Pressemitteilung | Kultur 09.06.2011

WUNDER

WUNDER ist eine Ausstellung über die Grenzen abendländischer Rationalität – an ihren Rändern, in ihrem Innern und in ihrer Geschichte. Werke der Gegenwartskunst umkreisend, wird sich die interdisziplinäre Ausstellung mit dem beschäftigen, was in unserer Welt aus dem Rahmen fällt: von der unerklärlichen Heilung, dem unglaublichen Naturschauspiel und dem wundersam Fremden über die unverhoffte technische Innovation, die künstlerische Idee bis hin zum bloßen Zufall.

Die gemeinsam von den Deichtorhallen Hamburg und der Siemens Stiftung getragene Ausstellung wird von der Berliner Kuratorengruppe Prauth kuratiert. Sie ist vom 23. September 2011 bis zum 5. Februar 2012 in den Hamburger Deichtorhallen zu sehen. Ergänzt wird die Ausstellung durch eine von der Körber Stiftung geförderte Kinderspur, die sich als eigener Parcours in die Architektur integriert und ausdrücklich an Kinder wendet. Das Rahmenprogramm umfasst zahlreiche Veranstaltungen wie eine thematische Filmreihe sowie Aktionen und Interventionen im Stadtraum während der Laufzeit der Ausstellung.

Die Exponate aus allen gesellschaftlichen Bereichen zeichnen nach, wie christliche Religion und antike Naturphilosophie unsere Vorstellung des Wunders geprägt haben. Das Wunder wird so kenntlich als eine Öffnung in der Welt, aus der Kunst, Wissenschaft und Technik hervorgegangen sind. Während letztere eher zweck- und zielorientiert sind, zeichnet sich die Kunst durch ihren ungleich größeren Freiheitsgrad aus, dieser Öffnung immer neue Gestalt zu verleihen und sie zur Diskussion zu stellen.

Die Öffnung, die das Wunder in unserer Kultur verkörpert, verweist immer auch auf einen Mangel, eine Lücke, die zu schließen ebenso ersehnt wie unmöglich ist. Sie ist der Antrieb, aus dem die Meisterwerke der Kunst wie der Technik hervorgehen. Die Ausstellung in den Deichtorhallen Hamburg stellt das abendländische Weltbild und seine fragile Fähigkeit zur Sinngebung zur Diskussion, indem sie die einzigartige Verbindung religiöser, wissenschaftlicher und künstlerischer Motive mit alternativen Sichtweisen vergleicht, so im Islam und in anderen Kulturkreisen.


Zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher Katalog mit ca. 150 Abbildungen und Essays namhafter Autoren wie Zygmunt Bauman, Robert Pfaller und Peter Geimer im Snoeck Verlag.

Die Ausstellung zeigt Werke von Francis Alÿs, Kader Attia, César Baldaccini, Joseph Beuys, Dara Birnbaum, Cosima von Bonin, Olga Chernysheva, Nathan Coley, Ceal Floyer, Hans Graf, Andreas Gursky, Susan Hefuna, Susan Hiller, Jonathan Horowitz, Sven Johne, Helmut & Johanna Kandl, Martin Kippenberger und Albert Oehlen, Julia Kissina, Terence Koh, Igor & Svetlana Kopystiansky, Philipp Lachenmann, Mark Leckey, Armin Linke, Ingeborg Lüscher, Kris Martin, Hiroyuki Masuyama, Henri Michaux & Eric Duvivier, Joseph Ignaz Mildorfer,
Julia Montilla, Timo Nasseri, Paul Nougé, Reto Pulfer, Julien Prévieux, Walid Ra’ad/The Atlas Group, Johann von Schraudolph, Thomas Schütte, Shirana Shahbazi, Katharina Sieverding, Roman Signer, Thomas Struth, Alina Szapocznikow, Larry Sultan und Mike Mandel, Fiona Tan, Javier Téllez, Jalal Toufic, James Turrell, Timm Ulrichs, Susan MacWilliam, Erwin Wurm sowie
eine Vielzahl wissenschaftlicher und kulturhistorischer Exponate wie
die „Wunderwaffe“ V2, das Hamburger Patent für die Wunderkerze, historische Wundergläser, Votivbilder, ein heilmagnetisches Benediktuskreuz, Sal mirabilis, Seligsprechungsakten, einen Prachtkoran, Tiefseefische, Flugblätter aus dem 16. Jahrhundert, ein Perpetuum Mobile sowie Zauberstäbe, Wunderlampen, Wunderpillen, Hexenkessel und Goethes Zauberkasten. Deichtorhallen Hamburg

Halle für aktuelle Kunst
Deichtorstraße 1-2, 20095 Hamburg
www.deichtorhallen.de


Eröffnung

22. September 2011, 19 Uhr


Pressekonferenz

22. September 2011, 11 Uhr


Ausstellung

23. September 2011 bis 5. Februar 2012
Dienstag bis Sonntag, 11 – 18 Uhr
Jeweils am 1. Donnerstag im Monat, 11 – 21 Uhr (außer an Feiertagen)
1. und 2. Weihnachtsfeiertag, 11 – 18 Uhr; Neujahr, 13 – 18 Uhr
Montags, Heiligabend und Silvester geschlossen


Pressebilder
Eine Auswahl an Pressefotos finden Sie unter www.siemens-stiftung.org/Pressefotos/WUNDER

Partner
Die gemeinnützige Siemens Stiftung wurde im Herbst 2008 von der Siemens AG gegründet. Sie ist mit Projekten zur Stärkung der Zivilgesellschaft insbesondere in Afrika, Lateinamerika und Deutschland/Europa tätig. Ziel ist es, einen langfristigen Beitrag zur Minderung von Armut und zu besserer Bildung zu leisten. Die Stiftung arbeitet auf drei Gebieten: Sie unterstützt den
Ausbau der Grundversorgung sowie die Verbesserung von Sozialstrukturen, initiiert Bildungsprojekte und trägt zur Weiterentwicklung kultureller Identitäten bei. Im Rahmen dieses ganzheitlichen Ansatzes eröffnen die Beiträge zur Weiterentwicklung aktiver Kulturszenen Experimentierfelder für die Auseinandersetzung mit der Gegenwart.
Weitere Informationen unter www.siemens-stiftung.org


Die Deichtorhallen Hamburg sind Europas größtes Ausstellungshaus für zeitgenössische Kunst und Fotografie. Die beiden historischen Gebäude von 1911/13 bestechen durch ihre offene Stahlglas-Architektur, die heute den Raum für spektakuläre internationale Großausstellungen bieten. Sie gliedern sich in die Halle für aktuelle Kunst und das Haus der Photographie. Seit 2011 werden die beiden Gebäude am Übergang von der Hamburger Kunstmeile zur Hafencity
durch eine Dependance in Hamburg-Harburg mit der Sammlung Falckenberg ergänzt. Mehr als 160 große Ausstellungsprojekte wurden seit der Eröffnung 1989 realisiert. Weitere Informationen unter www.deichtorhallen.de


Die Praxis für Ausstellungen und Theorie [Hürlimann | Lepp | Tyradellis] ist ein Kuratorenbüro, das Themenausstellungen an der Schnittstelle von Wissenschaft und Kunst entwickelt. Das 2001 gegründete Büro vereint Expertisen in Kunstgeschichte, Kulturwissenschaften, Philosophie
und Medientheorie mit langjähriger Erfahrung im Umgang mit Räumen und Objekten. Mit großem Erfolg hat das Büro inhaltlich und visuell innovative Ausstellungen entwickelt, so Arbeit im Deutschen Hygiene-Museum Dresden, SCHMERZ im Museum Hamburger Bahnhof Berlin und dem Medizinhistorischen Museum der Charité sowie im Jüdischen Museum Berlin PSYCHOanalyse und 10+5=Gott. Aktuell ist im Museum Strauhof Zürich die Ausstellung Max Frisch zu sehen. Weitere Informationen unter www.prauth.de