• Philister Okeyo nahm ebenfalls am Training teil. Nun bietet sie zusätzlich zu Schulbüchern Haushaltswaren an, um saisonale Schwankungen auszugleichen.
    © Siemens Stiftung
Arbeitsbereich:
Grundversorgung
Land/Region:
Kenia
Wamuyu Mahina, Gründerin The Youth Banner

„Wir schaffen Vorbilder“

Wamuyu Mahinda bildet mit ihrer Organisation The Youth Banner in Kenia junge Leute zu Unternehmern aus und begleitet sie mit einem Mentorenprogramm. Seit 2012 kooperiert die Siemens Stiftung mit The Youth Banner in einem Programm, das Entrepreneurship Trainings für junge Kenianer in ländlichen Regionen anbietet, um ihnen wirtschaftliche und soziale Perspektiven zu eröffnen. Für die Schüler ist das oft die einzige Chance – und wenn die Absolventen Erfolg haben, motivieren sie ganze Dörfer zu mehr Engagement.

Frau Mahinda, Sie haben Ihre Stelle in der Privatwirtschaft aufgegeben, um jungen Kenianern beizubringen, ihre eigene Geschäftsidee zu verwirklichen. Warum?

Mich motiviert es ungemein, wenn ich den Absolventen begegne, die früher unser Training durchlaufen haben. Gerade erst habe ich einen jungen Mann namens Jeremiah wiedergetroffen. Er hat inzwischen ein Unternehmen gegründet, in dem er mit Fischen handelt, und kam ganz stolz auf einem silbernen Motorrad angefahren.

Moment, er hat sein selbstverdientes Geld in ein Motorrad gesteckt?

Ja, genau. Das ist für ihn ein wichtiges Hilfsmittel, denn jetzt kann er Kunden in einem viel größeren Umkreis bedienen, als wenn er immer noch zu Fuß gehen würde. Und er wird zugleich zu einem Vorbild für seine Umgebung: Die Leute sehen, dass es ihm gut geht, und wollen seinem Beispiel nacheifern. In vielen Gegenden von Kenia ist es ein unheimlich großer Anreiz, wenn man seiner Familie zum Beispiel drei Mahlzeiten am Tag ermöglichen kann. Andere sind stolz darauf, dass ihre Kinder saubere Schuluniformen tragen oder sie sich einen Friseur leisten können.

Warum brauchen die jungen Leute eigentlich ein spezielles Training, bevor sie sich selbstständig machen?

In unserem Bildungssystem ist sonst keine Schulung vorgesehen, die einen darauf vorbereiten würde. Wir richten uns an junge Erwachsene, die acht Jahre Schule hinter sich haben, manche waren sogar zwölf Jahre in der Schule. Sie können also Englisch und Mathe, das ist nicht das Problem – aber Buchführung, Marketing, Kundenbindung und selbst Marktgesetze wie jenes von Angebot und Nachfrage hat ihnen niemand beigebracht. Viele haben vorher auch nie mit einem Computer gearbeitet. Wichtig ist uns auch, dass die Teilnehmer persönliche Kompetenzen ausbilden: Dass sie Vertrauen in ihre Ideen haben, kritisch denken und lösungsorientiert arbeiten.

Wie läuft Ihr Trainingsprogramm ab?

Als erstes suchen wir uns die Teilnehmer aus, die wir ins Programm aufnehmen, das sind jedes Mal gut 100 Leute. Wir lassen sie uns empfehlen: vom Chief eines Dorfes etwa, der die Bewohner kennt, oder von anderen Organisationen, die vor Ort arbeiten. Das Training selbst findet dann ein halbes Jahr lang immer einmal pro Woche statt. Pro Jahr schaffen wir so zwei Durchgänge. Dazu haben wir inzwischen ein Mentoren-Programm aufgebaut, in dem erfahrene Geschäftsleute die jungen Menschen begleiten – oft auch per Internet, weil die Distanzen so groß sind.

Und danach gründen die jungen Leute ihr eigenes Unternehmen?

Genau. Wir haben einen Standort in der Nähe des Viktoriasees, da verkaufen viele Absolventen zum Beispiel Fische. Andere machen Friseurgeschäfte auf, betreiben kleine Hotels, werden Buchhändler oder verkaufen Suppe. Es sind jedenfalls meist Unternehmen, die sich an die örtliche Kundschaft richten. Manche haben aber auch international Erfolg: Ein Absolvent handelt mit den Luftblasen der Fische, die vorher weggeworfen sind. Jetzt verkauft er sie an Zwischenhändler in Uganda, die daraus Fischöl machen und es nach China exportieren.

Was könnten die jungen Leute sonst tun, wenn sie nicht an Ihren Trainings teilnähmen?

Das ist ja das Schlimme: Sie haben kaum eine andere Chance. Viele junge Leute in Kenia sind arbeitslos, sie schlagen einfach ihre Zeit tot. Manche kommen darüber in schlechte Gesellschaft und werden kriminell. Wenn wir sie aufnehmen, ist das für sie nicht nur eine Schulung: Es bedeutet, dass sie endlich etwas zu tun haben, wir geben ihnen Hoffnung. Deshalb haben wir auch viel mehr Interessenten, als wir in unseren Programmen überhaupt aufnehmen können.

Wamuyu Mahinda ist Gründerin und Chefin von The Youth Banner. Die kenianische Organisation ist Partnerin der Siemens Stiftung und vermittelt Jugendlichen die nötigen Fertigkeiten, um sich selbstständig zu machen: Das Programm vermittelt betriebswirtschaftliche Grundfähigkeiten und fördert gleichzeitig die Ausbildung persönlicher Kompetenzen. Im Anschluss werden die Teilnehmer auf ihrem Weg zum Kleinunternehmer durch erfahrene Mentoren begleitet.

„Mich motiviert es ungemein, wenn ich den Absolventen begegne, die früher unser Training durchlaufen haben.“