Pressemitteilung | Kultur 25.05.2016

Neue Ausgaben der Akademien für darstellende Kunst in Lateinamerika stärken Struktur für Austausch und Zusammenarbeit auf dem Kontinent

Movimiento Experimenta
Bei den Akademien EXPERIMENTA SUR und MOVIMIENTO SUR arbeiten Künstler aus ganz Lateinamerika gemeinsam an innovativen Formaten der darstellenden Kunst.
© Siemens Stiftung

EXPERIMENTA SUR: 1.-11. Juni 2016, Bogotá und Buenaventura (Kolumbien)
MOVIMIENTO SUR: 7.-28. Juli 2016, Santiago de Chile und Valparaíso (Chile)

Die beiden Akademien EXPERIMENTA SUR und MOVIMIENTO SUR bieten seit 2012/2013 einen Raum der Reflexion, des Experiments und der Zusammenarbeit von Künstlern auf dem lateinamerikanischen Kontinent. Sie agieren an der Schnittstelle zwischen Kunst und Öffentlichkeit und geben damit neue Impulse in die Gesellschaft. In diesem Jahr finden die von der Siemens Stiftung zusammen mit weiteren Partnern initiierten Akademien bereits zum fünften Mal statt. Im Fokus stehen der Umgang mit Raum und Zeit, die Ethik des Handelns und Feedback-Methoden in Kunst und Gesellschaft.

Die Akademien mit Schwerpunkten auf experimentellen Formen der darstellenden Kunst und zeitgenössischem Tanz führen künstlerische und akademische Ansätze genreübergreifend zusammen. In Laboratorien, Diskussionsforen und Werkstätten arbeiten über 100 Künstler und Denker aus 13 Ländern Lateinamerikas und anderen Orten der Welt gemeinsam und schaffen so Neues. Aufführungen und Vorträge geben wichtige Impulse in die Kulturszenen und dem Publikum Einblicke in Neuerungen. Damit sind die Akademien inzwischen zu festen Einrichtungen des länderübergreifenden gesellschaftlichen Dialogs geworden.

EXPERIMENTA SUR in Kolumbien: Experimentelle Arbeiten erstmals auch in Buenaventura


2016 wird EXPERIMENTA SUR erstmals als „flottierende Plattform“ von Bogotá nach Buenaventura erweitert. Der Hafen an der Pazifikküste ist ein bedeutender Wirtschaftsstandort, von dem die Stadt jedoch nie profitieren konnte. Über 85% der Bevölkerung sind Afrokolumbianer, ein Großteil von ihnen lebt in Armut. Für zahlreiche Binnenflüchtlinge entlang der Pazifikküste ist die Stadt der erste Anlaufpunkt. In diesem sozialen Pulverfass wird der argentinische Regisseur Emilio García Wehbi mit einer Gruppe von 24 Nachwuchskünstlern arbeiten. Die Ergebnisse ihrer künstlerischen Forschung zeigen sie im öffentlichen Raum. Weitere Forschungsaktivitäten, Diskussionen und Vorträge werden mit dem Programa de Arte Dramático der Universidad del Valle umgesetzt.

Einen Schwerpunkt legt das diesjährige Programm von EXPERIMENTA SUR auf den Umgang mit Zeit und Raum – von geopolitischen Fragen bis hin zum Konzept der „Standard Time“. Mark Formanek wird dieses Konzept mit einer öffentlichen 24-stündigen Installations-Performance auf den Kopf stellen, indem knapp 100 Studenten der Escuela Taller Minute für Minute das Verrinnen der Zeit nachbauen.

Kate McIntosh bringt im Rahmen der Akademie ihre Live-Installation „Work-table“ nach Bogotá. Mit Werkzeug, Sicherheitsbrille und Instruktionen ausgestattet, schickt die neuseeländische Künstlerin die Besucher auf den Weg durch verschiedene Räume des Mapa Teatro. Jeder entscheidet selbst durch seine Arbeit am jeweiligen Objekt, inwieweit Dinge aus der Form geraten oder neu zusammenfinden sollen. Solche Expeditionen in die ethische Dimension des Handelns in Raum und Zeit durchziehen auch die Laboratorien, Diskussionsforen und Vorträge des venezolanischen Kurators José Luis Blondet, des Soziologen Laymert García dos Santos, des kolumbianischen Regisseurs Alejandro González Puche und die Aufführungen der Performancekünstlerin Antonia Baehr.

MOVIMIENTO SUR in Chile: Feedback-Methoden für die Entwicklung neuer Werke im zeitgenössischen Tanz

MOVIMIENTO SUR in Chile möchte den Blick auf den zeitgenössischen Tanz erweitern und durch Kollaboration unterschiedliche Sichtweisen in die Kunstproduktion integrieren. Über drei Wochen arbeiten Choreografen, Dramaturgen, Künstler und Architekten aus Lateinamerika in Santiago und Valparaíso mit Hilfe von Feedback-Methoden an der Entwicklung neuer Werke. Dazu werden einige der am DasArts Masterprogramm in Amsterdam entwickelten Techniken vorgestellt, die eine differenzierte Rückmeldung gewährleisten und einen produktiven Austausch über künstlerische Arbeiten ermöglichen. Sowohl theoretisch als auch praktisch werden künstlerische Strategien getestet und herausgefordert, um so Ideen und ihre Wirksamkeit zu prüfen und weiterzuentwickeln.

Rückkopplungen der Kunst in der Gesellschaft stehen in weiteren Laboratorien des brasilianischen Choreographen Cristian Duarte und der Performancekünstlerin Eleonora Fabião aus Rio de Janeiro zur Diskussion, die beide zusätzlich mit eigenen Aufführungen vertreten sind. Neben den Künstlerlaboratorien werden auch Workshops angeboten. Ana Vujanović und Marta Popivoda aus Serbien arbeiten beispielsweise mit Künstlern aus Santiago de Chile und Valparaíso zum Konzept von Demokratie und Gesellschaft. Cynthia Edul aus Buenos Aires und Michelle Moura aus Curitiba beleuchten die Dramaturgie als Mittel der Dialogs zwischen Kunst und Gesellschaft. So wirkt die Plattform nach außen, ist Aufführungsort, Versuchslabor und Diskursarena und dient nicht zuletzt der Vernetzung.

Zwei strukturelle Neuerungen tragen schließlich zur Verstetigung der Plattform in Chile bei: Die Kuratorinnen Catarina Saraiva und Rocío Rivera zeichnen für das Programm verantwortlich. Eine eigens gegründete Stiftung, die Fundación Movimiento Sur, wird künftig Träger des Projekts sein und das Partnernetzwerk sowie das Fundraising steuern.

Ein starkes Netzwerk: Partner der Akademien

Auch im fünften Jahr werden die Akademien von einem Netzwerk aus Partnerorganisationen getragen. Maßgeblich beteiligt sind in Kolumbien u.a. Mapa Teatro und Goethe-Institut Kolumbien; in Chile Goethe-Institut Chile, Consejo Nacional de Cultura y las Artes, Parque Cultural de Valparaíso, escenalborde – Artes Escénicas Contemporáneas und NAVE. Ein internationales Stipendienprogramm in Zusammenarbeit mit den Goethe-Instituten in der Region unterstreicht erneut den Plattformcharakter für Nachwuchskünstler aus Lateinamerika.