Pressemitteilung | Kultur 15.09.2011

WUNDER

WUNDER ist eine Ausstellung über die Grenzen abendländischer Rationalität – an ihren Rändern, in ihrem Innern und in ihrer Geschichte. Werke der Gegenwartskunst umkreisend, wird sich die interdisziplinäre Ausstellung mit dem beschäftigen, was in unserer Welt aus dem Rahmen fällt: von der unerklärlichen Heilung, dem unglaublichen Naturschauspiel und dem wundersam Fremden über die unverhoffte technische Innovation, die künstlerische Idee bis hin zum bloßen Zufall.

Die gemeinsam von den Deichtorhallen Hamburg und der Siemens Stiftung getragene Ausstellung wird von der Berliner Kuratorengruppe Prauth kuratiert. Sie ist vom 23. September 2011 bis zum 5. Februar 2012 unter dem Titel „Wunder – Kunst, Wissenschaft und Religion vom 4. Jahrhundert bis zur Gegenwart“ in den Hamburger Deichtorhallen zu sehen. Ergänzt wird die Ausstellung durch eine von der Körber- Stiftung geförderte Kinderspur, die sich als eigener Parcours in die Architektur integriert und ausdrücklich an Kinder wendet. Das Rahmenprogramm umfasst zahlreiche Veranstaltungen wie eine thematische Filmreihe sowie Aktionen und Interventionen im Stadtraum während der Laufzeit der Ausstellung.

Die Exponate aus allen gesellschaftlichen Bereichen zeichnen nach, wie christliche Religion und antike Naturphilosophie unsere Vorstellung des Wunders geprägt haben. Das Wunder wird so kenntlich als eine Öffnung in der Welt, aus der Kunst, Wissenschaft und Technik hervorgegangen sind. Während letztere eher zweck- und zielorientiert sind, zeichnet sich die Kunst durch ihren ungleich größeren Freiheitsgrad aus, dieser Öffnung immer neue Gestalt zu verleihen und sie zur Diskussion zu stellen.

Die Öffnung, die das Wunder in unserer Kultur verkörpert, verweist immer auch auf einen Mangel, eine Lücke, die zu schließen ebenso ersehnt wie unmöglich ist. Sie ist der Antrieb, aus dem die Meisterwerke der Kunst wie der Technik hervorgehen. Die Ausstellung in den Deichtorhallen Hamburg stellt das abendländische Weltbild und seine fragile Fähigkeit zur Sinngebung zur Diskussion, indem sie die einzigartige Verbindung religiöser, wissenschaftlicher und künstlerischer Motive mit alternativen Sichtweisen vergleicht, so im Islam und in anderen Kulturkreisen.

Zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher Katalog mit ca. 200 Abbildungen und Essays namhafter Autoren wie Zygmunt Bauman, Robert Pfaller und Peter Geimer im Snoeck Verlag.

Die Ausstellung zeigt Werke von Francis Alÿs, Kader Attia, Joseph Beuys, Dara
Birnbaum, Cosima von Bonin, Olga Chernysheva, Nathan Coley, Björn Dahlem, Ceal Floyer, Ellen Gallagher, Hans Graf, Andreas Gursky, Susan Hefuna, Susan Hiller, Jonathan Horowitz, Sven Johne, Helmut & Johanna Kandl, Martin Kippenberger & Albert Oehlen, Julia Kissina, Terence Koh, Igor & Svetlana Kopystiansky, Dieter Krieg, Philipp Lachenmann, Mark Leckey, Armin Linke, Ingeborg Lüscher, Melanie Manchot, Kris Martin, Hiroyuki Masuyama, Henri Michaux & Eric Duvivier, Julia Montilla, Timo Nasseri, Paul Nougé, Reto Pulfer, Julien Prévieux, Walid Raad/The Atlas Group, Johann von Schraudolph, Thomas Schütte, Shirana Shahbazi, Katharina Sieverding, Roman Signer, Thomas Struth, Alina Szapocznikow, Larry Sultan & Mike Mandel, Fiona Tan, Javier Téllez, Jalal Toufic, Ryan Trecartin, James Turrell, Timm Ulrichs, Franz West, Susan MacWilliam, Erwin Wurm sowie eine Vielzahl wissenschaftlicher und kulturhistorischer Exponate wie die „Wunderwaffe“ V2, das Hamburger Patent für die Wunderkerze, historische Wundergläser, Votivbilder, ein heilmagnetisches Benediktuskreuz, Geisterhände, Sal mirabilis, Seligsprechungsakten, ein Prachtkoran, Tiefseefische, ein Meteorit, Flugblätter  sowie Zauberstäbe, Wunderstoffe, Wunderpillen, Hexenkessel und  Zauberkasten.

Deichtorhallen Hamburg
Halle für aktuelle Kunst
Deichtorstraße 1 – 2, 20095 Hamburg
www.deichtorhallen.de
www.wunder-ausstellung.de


Eröffnung
22. September 2011, 19.30 Uhr


Pressekonferenz
22. September 2011, 11 Uhr


Performance

Den Auftakt zur WUNDER-Ausstellung bildet die Performance „Walk (Square)“ von Melanie Manchot (London) mit 1.000 Kindern in Kooperation mit dem Kulturforum 21 der katholischen Schulen in Hamburg, die am 22. September 2011 ca. um 17.30 Uhr an den Deichtorhallen stattfindet.


Ausstellung

23. September 2011 – 5. Februar 2012
Dienstag – Sonntag, 11 – 18 Uhr
Jeweils am 1. Donnerstag im Monat, 11 – 21 Uhr (außer an Feiertagen)
1. und 2. Weihnachtsfeiertag, 11 – 18 Uhr; Neujahr, 13 – 18 Uhr
Montags, Heiligabend und Silvester geschlossen

Partner
ENCOURAGE. Empowering People. Die Siemens Stiftung will Menschen in die Lage versetzen, sich aktiv gesellschaftlichen Herausforderungen zu stellen und bezieht sich dabei ideell auf die Werte von Werner von Siemens. Gemeinsam mit Kooperationspartnern konzipiert und realisiert sie lokale sowie internationale Projekte mit der Zielsetzung, Eigenverantwortung und Selbständigkeit zu fördern. Die Stiftung engagiert sich in den Bereichen Ausbau der Grundversorgung und Social Entrepreneurship, Förderung von Bildung sowie Stärkung von Kultur. Sie verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz und steht für verantwortungsvolle, wirkungsorientierte und innovative Projektarbeit. Im Rahmen dieses ganzheitlichen Ansatzes eröffnen die Beiträge zur Weiterentwicklung aktiver Kulturszenen Experimentierfelder für die Auseinandersetzung mit der Gegenwart.
Weitere Informationen unter www.siemens-stiftung.org


Die Deichtorhallen Hamburg sind Europas größtes Ausstellungshaus für zeitgenössische Kunst und Fotografie. Die beiden historischen Gebäude von 1911/13 bestechen durch ihre offene Stahlglas-Architektur, die heute den Raum für spektakuläre internationale Großausstellungen bieten. Sie gliedern sich in die Halle für aktuelle Kunst und das Haus der Photographie. Seit 2011 werden die beiden Gebäude am Übergang von der Hamburger Kunstmeile zur Hafencity durch eine Dependance in Hamburg-Harburg mit der Sammlung Falckenberg ergänzt. Mehr als 160 große Ausstellungsprojekte wurden seit der Eröffnung 1989 realisiert.
Weitere Informationen unter www.deichtorhallen.de


Die Praxis für Ausstellungen und Theorie [Hürlimann | Lepp | Tyradellis] ist ein Kuratorenbüro, das Themenausstellungen an der Schnittstelle von Kunst und Wissenschaft entwickelt. Das 2001 gegründete Büro vereint Expertisen in Kunstgeschichte, Kulturwissenschaften, Philosophie und Medientheorie mit langjähriger Erfahrung im Umgang mit Räumen und Objekten. Mit großem Erfolg hat das Büro inhaltlich und visuell innovative Ausstellungen entwickelt, so Max Frisch im Museum Strauhof Zürich, Arbeit im Deutschen Hygiene-Museum Dresden, SCHMERZ im Museum Hamburger Bahnhof Berlin und dem Medizinhistorischen Museum der Charité sowie im Jüdischen Museum Berlin PSYCHOanalyse und 10+5=Gott.
Weitere Informationen unter www.prauth.de