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Pressemitteilung | Kultur | 16. November 2018

Schlaglichter auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Städten: CHANGING PLACES / ESPACIOS REVELADOS 2018 in Kolumbien

Ein leerstehendes Marktgebäude wird in Fidel Castros Projekt „Ágora Ficti“ wieder zum öffentlichen Raum.
© Fernanda Niño Díaz

Kulturprojekt CHANGING PLACES / ESPACIOS REVELADOS vom 23. November bis 1. Dezember 2018 in Bucaramanga, Kolumbien.

 

Wie begegnet eine Stadt den Herausforderungen des Zusammenlebens unter dem Druck des Wandels? Wie entsteht ein Gefühl der Zugehörigkeit im urbanen Raum? Und welche Rolle wird dabei der Kunst zugestanden? Im Rahmen des Projektes CHANGING PLACES / ESPACIOS REVELADOS beleben und verändern Künstler leerstehende Gebäude und öffentliche Plätze in der kolumbianischen Stadt Bucaramanga. Vom 23. November bis 1. Dezember entstehen an 11 Orten neue Sichtweisen auf die Stadt und zugleich Experimentierfelder für das Zusammenleben.

 

Die Millionenstadt Bucaramanga liegt im Nordosten Kolumbiens. Unweit der venezolanischen Grenze befindet sie sich im Strom aktueller Migrationsbewegungen. Ihr schnelles Wachstum führt zu einer sozialen Spaltung zwischen dem Norden und dem Zentrum der Stadt und wirft die Frage nach dem Bezug zum kulturellen Erbe auf. Auf diesem Hintergrund thematisiert das mehrteilige Projekt CHANGING PLACES/ESPACIOS REVELADOS die Bedeutung der Kultur für die Stadtgesellschaft, wenn es ihr gelingt, urbane Räume in Orte der Begegnung und Reflexion zu wandeln.

 

In der ersten Projektphase zwischen April und September 2018 arbeiteten Künstler dazu in 11 Laboratorien mit unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen im Zentrum und Norden der Stadt zusammen. Im zweiten Schritt entwickeln Künstler aus Kolumbien und Lateinamerika nun ortsspezifische Arbeiten im Zentrum der Stadt. Bis zum Abschluss des Projekts im April 2019 folgen weitere Interventionen im Norden Bucaramangas. Parallel dazu entsteht in der Casa Luis Perú de la Croix ein partizipatives Archiv zum Imaginären der Stadt.

 

Rückeroberung historischer Gebäude als öffentlicher Raum

Städte sind Öffentlichkeit, doch öffentlicher Raum entzieht sich zusehends. Der kubanische Künstler Fidel Castro wird in seinem Projekt gemeinsam mit 5 Nachwuchskünstlern der lokalen Escuela Municipal de Artes und dem Klangkünstler Luis Miguel Delgado das leerstehende Gebäude der Plaza San Mateo im Herzen Bucaramangas in einen öffentlichen Raum verwandeln. Der historische Markt- und Versammlungsplatz war vor fast 40 Jahren aufgegeben worden. Nach Recherchen und Begegnungen mit den ehemaligen Händlern entstehen 7 Interventionen, die den Platz für gesellschaftliche Aushandlungsprozesse rückerobern.

 

Blickwechsel auf Lebensgeschichten von Migranten

Öffentliche Parks der Stadt wie der Parque Bolívar werden gerade zum Zufluchtsort für Migranten, die keine Unterkunft finden. Eine immer größere Zahl an Venezolanern sieht sich gezwungen, wegen der Krise im Land ihre Heimat zu verlassen. Edinson Arenas erarbeitet mit einigen von ihnen an diesem Platz eine großflächige textile Intervention. Er näht einen großen Teppich und bringt so alle Teile zusammen.

 

Alexandra Gelis, selbst venezolanischer Abstammung, hat in Begegnungen mit Frauen aus Venezuela die Vorurteile, Fremdheit und Ängste erkundet, mit denen sie im anderen Land konfrontiert sind. In einer Videoinstallation und Performance legt sie die Geschichten in einem leerstehenden Laden im Zentrum der Stadt übereinander.

 

Experimentierfelder für das Zusammenleben

Auf der zentralen Plaza Galán zieht Grecia Quintero eine Linie aus hundert Stühlen ein. Dort lässt sie unterschiedliche Bevölkerungsgruppen aus Stadt und Land, die trotz der räumlichen Nähe in unterschiedlichen Wirklichkeiten leben, Platz nehmen und in Kommunikation treten.

 

Unter dem Titel „Saat des Gemeinsamen“ nähert sich Guillermo Quintero dem Thema dagegen aus anderer Perspektive: Er übermalt die Fassade eines historischen Wohnhauses mit Zeilen aus Pablo Nerudas Gedichtsammlung „Canto General“, die vom Kampf gegen den Kolonialismus und die Hoffnung auf Unabhängigkeit handelt.

 

Der Blick auf das Erbe als Arbeit an der Zukunft

Wie sich Widersprüche einer Stadt produktiv machen lassen, ist eine wichtige Frage für die Künstler. Dem mexikanischen Theatermacher Aristeo Mora dient der leerstehende Club de Profesionales als Kulisse für eine Untersuchung über gescheiterte urbanistische Projekte. In Workshops und einer performativen Ausstellung geht er den Visionen einer Stadt nach, die sich niemals erfüllt haben.

 

Weitere Arbeiten begeben sich auf urbane Spurensuche: Daniel Lie aus Brasilien findet Widerstand gegen den Kolonialismus in einem historischen Wohnhaus. Mapa Teatro betrachtet das Theater als Fossil, Jonathan Blanco erkundet eine archäologische Ausgrabungsstätte, Miguel Ángel Gélvez elektrisiert Erinnerungen und Bicho Arquitectura transformiert einen schrottreifen Bus, der einst die Stadt mit Büchern versorgte.

 

Oscar Leone ermittelt in einer Wanderung entlang der Wasserspeicher der Stadt das Erbe natürlicher Reserven. Er stellt damit ein Verhältnis zwischen Kultur und Natur zur Diskussion, das nicht länger von Ausbeutung und Zerstörung gekennzeichnet ist, sondern den Eigenwert der Natur respektiert. Die daraus entstehende Videoinstallation zeichnet ein Netz ökologischer, sozialer und kultureller Beziehungen.

 

Über CHANGING PLACES / ESPACIOS REVELADOS

CHANGING PLACES / ESPACIOS REVELADOS Bucaramanga ist eine Kooperation der Siemens Stiftung mit dem Instituto Municipal de Cultura y Turismo Bucaramanga und Ecoemprender mit Unterstützung von Escuela Municipal de Artes Bucaramanga, Fundación Mapa Teatro – Laboratorio de Artistas und Sena. Weitere Informationen zum Programm finden Sie auf www.espaciosrevelados.co und www.siemens-stiftung.org/de/projekte/changing-places-espacios-revelados/veranstaltungen/bucaramanga-2018/

 

Informationen zu den Kooperationspartnern:
www.siemens-stiftung.org // www.imct.gov.co // www.ecoemprender.com

 

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