule anders. Die entscheidenden Fragen sind aber für jede Schule gleich: Wie können wir unsere Schule so organisieren, dass ein ideales Umfeld für unsere Pädagogen entsteht? Und wie schaffen wir an unserer Schule optimale Lern- und Entwicklungsbedingungen für unsere Schüler? Diese Fragen beschäftigen Experten und Praktiker in Südafrika, Deutschland und Lateinamerika gleichermaßen“, bemerkte Nathalie von Siemens nach ihrem Besuch an der Cape Town University und rückblickend auf eine erfahrungsintensive Woche in Südafrika.

„Durch Experimento kann traditionelles Wissen mit modernen Lehrmethoden verknüpft und vermittelt werden – bewiesen am Beispiel Wasser filtern.“

Naturwissenschaften im Gepäck – Unterwegs mit Experimento-Trainer Dieter Arnold
  • Wie kann ich Schüler für Naturwissenschaften und Technik begeistern? Die Experimento-Workshops liefern Anregungen für interaktive Unterrichtsmethoden.
    © Siemens Stiftung
Arbeitsbereich:
Bildung
Land/Region:
Chile
Experimento-Trainer Dieter Arnold im Gespräch mit Dr. Cristián Cox Donoso (PUC).

Die Naturwissenschaften im Gepäck: Dieter Arnold vermittelt Lehrern weltweit das Konzept von Experimento

Wenn Dieter Arnold reist, reist er mit ungewöhnlichem Gepäck: In der einen Hälfte seines Koffers ein Paar Jeans, Hemden und ein kleiner Kulturbeutel, in der anderen Kabel, Propeller, Luftballons, Solarzellen und viele andere kleine Dinge, die schon so manchen Zollbeamten stutzig gemacht haben. Die Orte, die er auf seinen Reisen ansteuert, sind vielfältig und bunt – genauso wie die Leute, die er dort trifft.

Dieter Arnold ist Trainer für das Bildungsprogramm Experimento. Weltweit vermittelt er Lehrern das Prinzip des forschenden Lernens. Seit 2010 war er bereits zu Gast in Deutschland, Südafrika, Kenia, Chile und Peru. Und jedes Mal ging es um dieselbe Frage: Wie kann ich Schüler für Themen der Naturwissenschaften und Technik begeistern und dazu beitragen, dass das Gelernte im besten Fall sogar zu eigenen Ideen und Projekten anregt?

Keine Scheu vor dem Experimentieren im Unterricht

In viertägigen Workshops zeigt der Trainer, wie man mit einfachen Materialien spannende Experimente vorbereitet und sie didaktisch ansprechend im naturwissenschaftlich-technischen Unterricht umsetzt. Und dass das Experimentieren nicht nur Kinder, sondern auch die Lehrer selbst fesselt, zeigen die vielen verpassten Kaffeepausen und freiwilligen Überstunden, sobald diese einmal damit angefangen haben. „Viele Lehrer müssen das Experimentieren selbst erst lernen. Ihre Ausbildung an Schule und Universität hatte oftmals nur wenig Praxisbezug“, berichtet Arnold.

„Indem wir einfache, leicht zu besorgende Materialien verwenden und den Lehrern interaktive Methoden an die Hand geben, möchten wir ihnen die Scheu vor dem Experimentieren im Unterricht nehmen. Viele sind dann erstaunt: ‚Was? Mit diesen einfachen Mitteln kann man so komplexe Themen erklären?‘“ Sehr gut kommt zum Beispiel immer ein selbstgebautes Lungenmodell an: eine leere Plastikflasche, ein Röhrchen, zwei Luftballons und Klebeband – fertig ist das Anschauungsmaterial für den Biologieunterricht.

Begeisterung und Erfahrung teilen

Eigentlich könnte Dieter Arnold bereits längst im Ruhestand sein, doch nach 35 Jahren als Lehrer für Chemie und Sport wollte er seine Begeisterung für die Naturwissenschaften und das Lehren nicht einfach an den Nagel hängen und reist seitdem für Lehrerfortbildungen in die unterschiedlichsten Länder Afrikas und Lateinamerikas. Warum er das tut? Die Naturwissenschaften liegen ihm am Herzen. „Ich will meinen Teil dazu beitragen, dass naturwissenschaftliche Themen bei den Schülern ankommen und sie begeistern. Die Erfahrungen, die ich in meiner Zeit als Lehrer gemacht habe, gebe ich gerne an die Kollegen weiter“, erklärt Arnold.

Anstoß zu seiner Tätigkeit gab sein Einsatz als Lehrer an der Deutschen Internationalen Schule in Kapstadt von 1991 bis 1999. „Dort lernte ich Lehrer aus den umliegenden Townships kennen und erfuhr, wie wenig Möglichkeiten die Ausstattung der Schulen für einen forschenden Unterricht bot. Gemeinsam überlegten wir, wie man die teuren Chemie- und Physikinstrumente durch einfache, kostengünstige Materialien ersetzen kann“, erzählt Arnold. „So gab ich schließlich meine erste Lehrerfortbildung.“ Seit 2010 arbeitet er als Trainer für das Bildungsprogramm Experimento. Die Experimente des Experimento I 10+ Moduls hat er sogar mitentwickelt.

Zu eigenen Ansätzen anregen

Auf seine Workshops bereitet sich Dieter Arnold immer sehr intensiv vor. Mit den Partnern vor Ort sucht er zu den bewusst sehr allgemein gehaltenen Anwendungsbeispielen des Experimento-Handbuchs nach zusätzlichen Beispielen, die die regionalen Besonderheiten einbeziehen. „Das Prinzip eines Stromkreislaufs ist überall dasselbe, für den Einsatz aber bieten sich unzählige Möglichkeiten“, erklärt Arnold. „In Kenia beispielsweise sprachen wir darüber, wie man mit einer einfachen Konstruktion die Wassertiefe eines Brunnens messen kann. Das ist ein praktisches Beispiel, das die Lehrer mit in den Unterricht nehmen und mit den Kindern sogar nachbauen können. In Chile hingegen wird die Lerneinheit zum Stromkreislauf mit dem Fach Geographie verbunden. „Zusammen mit den Workshop-Teilnehmern haben wir ein Elektroquiz gebaut, auf dem man die einzelnen Länder Lateinamerikas zuordnen muss und so gleich auch etwas über die eigene Heimat lernt“, erzählt Arnold. „Gerade dieser lokale und ganz konkrete Bezug ist es, der die Schüler dazu motiviert, sich auch außerhalb ihrer Schulzeit mit Naturwissenschaften und Technik zu beschäftigen.“

Brücken zwischen globalem und lokalem Wissen

„In Südafrika kombinieren wir die Arbeitseinheit zur Wasserreinigung mit Hohlfasermembranen mit seit Generationen überlieferten Verfahren. Dass schmutziges Wasser aus einem Fluss vor dem Trinken durch ein kurzes Stück Zuckerrohr gesaugt wurde, ist letztlich das gleiche Prinzip“, berichtet Arnold weiter. Gerade diese Brücken zwischen globalem und lokalem Wissen faszinieren ihn. „Es geht nicht darum, überliefertes Wissen zu verdrängen, sondern dieses zu integrieren“, betont er. „Davon profitieren alle Beteiligten.

„Das Experimento-Programm ist letztlich nur ein Katalysator“, resümiert er. „Die in den Workshops vermittelten Methoden regen dazu an, über die zur Verfügung gestellten Anleitungen hinauszudenken. Es entstehen neue und kreative Ansätze – eine ganz andere Art des Unterrichtens.“

„Das Prinzip eines Stromkreislaufs ist überall dasselbe, für den Einsatz aber bieten sich unzählige Möglichkeiten.“

  • Wie kann ich Schüler für Naturwissenschaften und Technik begeistern? Die Experimento-Workshops liefern Anregungen für interaktive Unterrichtsmethoden.
    © Siemens Stiftung
Arbeitsbereich:
Bildung
Land/Region:
Chile
Experimento-Trainer Dieter Arnold im Gespräch mit Dr. Cristián Cox Donoso (PUC).

Die Naturwissenschaften im Gepäck: Dieter Arnold vermittelt Lehrern weltweit das Konzept von Experimento

Wenn Dieter Arnold reist, reist er mit ungewöhnlichem Gepäck: In der einen Hälfte seines Koffers ein Paar Jeans, Hemden und ein kleiner Kulturbeutel, in der anderen Kabel, Propeller, Luftballons, Solarzellen und viele andere kleine Dinge, die schon so manchen Zollbeamten stutzig gemacht haben. Die Orte, die er auf seinen Reisen ansteuert, sind vielfältig und bunt – genauso wie die Leute, die er dort trifft.

Dieter Arnold ist Trainer für das Bildungsprogramm Experimento. Weltweit vermittelt er Lehrern das Prinzip des forschenden Lernens. Seit 2010 war er bereits zu Gast in Deutschland, Südafrika, Kenia, Chile und Peru. Und jedes Mal ging es um dieselbe Frage: Wie kann ich Schüler für Themen der Naturwissenschaften und Technik begeistern und dazu beitragen, dass das Gelernte im besten Fall sogar zu eigenen Ideen und Projekten anregt?

Keine Scheu vor dem Experimentieren im Unterricht

In viertägigen Workshops zeigt der Trainer, wie man mit einfachen Materialien spannende Experimente vorbereitet und sie didaktisch ansprechend im naturwissenschaftlich-technischen Unterricht umsetzt. Und dass das Experimentieren nicht nur Kinder, sondern auch die Lehrer selbst fesselt, zeigen die vielen verpassten Kaffeepausen und freiwilligen Überstunden, sobald diese einmal damit angefangen haben. „Viele Lehrer müssen das Experimentieren selbst erst lernen. Ihre Ausbildung an Schule und Universität hatte oftmals nur wenig Praxisbezug“, berichtet Arnold.

„Indem wir einfache, leicht zu besorgende Materialien verwenden und den Lehrern interaktive Methoden an die Hand geben, möchten wir ihnen die Scheu vor dem Experimentieren im Unterricht nehmen. Viele sind dann erstaunt: ‚Was? Mit diesen einfachen Mitteln kann man so komplexe Themen erklären?‘“ Sehr gut kommt zum Beispiel immer ein selbstgebautes Lungenmodell an: eine leere Plastikflasche, ein Röhrchen, zwei Luftballons und Klebeband – fertig ist das Anschauungsmaterial für den Biologieunterricht.

Begeisterung und Erfahrung teilen

Eigentlich könnte Dieter Arnold bereits längst im Ruhestand sein, doch nach 35 Jahren als Lehrer für Chemie und Sport wollte er seine Begeisterung für die Naturwissenschaften und das Lehren nicht einfach an den Nagel hängen und reist seitdem für Lehrerfortbildungen in die unterschiedlichsten Länder Afrikas und Lateinamerikas. Warum er das tut? Die Naturwissenschaften liegen ihm am Herzen. „Ich will meinen Teil dazu beitragen, dass naturwissenschaftliche Themen bei den Schülern ankommen und sie begeistern. Die Erfahrungen, die ich in meiner Zeit als Lehrer gemacht habe, gebe ich gerne an die Kollegen weiter“, erklärt Arnold.

Anstoß zu seiner Tätigkeit gab sein Einsatz als Lehrer an der Deutschen Internationalen Schule in Kapstadt von 1991 bis 1999. „Dort lernte ich Lehrer aus den umliegenden Townships kennen und erfuhr, wie wenig Möglichkeiten die Ausstattung der Schulen für einen forschenden Unterricht bot. Gemeinsam überlegten wir, wie man die teuren Chemie- und Physikinstrumente durch einfache, kostengünstige Materialien ersetzen kann“, erzählt Arnold. „So gab ich schließlich meine erste Lehrerfortbildung.“ Seit 2010 arbeitet er als Trainer für das Bildungsprogramm Experimento. Die Experimente des Experimento I 10+ Moduls hat er sogar mitentwickelt.

Zu eigenen Ansätzen anregen

Auf seine Workshops bereitet sich Dieter Arnold immer sehr intensiv vor. Mit den Partnern vor Ort sucht er zu den bewusst sehr allgemein gehaltenen Anwendungsbeispielen des Experimento-Handbuchs nach zusätzlichen Beispielen, die die regionalen Besonderheiten einbeziehen. „Das Prinzip eines Stromkreislaufs ist überall dasselbe, für den Einsatz aber bieten sich unzählige Möglichkeiten“, erklärt Arnold. „In Kenia beispielsweise sprachen wir darüber, wie man mit einer einfachen Konstruktion die Wassertiefe eines Brunnens messen kann. Das ist ein praktisches Beispiel, das die Lehrer mit in den Unterricht nehmen und mit den Kindern sogar nachbauen können. In Chile hingegen wird die Lerneinheit zum Stromkreislauf mit dem Fach Geographie verbunden. „Zusammen mit den Workshop-Teilnehmern haben wir ein Elektroquiz gebaut, auf dem man die einzelnen Länder Lateinamerikas zuordnen muss und so gleich auch etwas über die eigene Heimat lernt“, erzählt Arnold. „Gerade dieser lokale und ganz konkrete Bezug ist es, der die Schüler dazu motiviert, sich auch außerhalb ihrer Schulzeit mit Naturwissenschaften und Technik zu beschäftigen.“

Brücken zwischen globalem und lokalem Wissen

„In Südafrika kombinieren wir die Arbeitseinheit zur Wasserreinigung mit Hohlfasermembranen mit seit Generationen überlieferten Verfahren. Dass schmutziges Wasser aus einem Fluss vor dem Trinken durch ein kurzes Stück Zuckerrohr gesaugt wurde, ist letztlich das gleiche Prinzip“, berichtet Arnold weiter. Gerade diese Brücken zwischen globalem und lokalem Wissen faszinieren ihn. „Es geht nicht darum, überliefertes Wissen zu verdrängen, sondern dieses zu integrieren“, betont er. „Davon profitieren alle Beteiligten.

„Das Experimento-Programm ist letztlich nur ein Katalysator“, resümiert er. „Die in den Workshops vermittelten Methoden regen dazu an, über die zur Verfügung gestellten Anleitungen hinauszudenken. Es entstehen neue und kreative Ansätze – eine ganz andere Art des Unterrichtens.“

„Das Prinzip eines Stromkreislaufs ist überall dasselbe, für den Einsatz aber bieten sich unzählige Möglichkeiten.“

Junger Forschergeist– Experimento in Chile – Interview mit Lehrerin Cristina Navarrete
  • In der Grundschule Rayen Lafquen im Gebiet der Mapuche wird im Unterricht viel experimentiert. Alltägliche Gegenstände liefern oft die besten Ideen für einen Versuchsaufbau.
    © Siemens Stiftung
Arbeitsbereich:
Bildung
Land/Region:
Chile
Grundschullehrerin Cristina Navarrete mit ihrem Schüler Domingo.

Junger Forschergeist– Experimento in Chile

Domingo ist 14 Jahre alt, Klassenbester und Zweitjüngster von zwölf Geschwistern. Seine Eltern besitzen nur einen schmalen Acker rund ums Holzhäuschen am Fluss, das Geld reicht zum Überleben, aber kaum für die Ausbildung so vieler Kinder. Dennoch weiß Domingo, was er werden will: Elektro-Mechaniker. „Seit wir das Experiment mit dem Stromkreis machten und die Glühbirne aufleuchtete.“

„Wisst Ihr eigentlich, wie sich Luft anhört?“

An diesem Vormittag hat Lehrerin Cristina Navarrete den Unterricht in der Grundschule Rayen Lafquen mit einer komischen Frage eröffnet: „Wisst ihr eigentlich, wie sich Luft anhört?“ In zwanzig Kindergesichtern spiegelt sich Neugier und gleich darauf Begeisterung, nachdem jedes Kind einen Luftballon aufgeblasen hat und die Luft durch das Mundstück quietschen lässt. Ein herrlicher Höllenlärm hallt durch den Klassenraum, in dem gerade demonstriert wird, wie Laute durch Luftdruck entstehen.

Das Spielchen ist eines von vielen, das der Experimento-Kiste entstammt: Sie enthält simple Materialien wie Filterpapier, Strohhalme, Glühbirnchen, Glasbecher und eben auch bunte Luftballons. Umso überraschender und lehrreicher, was sich mit diesen Dingen alles anfangen und lernen lässt. Zum Beispiel, wenn man alle möglichen Sorten Schmutz ins Wasser panschen darf, um anschließend unter der Lupe die Rückstände zu untersuchen, die man mit einem Kaffeefilter aufgefangen hat.

Die Experimento-Kiste gehört bereits zum Inventar

Die Schule, in der man lärmen und panschen darf, besteht aus einem Holzhaus, in dem vier Lehrer rund fünfzig Schüler vom Stamm der Mapuche-Indianer im Süden des Landes nahe dem Ort Villarica unterrichten. Wie die Bulleröfen, mit denen die vier Klassenzimmer geheizt werden, gehört die Experimento-Kiste seit Sommer 2013 zum Inventar des Hauses, eingeführt von der Lehrerin Cristina Navarrete. Im vergangenen Jahr hat sie vier Seminare zu diesem Thema absolviert, zu denen die Siemens Stiftung und die katholische Universität PUC eingeladen hatten. „Dabei erlebte ich, was ich jede Woche an den Kindern wahrnehme: Naturwissenschaftliche Experimente machen Spaß und vermittelt direkte Erfolgserlebnisse. Inzwischen denken wir uns auch mal selbst was aus, zum Beispiel ein Telefon, das nur aus zwei, durch eine Schnur verbundene Plastikbecher besteht.“

2011 ging Ulrike Wahl, damals noch operativer Vorstand der Siemens Stiftung, heute für die Stiftung in Lateinamerika tätig, in Chile auf die Suche nach geeigneten Partnern und Orten für Experimento. Ausgewählt wurden drei Regionen: Zum einen die Metropole Santiago, wo unter anderem die Schulen der Sociedad de Instrucción Primaria in Bezirken mit hoher Kriminalitäts- und Arbeitslosenrate angesiedelt sind. Zum anderen die Region Antofagasta in der Wüste Atacama im Norden, wo die Menschen in den Kupferminen Reichtum für Chile erwirtschaften, der Bereich Bildung aber dringend aufgeholt werden muss. Und schließlich Araucanía im Süden, die Heimat der Mapuche-Indianer, die weit verstreut in der hügeligen, dichtbewaldeten Region leben. Die wichtigen Themen hier heißen Integration und interkultureller Dialog. Um jedem Kind Bildung zu garantieren, gibt es zahllose Zwergschulen mit nur einem Lehrer und zehn oder zwanzig Kindern unterschiedlichen Alters.

Rund 400 Lehrer bereits ausgebildet

In der ersten Phase sind inzwischen siebzig von rund tausend Schulen in Araucanía ins Projekt der Siemens Stiftung eingebunden. Gemeinsam haben Siemens Stiftung und PUC vierhundert Lehrer ausgebildet, die mit neuen didaktischen Ansätzen und als Multiplikatoren mit den Experimentokisten an ihre Schulen zurückkehren.

Vergangene Woche ging es in Cristina Navarretes Klasse um die Frage, welches Material geeignet wäre, um Strom zu leiten. Eifrig versuchten die Kinder, den Strom aus einer Batterie über Gummibänder, Streichhölzer und Plastikstreifen zum Glühlämpchen aus der Experimentokiste zu leiten.  Zunächst vergeblich. Nur Domingo erkannte sofort, dass allein Metall den Strom zwischen den kleinen Klemmen leiten kann. Seinen Klassenkameraden hat er es natürlich sofort erklärt. Und so war der Jubel schließlich groß, als sich eine Schraube, ein Bodenblech, ja sogar der Bullerofen als geeignetes Medium erwies und das Lämpchen glimmen ließ.

„Naturwissenschaftliche Experimente machen Spaß und vermitteln direkte Erfolgserlebnisse.“

  • In der Grundschule Rayen Lafquen im Gebiet der Mapuche wird im Unterricht viel experimentiert. Alltägliche Gegenstände liefern oft die besten Ideen für einen Versuchsaufbau.
    © Siemens Stiftung
Arbeitsbereich:
Bildung
Land/Region:
Chile
Grundschullehrerin Cristina Navarrete mit ihrem Schüler Domingo.

Junger Forschergeist– Experimento in Chile

Domingo ist 14 Jahre alt, Klassenbester und Zweitjüngster von zwölf Geschwistern. Seine Eltern besitzen nur einen schmalen Acker rund ums Holzhäuschen am Fluss, das Geld reicht zum Überleben, aber kaum für die Ausbildung so vieler Kinder. Dennoch weiß Domingo, was er werden will: Elektro-Mechaniker. „Seit wir das Experiment mit dem Stromkreis machten und die Glühbirne aufleuchtete.“

„Wisst Ihr eigentlich, wie sich Luft anhört?“

An diesem Vormittag hat Lehrerin Cristina Navarrete den Unterricht in der Grundschule Rayen Lafquen mit einer komischen Frage eröffnet: „Wisst ihr eigentlich, wie sich Luft anhört?“ In zwanzig Kindergesichtern spiegelt sich Neugier und gleich darauf Begeisterung, nachdem jedes Kind einen Luftballon aufgeblasen hat und die Luft durch das Mundstück quietschen lässt. Ein herrlicher Höllenlärm hallt durch den Klassenraum, in dem gerade demonstriert wird, wie Laute durch Luftdruck entstehen.

Das Spielchen ist eines von vielen, das der Experimento-Kiste entstammt: Sie enthält simple Materialien wie Filterpapier, Strohhalme, Glühbirnchen, Glasbecher und eben auch bunte Luftballons. Umso überraschender und lehrreicher, was sich mit diesen Dingen alles anfangen und lernen lässt. Zum Beispiel, wenn man alle möglichen Sorten Schmutz ins Wasser panschen darf, um anschließend unter der Lupe die Rückstände zu untersuchen, die man mit einem Kaffeefilter aufgefangen hat.

Die Experimento-Kiste gehört bereits zum Inventar

Die Schule, in der man lärmen und panschen darf, besteht aus einem Holzhaus, in dem vier Lehrer rund fünfzig Schüler vom Stamm der Mapuche-Indianer im Süden des Landes nahe dem Ort Villarica unterrichten. Wie die Bulleröfen, mit denen die vier Klassenzimmer geheizt werden, gehört die Experimento-Kiste seit Sommer 2013 zum Inventar des Hauses, eingeführt von der Lehrerin Cristina Navarrete. Im vergangenen Jahr hat sie vier Seminare zu diesem Thema absolviert, zu denen die Siemens Stiftung und die katholische Universität PUC eingeladen hatten. „Dabei erlebte ich, was ich jede Woche an den Kindern wahrnehme: Naturwissenschaftliche Experimente machen Spaß und vermittelt direkte Erfolgserlebnisse. Inzwischen denken wir uns auch mal selbst was aus, zum Beispiel ein Telefon, das nur aus zwei, durch eine Schnur verbundene Plastikbecher besteht.“

2011 ging Ulrike Wahl, damals noch operativer Vorstand der Siemens Stiftung, heute für die Stiftung in Lateinamerika tätig, in Chile auf die Suche nach geeigneten Partnern und Orten für Experimento. Ausgewählt wurden drei Regionen: Zum einen die Metropole Santiago, wo unter anderem die Schulen der Sociedad de Instrucción Primaria in Bezirken mit hoher Kriminalitäts- und Arbeitslosenrate angesiedelt sind. Zum anderen die Region Antofagasta in der Wüste Atacama im Norden, wo die Menschen in den Kupferminen Reichtum für Chile erwirtschaften, der Bereich Bildung aber dringend aufgeholt werden muss. Und schließlich Araucanía im Süden, die Heimat der Mapuche-Indianer, die weit verstreut in der hügeligen, dichtbewaldeten Region leben. Die wichtigen Themen hier heißen Integration und interkultureller Dialog. Um jedem Kind Bildung zu garantieren, gibt es zahllose Zwergschulen mit nur einem Lehrer und zehn oder zwanzig Kindern unterschiedlichen Alters.

Rund 400 Lehrer bereits ausgebildet

In der ersten Phase sind inzwischen siebzig von rund tausend Schulen in Araucanía ins Projekt der Siemens Stiftung eingebunden. Gemeinsam haben Siemens Stiftung und PUC vierhundert Lehrer ausgebildet, die mit neuen didaktischen Ansätzen und als Multiplikatoren mit den Experimentokisten an ihre Schulen zurückkehren.

Vergangene Woche ging es in Cristina Navarretes Klasse um die Frage, welches Material geeignet wäre, um Strom zu leiten. Eifrig versuchten die Kinder, den Strom aus einer Batterie über Gummibänder, Streichhölzer und Plastikstreifen zum Glühlämpchen aus der Experimentokiste zu leiten.  Zunächst vergeblich. Nur Domingo erkannte sofort, dass allein Metall den Strom zwischen den kleinen Klemmen leiten kann. Seinen Klassenkameraden hat er es natürlich sofort erklärt. Und so war der Jubel schließlich groß, als sich eine Schraube, ein Bodenblech, ja sogar der Bullerofen als geeignetes Medium erwies und das Lämpchen glimmen ließ.

„Naturwissenschaftliche Experimente machen Spaß und vermitteln direkte Erfolgserlebnisse.“

Gute Bildung durch starke Lehrer – Interview mit Dr. Cristián Cox Donoso aus Chile
  • An der Pontificia Universidad Católica in Santiago bereiten sich 1.500 Studenten auf das Lehramt vor.
    © Pontificia Universidad Católica
Arbeitsbereich:
Bildung
Land/Region:
Chile
Cristián Cox Donoso, Dekan der pädagogischen Fakultät an der Pontificia Universidad Católica.

Gute Bildung durch starke Lehrer – Interview mit Dr. Cristián Cox Donoso aus Chile

Wie sich naturwissenschaftliche Erkenntnisse kindgerecht vermitteln lassen, lernen Lehrkräfte in spezialisierten Fortbildungen, in deren Mittelpunkt das Experimento-Konzept steht. Ein wichtiger Partner in Chile ist neben der Fundación Chile die Pontificia Universidad Católica. Ein Gespräch mit Dr. Christián Cox Donoso, dem Dekan der pädagogischen Fakultät, an der sich 1.500 Studenten aufs Lehramt vorbereiten.

Herr Cox, in der aktuellen PISA-Studie rangiert Chile im Vergleich von 64 Ländern auf Platz 51. Enttäuscht Sie dieses Ergebnis? Schließlich bildet Ihre Universität auch Lehrer aus.

Das muss man im Vergleich zur PISA-Studie von 2000 betrachten. Es hat sich ja viel getan seit unserer ersten Teilnahme. Die Ergebnisse von heute zeigen, dass Chile zu den Ländern gehört, die sich in den letzten zehn Jahren am besten entwickelt haben.

Dennoch schicken Eltern der Mittel- und Oberschicht ihre Kinder noch immer auf Privatschulen. Für die Kinder armer Familien bleiben die Schulen der Stadtteile und Kommunen, in denen oft schlecht ausgebildete und unterbezahlte Lehrer unterrichten.

Das stimmt leider, war aber schon mal viel schlimmer. In der Ära des Militärregimes von Pinochet verdiente ein Lehrer gerade mal 200 Euro, das reichte weder zum Leben noch zum Sterben. Unter Pinochet wurde das gebührenfreie Studium abgeschafft und die Bildung privatisiert und dezentralisiert. Unser Bildungsetat ist heute siebenmal höher als noch Ende der 80er Jahre. Zwei Drittel dieser dramatisch verbesserten öffentlichen Investitionen in die Bildung werden für Lehrergehälter ausgegeben.

Zeigen sich denn schon ein paar Erfolge?

Es hat deutliche Verbesserungen gegeben, beispielsweise im Einschreibungsverhältnis an Vorschulen und Universitäten, es gibt mehr Stipendien. Auch die materiellen Bedingungen sind drastisch aufgewertet – bessere Schulgebäude, mehr Bücher und Rechner. 1995 mussten sich 200 Kinder einen Computer teilen, heute sind es 13. Damals gab es noch Schichtunterricht: Eine Hälfte der Kinder ging morgens, die andere Hälfte am Nachmittag zur Schule. Heute hat Chile Ganztagesschulen für alle. Es dauerte zehn Jahre, neue Schulen zu bauen und sie auszustatten. Jetzt kommt es darauf an, dass wir die Qualität des Unterrichts steigern.

Offenbar fehlt es in Chile an guten Lehrern. Ist das Ihr Grundproblem?

Qualifizierte Lehrer bilden die Säulen der Wissensgesellschaft! Sie sind ein Kernthema für die Entwicklung eines Landes. Das haben unsere Politiker erst in letzter Zeit ernsthaft erkannt. Zwar stellt das Bildungsministerium seit fünfzehn Jahren erhebliche Mittel zur Verfügung, doch erst jetzt sind diese Zuschüsse an landesweit geltende Bedingungen geknüpft und es müssen vereinbarte Ziele erreicht werden. Nur wer eine hohe Qualität bietet und Fortschritte vorweist, bekommt sie. Andernfalls wird der Hahn zugedreht.

Wie verbessern Sie die Unterrichtsqualität an der Universität?

Wir verändern das bisherige Studienprogramm, das einzelne Experten einmal definiert haben, denn es ließ sich kaum auf die Praxis in den Schulen übertragen. Genau diese Komponente brauchen wir aber in der Lehrerausbildung: Wir bieten in unseren Studiengängen 65 neue Kurse an, in denen es uns um das Zusammenspiel von Fachkenntnissen mit pädagogischem Wissen geht. Was einen guten Lehrer ausmacht, ist sowohl die Fähigkeit, im Klassenzimmer das vertiefte Wissen eines Fachs darzustellen, als auch das pädagogische Können.

Wie sieht das in der Praxis aus?

Wir schicken zum Beispiel in jedem Semester vierhundert Studenten in die Schulen von Santiago, wo sie gemeinsam mit einem Lehrer der jeweiligen Schule und einem Dozenten der Uni den Unterricht gestalten. Harmonisch zusammen zu arbeiten ist eine Herausforderung für das Trio. Auch eine Lehre, die theoretisches und praktisches Wissen orchestriert, ist in der Lehrerausbildung eine permanente Herausforderung.

Woran liegt das? An den Studenten, den Lehrern oder den Dozenten?

Auch an den Dozenten. Weil sich die akademische Welt schwer tut, sich mit Leib und Seele auf die Schulwelt einzulassen. Das muss sie aber, sonst kann sie keine Lehrer vorbereiten. Und hier kommt die Siemens Stiftung ins Spiel. Wir brauchen neue Konzepte, neue Ideen, neue Werkzeuge. Unsere Dozenten machen sich auf den Weg ins Ausland, wir sind in Verbindung mit Exzellenzzentren in Kanada, USA und anderen Industrieländern. In diesem Zusammenhang empfinden wir die Kooperation mit der Siemens Stiftung als Geschenk.

Das gilt vor allem für die naturwissenschaftlichen Fächer, wo nicht nur wir in Chile, sondern alle lateinamerikanischen Länder schwach aufgestellt sind. Gerade in diesem Bereich bietet das spielerische Prinzip von Experimento eine unschätzbare Hilfe. Es macht die Kinder zu kleinen Entdeckern und erlöst Lehrer und Schüler von den Grenzen des Frontalunterrichts.

Weshalb haben Sie Experimento nicht in der Hauptstadt Santiago, sondern zuerst in der kleinen Provinzstadt Villarrica im Süden eingeführt?

Villarrica liegt in einer ländlichen Region, wo die Lehrer bereit sind, sich voller Enthusiasmus auf Fortbildungen einzulassen. Hier in Santiago reagieren sie eher verhalten und skeptisch auf neue Methoden. Aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch sie merken, dass neue didaktische Ansätze ihnen und ihren Schülern helfen. Die Kooperation mit der Siemens Stiftung hat auf unserem regionalen Campus im Süden begonnen und jetzt kommt Experimento nach Santiago an eine der ältesten und etabliertesten pädagogischen Fakultäten des Landes. Wir möchten sowohl in der Lehrerausbildung als auch in der Weiterbildung mehr mit Partnern wie der Siemens Stiftung kooperieren.

Waren auch Sie anfangs skeptisch oder hat Sie Experimento auf Anhieb überzeugt?

Experimento passte in jeder Beziehung zu den bisherigen Bemühungen der chilenischen Politik im Bereich der Bildung. Ich wusste, das ist genau das Richtige: weg vom Frontalunterricht, hin zum gemeinsamen Erleben und Erarbeiten. Das gilt nicht nur für naturwissenschaftliche Fächer, sondern lässt sich auf andere Fächer übertragen.

Wagen Sie doch mal eine Prognose: Auf welchem Rang der Pisa-Studie wird Chile in fünf Jahren stehen?

Fünf Jahre sind eine viel zu kurze Zeit für große Veränderungen. Ich bin sicher, dass wir uns mit dem Reformdruck auf Institutionen und Praktiker weiterhin nicht sprunghaft, aber stetig verbessern werden. Der chilenischen Gesellschaft ist bewusst, dass wir ein qualitativ hochwertiges Bildungssystem brauchen. Die Politik reagiert, indem sie fordert und fördert – der genaue Mix wird ständig diskutiert.

„Das spielerische Prinzip von Experimento bietet eine unschätzbare Hilfe.“

  • An der Pontificia Universidad Católica in Santiago bereiten sich 1.500 Studenten auf das Lehramt vor.
    © Pontificia Universidad Católica
Arbeitsbereich:
Bildung
Land/Region:
Chile
Cristián Cox Donoso, Dekan der pädagogischen Fakultät an der Pontificia Universidad Católica.

Gute Bildung durch starke Lehrer – Interview mit Dr. Cristián Cox Donoso aus Chile

Wie sich naturwissenschaftliche Erkenntnisse kindgerecht vermitteln lassen, lernen Lehrkräfte in spezialisierten Fortbildungen, in deren Mittelpunkt das Experimento-Konzept steht. Ein wichtiger Partner in Chile ist neben der Fundación Chile die Pontificia Universidad Católica. Ein Gespräch mit Dr. Christián Cox Donoso, dem Dekan der pädagogischen Fakultät, an der sich 1.500 Studenten aufs Lehramt vorbereiten.

Herr Cox, in der aktuellen PISA-Studie rangiert Chile im Vergleich von 64 Ländern auf Platz 51. Enttäuscht Sie dieses Ergebnis? Schließlich bildet Ihre Universität auch Lehrer aus.

Das muss man im Vergleich zur PISA-Studie von 2000 betrachten. Es hat sich ja viel getan seit unserer ersten Teilnahme. Die Ergebnisse von heute zeigen, dass Chile zu den Ländern gehört, die sich in den letzten zehn Jahren am besten entwickelt haben.

Dennoch schicken Eltern der Mittel- und Oberschicht ihre Kinder noch immer auf Privatschulen. Für die Kinder armer Familien bleiben die Schulen der Stadtteile und Kommunen, in denen oft schlecht ausgebildete und unterbezahlte Lehrer unterrichten.

Das stimmt leider, war aber schon mal viel schlimmer. In der Ära des Militärregimes von Pinochet verdiente ein Lehrer gerade mal 200 Euro, das reichte weder zum Leben noch zum Sterben. Unter Pinochet wurde das gebührenfreie Studium abgeschafft und die Bildung privatisiert und dezentralisiert. Unser Bildungsetat ist heute siebenmal höher als noch Ende der 80er Jahre. Zwei Drittel dieser dramatisch verbesserten öffentlichen Investitionen in die Bildung werden für Lehrergehälter ausgegeben.

Zeigen sich denn schon ein paar Erfolge?

Es hat deutliche Verbesserungen gegeben, beispielsweise im Einschreibungsverhältnis an Vorschulen und Universitäten, es gibt mehr Stipendien. Auch die materiellen Bedingungen sind drastisch aufgewertet – bessere Schulgebäude, mehr Bücher und Rechner. 1995 mussten sich 200 Kinder einen Computer teilen, heute sind es 13. Damals gab es noch Schichtunterricht: Eine Hälfte der Kinder ging morgens, die andere Hälfte am Nachmittag zur Schule. Heute hat Chile Ganztagesschulen für alle. Es dauerte zehn Jahre, neue Schulen zu bauen und sie auszustatten. Jetzt kommt es darauf an, dass wir die Qualität des Unterrichts steigern.

Offenbar fehlt es in Chile an guten Lehrern. Ist das Ihr Grundproblem?

Qualifizierte Lehrer bilden die Säulen der Wissensgesellschaft! Sie sind ein Kernthema für die Entwicklung eines Landes. Das haben unsere Politiker erst in letzter Zeit ernsthaft erkannt. Zwar stellt das Bildungsministerium seit fünfzehn Jahren erhebliche Mittel zur Verfügung, doch erst jetzt sind diese Zuschüsse an landesweit geltende Bedingungen geknüpft und es müssen vereinbarte Ziele erreicht werden. Nur wer eine hohe Qualität bietet und Fortschritte vorweist, bekommt sie. Andernfalls wird der Hahn zugedreht.

Wie verbessern Sie die Unterrichtsqualität an der Universität?

Wir verändern das bisherige Studienprogramm, das einzelne Experten einmal definiert haben, denn es ließ sich kaum auf die Praxis in den Schulen übertragen. Genau diese Komponente brauchen wir aber in der Lehrerausbildung: Wir bieten in unseren Studiengängen 65 neue Kurse an, in denen es uns um das Zusammenspiel von Fachkenntnissen mit pädagogischem Wissen geht. Was einen guten Lehrer ausmacht, ist sowohl die Fähigkeit, im Klassenzimmer das vertiefte Wissen eines Fachs darzustellen, als auch das pädagogische Können.

Wie sieht das in der Praxis aus?

Wir schicken zum Beispiel in jedem Semester vierhundert Studenten in die Schulen von Santiago, wo sie gemeinsam mit einem Lehrer der jeweiligen Schule und einem Dozenten der Uni den Unterricht gestalten. Harmonisch zusammen zu arbeiten ist eine Herausforderung für das Trio. Auch eine Lehre, die theoretisches und praktisches Wissen orchestriert, ist in der Lehrerausbildung eine permanente Herausforderung.

Woran liegt das? An den Studenten, den Lehrern oder den Dozenten?

Auch an den Dozenten. Weil sich die akademische Welt schwer tut, sich mit Leib und Seele auf die Schulwelt einzulassen. Das muss sie aber, sonst kann sie keine Lehrer vorbereiten. Und hier kommt die Siemens Stiftung ins Spiel. Wir brauchen neue Konzepte, neue Ideen, neue Werkzeuge. Unsere Dozenten machen sich auf den Weg ins Ausland, wir sind in Verbindung mit Exzellenzzentren in Kanada, USA und anderen Industrieländern. In diesem Zusammenhang empfinden wir die Kooperation mit der Siemens Stiftung als Geschenk.

Das gilt vor allem für die naturwissenschaftlichen Fächer, wo nicht nur wir in Chile, sondern alle lateinamerikanischen Länder schwach aufgestellt sind. Gerade in diesem Bereich bietet das spielerische Prinzip von Experimento eine unschätzbare Hilfe. Es macht die Kinder zu kleinen Entdeckern und erlöst Lehrer und Schüler von den Grenzen des Frontalunterrichts.

Weshalb haben Sie Experimento nicht in der Hauptstadt Santiago, sondern zuerst in der kleinen Provinzstadt Villarrica im Süden eingeführt?

Villarrica liegt in einer ländlichen Region, wo die Lehrer bereit sind, sich voller Enthusiasmus auf Fortbildungen einzulassen. Hier in Santiago reagieren sie eher verhalten und skeptisch auf neue Methoden. Aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch sie merken, dass neue didaktische Ansätze ihnen und ihren Schülern helfen. Die Kooperation mit der Siemens Stiftung hat auf unserem regionalen Campus im Süden begonnen und jetzt kommt Experimento nach Santiago an eine der ältesten und etabliertesten pädagogischen Fakultäten des Landes. Wir möchten sowohl in der Lehrerausbildung als auch in der Weiterbildung mehr mit Partnern wie der Siemens Stiftung kooperieren.

Waren auch Sie anfangs skeptisch oder hat Sie Experimento auf Anhieb überzeugt?

Experimento passte in jeder Beziehung zu den bisherigen Bemühungen der chilenischen Politik im Bereich der Bildung. Ich wusste, das ist genau das Richtige: weg vom Frontalunterricht, hin zum gemeinsamen Erleben und Erarbeiten. Das gilt nicht nur für naturwissenschaftliche Fächer, sondern lässt sich auf andere Fächer übertragen.

Wagen Sie doch mal eine Prognose: Auf welchem Rang der Pisa-Studie wird Chile in fünf Jahren stehen?

Fünf Jahre sind eine viel zu kurze Zeit für große Veränderungen. Ich bin sicher, dass wir uns mit dem Reformdruck auf Institutionen und Praktiker weiterhin nicht sprunghaft, aber stetig verbessern werden. Der chilenischen Gesellschaft ist bewusst, dass wir ein qualitativ hochwertiges Bildungssystem brauchen. Die Politik reagiert, indem sie fordert und fördert – der genaue Mix wird ständig diskutiert.

„Das spielerische Prinzip von Experimento bietet eine unschätzbare Hilfe.“

Initiative ergreifen für die Bildung - Interview mit Patricia Matte Larraín aus Chile
  • Der 12-jährige Schulbesuch ist in Chile Pflicht. Die Qualität der Bildung hängt dabei jedoch immer noch von der finanziellen Situation der Eltern ab.
    © Siemens Stiftung
Arbeitsbereich:
Bildung
Land/Region:
Chile
Patricia Matte Larraín vom chilenischen Grundschulnetzwerk SIP

Initiative ergreifen für die Bildung

Patricia Matte Larraín engagiert sich seit zwanzig Jahren für eine bessere Schulbildung im Rahmen der Sociedad de Instrucción Primaria, kurz SIP genannt. Ihr Vorbild ist ein Vorfahr: Don Claudio Matte Pérez, Pädagoge, Uni-Rektor und Menschenfreund, der im 19. Jahrhundert Volksschulen gründete, um Kindern in sozial schwachen Stadtvierteln Bildung zu ermöglichen. Patricia Matte führt das erfolgreiche und hoch angesehene Projekt fort.

Señora Matte, erinnern Sie sich noch an das erste Wort, das Sie geschrieben haben?

Ich bin grade siebzig geworden! Das weiß ich nicht mehr.

Don Claudio Matte Pérez, einer Ihrer Vorfahren, hat vor hundertdreißig Jahren für Chiles ABC-Schützen eine Fibel geschrieben. Das erste Wort darin war Ojo, Auge.

Ach ja, stimmt. Er war der Bruder meines Urgroßvaters. Damals gab es nur wenige Schulen. Chile war ja gerade erst unabhängig geworden.

Don Claudio ist 1956 im Alter von 98 Jahren gestorben. Haben Sie ihn noch gekannt?

Damals war ich dreizehn. Ich habe ihn als sehr zielstrebig in Erinnerung, immer spornte er uns an, zu lernen.

Offenbar nicht nur Sie, sondern viele chilenische Kinder.

Richtig, ein Schulsystem aufzubauen, das war sein Lebenswerk. Mitte des 19. Jahrhunderts konnten achtzig Prozent aller Chilenen weder lesen noch schreiben. Das änderte sich, nachdem die Sociedad de Instruccion Primaria gegründet wurde und Don Claudio bald eine Schule nach der anderen bauen ließ.

In den siebziger Jahren wurden unter Präsident Salvador Allende alle Schulen verstaatlicht...

...nur unsere blieben davon unberührt. Weil wir immer Vertreter aller Parteien in der Verwaltung hatten und der Unterricht als effektiv anerkannt wurde. Die staatlichen Zuschüsse wurden allerdings gekürzt. Das änderte sich, als Augusto Pinochet an die Macht kam und verfügte, dass jeder Schüler, unabhängig von der Schule, die er besucht, subventioniert wurde. Das gilt übrigens bis heute. Und wir sind nach wie vor vollkommen autonom.

Inzwischen gibt es in Santiago achtzehn SIP- Schulen, vor allem in den ärmeren Randgebieten.  Sollen es noch mehr werden?

Ja, aber nicht in der Stadt, sondern in den Regionen. Dort besteht das Problem nicht nur darin, dass es zu wenig Schulen gibt, sondern in  der Qualität des Unterrichts. Vor allem bei den Stadtteilschulen, den Colegios Municipales, liegt vieles im Argen.

Woher kommt das?

Die Schulen arbeiten bürokratisch und ineffizient. Gefangen in einem starren System, das gute Lehrer schlecht bezahlt und schlechte Lehrer nicht entlassen kann. Und warum gibt es so viele schlechte Lehrer? Selbst mit einem schlechten Schulabschluss kann man auf den meisten der rund 60 Universitäten noch aufs Lehramt studieren. Fragen Sie Cristian Cox, den Dekan der katholischen Universität in Santiago, dort werden viele unserer Pädagogen ausgebildet.

Die katholische Uni stellt dabei noch die höchsten Anforderungen. Cox sieht die Probleme ähnlich wie Sie. Allerdings seien sie nicht von heute auf morgen zu lösen.

Aber es ist doch höchsten Zeit, dass sich etwas ändert. Ansätze sind zu sehen: Lehrer werden nicht nur besser bezahlt, sondern auch strenger beurteilt. Aber es dauert mir viel zu lange, bis alle Neuerungen umgesetzt sind. Deshalb organisieren wir in unserem Netzwerk unsere eigene Lehrerfortbildung.

Arbeiten Sie dabei auch mit Experimento?

Ja natürlich. Dieses Projekt der Siemens Stiftung kam uns sehr gelegen. Wir haben damit sofort in drei Schulen losgelegt. Es funktionierte auf Anhieb. Endlich verfügen wir über ein zusätzliches Werkzeug, mit dem wir unsere Linie verfolgen können. Dazu die Möglichkeit, dieses lebendige Lehren und Lernen auf andere Fächer auszuweiten. Ich finde, wir sollten damit schon in der Vorschulerziehung beginnen. Auch dabei kann die Siemens Stiftung eine große Hilfe sein.

Sie haben vier Kinder und fünfzehn Enkel. Wer tritt einmal in Ihre Fußstapfen?

Ich werde nie aufhören. Auch wenn ich als Präsidentin der SIP zurücktrete, werde ich weiterhin die Schulen besuchen und versuchen zu helfen. Das bin ich den Kindern meines Landes und Don Claudio Matte schuldig.

Das Interview führte Uschi Entenmann. Im Rahmen einer Chile-Reise sprach sie mit verschiedenen Vertretern aus dem Bildungssektor, die Interviews werden auf unserer Webseite veröffentlicht.

Weitere Hintergrundinformationen zum chilenischen Bildungssystem

„Ein lebendiges Lehren und Lernen“. Die Sociedad de Instrucción Primaria begegnet mit Lehrerfortbildungen dem Bildungssystem in Chile.

  • Der 12-jährige Schulbesuch ist in Chile Pflicht. Die Qualität der Bildung hängt dabei jedoch immer noch von der finanziellen Situation der Eltern ab.
    © Siemens Stiftung
Arbeitsbereich:
Bildung
Land/Region:
Chile
Patricia Matte Larraín vom chilenischen Grundschulnetzwerk SIP

Initiative ergreifen für die Bildung

Patricia Matte Larraín engagiert sich seit zwanzig Jahren für eine bessere Schulbildung im Rahmen der Sociedad de Instrucción Primaria, kurz SIP genannt. Ihr Vorbild ist ein Vorfahr: Don Claudio Matte Pérez, Pädagoge, Uni-Rektor und Menschenfreund, der im 19. Jahrhundert Volksschulen gründete, um Kindern in sozial schwachen Stadtvierteln Bildung zu ermöglichen. Patricia Matte führt das erfolgreiche und hoch angesehene Projekt fort.

Señora Matte, erinnern Sie sich noch an das erste Wort, das Sie geschrieben haben?

Ich bin grade siebzig geworden! Das weiß ich nicht mehr.

Don Claudio Matte Pérez, einer Ihrer Vorfahren, hat vor hundertdreißig Jahren für Chiles ABC-Schützen eine Fibel geschrieben. Das erste Wort darin war Ojo, Auge.

Ach ja, stimmt. Er war der Bruder meines Urgroßvaters. Damals gab es nur wenige Schulen. Chile war ja gerade erst unabhängig geworden.

Don Claudio ist 1956 im Alter von 98 Jahren gestorben. Haben Sie ihn noch gekannt?

Damals war ich dreizehn. Ich habe ihn als sehr zielstrebig in Erinnerung, immer spornte er uns an, zu lernen.

Offenbar nicht nur Sie, sondern viele chilenische Kinder.

Richtig, ein Schulsystem aufzubauen, das war sein Lebenswerk. Mitte des 19. Jahrhunderts konnten achtzig Prozent aller Chilenen weder lesen noch schreiben. Das änderte sich, nachdem die Sociedad de Instruccion Primaria gegründet wurde und Don Claudio bald eine Schule nach der anderen bauen ließ.

In den siebziger Jahren wurden unter Präsident Salvador Allende alle Schulen verstaatlicht...

...nur unsere blieben davon unberührt. Weil wir immer Vertreter aller Parteien in der Verwaltung hatten und der Unterricht als effektiv anerkannt wurde. Die staatlichen Zuschüsse wurden allerdings gekürzt. Das änderte sich, als Augusto Pinochet an die Macht kam und verfügte, dass jeder Schüler, unabhängig von der Schule, die er besucht, subventioniert wurde. Das gilt übrigens bis heute. Und wir sind nach wie vor vollkommen autonom.

Inzwischen gibt es in Santiago achtzehn SIP- Schulen, vor allem in den ärmeren Randgebieten.  Sollen es noch mehr werden?

Ja, aber nicht in der Stadt, sondern in den Regionen. Dort besteht das Problem nicht nur darin, dass es zu wenig Schulen gibt, sondern in  der Qualität des Unterrichts. Vor allem bei den Stadtteilschulen, den Colegios Municipales, liegt vieles im Argen.

Woher kommt das?

Die Schulen arbeiten bürokratisch und ineffizient. Gefangen in einem starren System, das gute Lehrer schlecht bezahlt und schlechte Lehrer nicht entlassen kann. Und warum gibt es so viele schlechte Lehrer? Selbst mit einem schlechten Schulabschluss kann man auf den meisten der rund 60 Universitäten noch aufs Lehramt studieren. Fragen Sie Cristian Cox, den Dekan der katholischen Universität in Santiago, dort werden viele unserer Pädagogen ausgebildet.

Die katholische Uni stellt dabei noch die höchsten Anforderungen. Cox sieht die Probleme ähnlich wie Sie. Allerdings seien sie nicht von heute auf morgen zu lösen.

Aber es ist doch höchsten Zeit, dass sich etwas ändert. Ansätze sind zu sehen: Lehrer werden nicht nur besser bezahlt, sondern auch strenger beurteilt. Aber es dauert mir viel zu lange, bis alle Neuerungen umgesetzt sind. Deshalb organisieren wir in unserem Netzwerk unsere eigene Lehrerfortbildung.

Arbeiten Sie dabei auch mit Experimento?

Ja natürlich. Dieses Projekt der Siemens Stiftung kam uns sehr gelegen. Wir haben damit sofort in drei Schulen losgelegt. Es funktionierte auf Anhieb. Endlich verfügen wir über ein zusätzliches Werkzeug, mit dem wir unsere Linie verfolgen können. Dazu die Möglichkeit, dieses lebendige Lehren und Lernen auf andere Fächer auszuweiten. Ich finde, wir sollten damit schon in der Vorschulerziehung beginnen. Auch dabei kann die Siemens Stiftung eine große Hilfe sein.

Sie haben vier Kinder und fünfzehn Enkel. Wer tritt einmal in Ihre Fußstapfen?

Ich werde nie aufhören. Auch wenn ich als Präsidentin der SIP zurücktrete, werde ich weiterhin die Schulen besuchen und versuchen zu helfen. Das bin ich den Kindern meines Landes und Don Claudio Matte schuldig.

Das Interview führte Uschi Entenmann. Im Rahmen einer Chile-Reise sprach sie mit verschiedenen Vertretern aus dem Bildungssektor, die Interviews werden auf unserer Webseite veröffentlicht.

Weitere Hintergrundinformationen zum chilenischen Bildungssystem

„Ein lebendiges Lehren und Lernen“. Die Sociedad de Instrucción Primaria begegnet mit Lehrerfortbildungen dem Bildungssystem in Chile.

Versuch es selbst - Experimento an der Music High School in Südafrika
  • Die Physiklehrerin Alfridah Bilankulu und ihre Schüler beim Experimentieren. Didaktische und methodische Ansätze dafür vermitteln Experimento-Fortbildungen der Siemens Stiftung.
    © Siemens Stiftung
Arbeitsbereich:
Bildung
Land/Region:
Südafrika

Versuch es selbst!

In Soweto bringt Alfridah Bilankulu mit Experimento Leben in den Physikunterricht.

Die Stimmung ist ausgelassen. Die Ferien stehen bevor. Alfridah Bilankulu hat beschlossen, heute mit ihrer 10. Klasse eine Experimentierstunde durchzuführen. Alfridah ist Lehrerin an der Musi High School, einer weiterführenden Schule in Soweto. Soweto, kurz für „South Western Townships“, ist ein Stadtteil von Johannesburg. Lange galt er als unterprivilegierte Satellitenstadt, seit dem Ende der Apartheid erlebt er jedoch einen langsamen, aber stetigen Aufschwung. Ein  besonders wichtiges Element dabei ist eine gute schulische Ausbildung.

Praktisches Training in Lehrerworkshops

Seit Mitte der 1990er Jahre wurden die Lehrpläne und die Lehrerausbildung, die zur Zeit der Apartheid strikt getrennt waren, nach und nach angepasst. Experimente sind erst seit Kurzem im Lehrplan vorgesehen. Für Alfridah bedeutete dies harte Arbeit, denn sie musste sich die nun erforderlichen Inhalte selbst erarbeiten. Geholfen hat ihr dabei eine Experimento-Fortbildung, die sie im letzten Jahr besucht hat. Experimento, so heißt das internationale Bildungsprogramm der Siemens Stiftung. Es vermittelt Lehrkräften didaktische und methodische Ansätze für den Einsatz von Experimenten im Unterricht. Die Inhalte wurden in Zusammenarbeit mit Lehrerbildungsinstituten und lokalen Universitäten speziell an die Besonderheiten und Lehrpläne des Landes angepasst.

„Das Beste an den Seminaren ist, dass man dort zusammen mit anderen Lehrern aus dem naturwissenschaftlichen Bereich die einzelnen Experimente durchgeht. Das verleiht Sicherheit.“, lacht Alfridah. „Bis vor Kurzem war ich an der Musi High School die einzige Physiklehrerin und konnte mich mit niemandem austauschen. Durch die Experimento-Workshops habe ich nun eine Lehrerin kennengelernt, die ganz hier in der Nähe unterrichtet. Mit ihr tausche ich mich regelmäßig aus.“

Naturwissenschaftliche Zusammenhänge durch eigenes Forschen verstehen

Während Alfridah noch die Materialien für das Experiment zusammensucht, beugen sich ihre Schüler bereits interessiert über die Anleitung und diskutieren über den Versuchsaufbau. „Wir brauchen drei Becher mit Wasser; einen mit Kochsalz, einen mit Zitronensäure“, sagt Masego bestimmt. Sie kennt dieses Experiment. Ihre Klasse hat es in diesem Schuljahr schon einmal durchgeführt. Anhand verschiedener Versuchsaufbauten vermittelt es den Schülern die Funktionsweise chemischer Batterien. „Wir brauchen immer einen Zink- und einen Kupfernagel“, weiß Sannah. „Diese halten wir dann in einen der drei Becher und überprüfen die Spannung.“ Alle schauen gespannt auf das Multimeter. Nichts. Verdutzte Gesichter. Irgendetwas scheint mit dem Messgerät nicht in Ordnung zu sein.

Da ergreift Thami eifrig das Wort: „Ich kann euch sagen, was eigentlich passieren müsste. In allen drei Lösungen kann der Strom fließen. Die Flüssigkeit stellt eine Verbindung zwischen den verschiedenartig gepolten Nägeln her.“ Er kann sich noch ganz genau an das Experiment erinnern. „Wenn die Kinder es einmal selbst ausprobiert haben, vergessen sie das Ergebnis nicht mehr so schnell.“, erklärt Alfridah fröhlich.

Die Schüler haben sich bereits ans Aufräumen des Experiments gemacht, da geht plötzlich die Tür auf. Ein Kollege von Alfridah kommt in den Raum und hält das Multimeter in die Luft, das er zwischenzeitlich an sich genommen hatte: „Ich habe es aufgeschraubt. Es war bloß keine Batterie drinnen.“ Alle lachen. Und tatsächlich, jetzt klappt es.

Die Stunde ist zu Ende. Alles wird wieder aufgeräumt. Ab geht’s in die Ferien!

„Das Beste an den Seminaren ist, dass man dort zusammen mit anderen Lehrern aus dem naturwissenschaftlichen Bereich die einzelnen Experimente durchgeht. Das verleiht Sicherheit.“

  • Die Physiklehrerin Alfridah Bilankulu und ihre Schüler beim Experimentieren. Didaktische und methodische Ansätze dafür vermitteln Experimento-Fortbildungen der Siemens Stiftung.
    © Siemens Stiftung
Arbeitsbereich:
Bildung
Land/Region:
Südafrika

Versuch es selbst!

In Soweto bringt Alfridah Bilankulu mit Experimento Leben in den Physikunterricht.

Die Stimmung ist ausgelassen. Die Ferien stehen bevor. Alfridah Bilankulu hat beschlossen, heute mit ihrer 10. Klasse eine Experimentierstunde durchzuführen. Alfridah ist Lehrerin an der Musi High School, einer weiterführenden Schule in Soweto. Soweto, kurz für „South Western Townships“, ist ein Stadtteil von Johannesburg. Lange galt er als unterprivilegierte Satellitenstadt, seit dem Ende der Apartheid erlebt er jedoch einen langsamen, aber stetigen Aufschwung. Ein  besonders wichtiges Element dabei ist eine gute schulische Ausbildung.

Praktisches Training in Lehrerworkshops

Seit Mitte der 1990er Jahre wurden die Lehrpläne und die Lehrerausbildung, die zur Zeit der Apartheid strikt getrennt waren, nach und nach angepasst. Experimente sind erst seit Kurzem im Lehrplan vorgesehen. Für Alfridah bedeutete dies harte Arbeit, denn sie musste sich die nun erforderlichen Inhalte selbst erarbeiten. Geholfen hat ihr dabei eine Experimento-Fortbildung, die sie im letzten Jahr besucht hat. Experimento, so heißt das internationale Bildungsprogramm der Siemens Stiftung. Es vermittelt Lehrkräften didaktische und methodische Ansätze für den Einsatz von Experimenten im Unterricht. Die Inhalte wurden in Zusammenarbeit mit Lehrerbildungsinstituten und lokalen Universitäten speziell an die Besonderheiten und Lehrpläne des Landes angepasst.

„Das Beste an den Seminaren ist, dass man dort zusammen mit anderen Lehrern aus dem naturwissenschaftlichen Bereich die einzelnen Experimente durchgeht. Das verleiht Sicherheit.“, lacht Alfridah. „Bis vor Kurzem war ich an der Musi High School die einzige Physiklehrerin und konnte mich mit niemandem austauschen. Durch die Experimento-Workshops habe ich nun eine Lehrerin kennengelernt, die ganz hier in der Nähe unterrichtet. Mit ihr tausche ich mich regelmäßig aus.“

Naturwissenschaftliche Zusammenhänge durch eigenes Forschen verstehen

Während Alfridah noch die Materialien für das Experiment zusammensucht, beugen sich ihre Schüler bereits interessiert über die Anleitung und diskutieren über den Versuchsaufbau. „Wir brauchen drei Becher mit Wasser; einen mit Kochsalz, einen mit Zitronensäure“, sagt Masego bestimmt. Sie kennt dieses Experiment. Ihre Klasse hat es in diesem Schuljahr schon einmal durchgeführt. Anhand verschiedener Versuchsaufbauten vermittelt es den Schülern die Funktionsweise chemischer Batterien. „Wir brauchen immer einen Zink- und einen Kupfernagel“, weiß Sannah. „Diese halten wir dann in einen der drei Becher und überprüfen die Spannung.“ Alle schauen gespannt auf das Multimeter. Nichts. Verdutzte Gesichter. Irgendetwas scheint mit dem Messgerät nicht in Ordnung zu sein.

Da ergreift Thami eifrig das Wort: „Ich kann euch sagen, was eigentlich passieren müsste. In allen drei Lösungen kann der Strom fließen. Die Flüssigkeit stellt eine Verbindung zwischen den verschiedenartig gepolten Nägeln her.“ Er kann sich noch ganz genau an das Experiment erinnern. „Wenn die Kinder es einmal selbst ausprobiert haben, vergessen sie das Ergebnis nicht mehr so schnell.“, erklärt Alfridah fröhlich.

Die Schüler haben sich bereits ans Aufräumen des Experiments gemacht, da geht plötzlich die Tür auf. Ein Kollege von Alfridah kommt in den Raum und hält das Multimeter in die Luft, das er zwischenzeitlich an sich genommen hatte: „Ich habe es aufgeschraubt. Es war bloß keine Batterie drinnen.“ Alle lachen. Und tatsächlich, jetzt klappt es.

Die Stunde ist zu Ende. Alles wird wieder aufgeräumt. Ab geht’s in die Ferien!

„Das Beste an den Seminaren ist, dass man dort zusammen mit anderen Lehrern aus dem naturwissenschaftlichen Bereich die einzelnen Experimente durchgeht. Das verleiht Sicherheit.“