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CHANGING PLACES / ESPACIOS REVELADOS in Guadalajara, Mexiko

Umgang mit dem kulturellen Erbe der Moderne

Die alte Biblioteca Pública del Estado vor dem Park Agua Azul beherbergte mehr als 35 Jahre lang das Erbe des Staates.
© Moisés Mondragón

Im August 2019 beginnt ein neues Stadtprojekt der Reihe CHANGING PLACES / ESPACIOS REVELADOS mit einem achtmonatigen Arbeitsprozess in Guadalajara. Die traditionsreiche Hauptstadt des Bundesstaates Jalisco ist die zweitgrößte Stadt Mexikos. Ihre modernistische Architektur ist einer der kulturellen Schätze der Stadt – und wird dort noch immer wenig geschätzt.

Ein Blick auf die architektonische Moderne in Guadalajara

Ab 1950 erlebte Guadalajara einen der radikalsten Modernisierungsprozesse des Landes: Große Funktionsgebäude, Minimalismus und die Utopien eines kollektiven Wohnens verleihen der Stadt seither einen besonderen Charakter. Einige der repräsentativen Bauten dieser Epoche, die heute leer stehen oder kaum genutzt werden, wird das neue Projekt für künstlerische Arbeiten umnutzen.

Scheitern der Utopien der Moderne

Die Modernisierungsbewegung mit ihrem Innovationsdrang war von der festen Überzeugung geprägt, dass Fortschritt vor Armut bewahren würde. 1970 erwachte das Land aus diesem Traum mit einer der größten Wirtschaftskrisen, verschärft durch die darauf folgenden Migrationsbewegungen. Ausgehend vom Stadtzentrum entwickelte sich zusehends Leerstand. Verlassene oder halbverfallene Gebäude führten dazu, dass die Bevölkerung in andere Stadtteile umzog. Die zentrifugale Bewegung beschleunigte sich zusehends, angetrieben durch die Immobilienspekulationen, und hält bis heute an.

Spuren einer imaginären Zukunft für die Stadt

Mit Künstlern, Wissenschaftlern und zivilgesellschaftlichen Organisationen sucht das Projekt nach den Spuren dieser gescheiterten Moderne und fragt danach, welche Zukunft sich aus den verlassenen Gebäuden, in leeren oder ungenutzten Komplexen für die Stadt erkennen lässt. Der Arbeitsprozess von CHANGING PLACES /ESPACIOS REVELADOS beginnt im August 2019 mit einem Programm an Stadtlaboren und Workshops, das sich auf die Stadtteile Mexicaltzingo, Analco und das Stadtzentrum bezieht. Wissenschaftler, Künstler und Nachbarn gehen gemeinsam auf Feldforschung zu den leerstehenden Gebäuden, sichten Karten und suchen nach Wegen, wie sich mit diesem Kulturerbe leben lässt. Auf Grundlage der Ergebnisse werden künstlerische Arbeiten in leerstehenden Gebäuden entwickelt. Eine weitere Komponente des Projekts ist ein internationales Forum, das sich Februar 2020 mit dem Thema „Gescheiterte Moderne“ beschäftigt. Die entstandenen künstlerischen Werke werden zum Abschluss des Projekts im März 2020 über knapp zwei Wochen hinweg an 20 Orten bei freiem Eintritt präsentiert.

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