Pressemitteilung | Entwicklungskooperation 16.09.2013

Finalisten des „empowering people. Award“ stehen fest

© Siemens Stiftung

Die besten Techniklösungen für die Entwicklungszusammenarbeit werden am 30. Oktober in Nairobi prämiert. Online-Plattform soll eingereichte Lösungen weltweit bekannt machen und Akteure vernetzen. Online-Community wählt ab sofort ihren Favoriten unter den 23 Finalisten.

Die Siemens Stiftung hat den internationalen Wettbewerb ausgerufen, um einfache, aber intelligente Techniklösungen zu finden, die das Leben von Menschen in Entwicklungsländern nachhaltig verbessern. Auf der Preisverleihung in Nairobi wird die internationale Jury die drei ersten Plätze bekannt geben, die mit insgesamt 100.000 Euro dotiert sind. Ab sofort bis zum 21. Oktober kann jeder Interessierte am Online-Voting teilnehmen und seinen persönlichen Favoriten für den Publikumspreis wählen. In einem nächsten Schritt ist der Aufbau einer Plattform geplant, die Erfinder und Anwender der technischen Lösungen vernetzt und mit Investoren und Multiplikatoren in Kontakt bringt. Die Siemens Stiftung und ihre Kooperationspartner werden hier selbst eine aktive Rolle einnehmen.

Kriterien bei der Bewertung der über 800 Einreichungen aus 90 Ländern durch die internationale Experten-Jury waren neben der technischen Qualität und den Umweltaspekten auch das wirtschaftliche und soziale Potenzial der Erfindung.

„Die Einreichungen unserer Shortlist zeigen eindrücklich, wie weitreichend bereits einfache technische Lösungen Lebensumstände positiv verändern können. Sie ermöglichen auf praktikable und kostengünstige Weise Zugang zu Wasser, Energie, Gesundheit, Bildung und Kommunikation. Daraus ergeben sich gute Chancen für Kleinunternehmertum, neues Einkommen und alltägliche Verbesserungen“, erklärt Rolf Huber, Geschäftsführender Vorstand der Siemens Stiftung. „Deshalb werden wir die Weiterentwicklung ausgewählter Techniklösungen unterstützen und hoffen, dass sich viele Mitstreiter unserer Initiative anschließen werden.“

Aktuell baut die Siemens Stiftung eine Datenbank auf, in der eingereichte Techniklösungen, die von Experten als Best-Practice-Lösungen eingestuft wurden, veröffentlicht werden. Entwickler und Anwender interessanter Produkte und Lösungen, aber auch mögliche Investoren und operativ tätige Entwicklungsorganisationen sollen vom Wissen über technische Möglichkeiten und sinnvolle Applikationen wie auch von vielfältigen Erfahrungen bei der Implementierung vor Ort profitieren.

Rolf Huber: „Wir sind davon überzeugt, dass Transparenz, partnerschaftliche Zusammenarbeit und Wissenstransfer wichtige Voraussetzungen für eine gezielte Verbesserung von Lebensbedingungen sind. Mit dem empowering people. Award konnten wir bereits ein Netzwerk aufbauen, das interessierte Menschen in aller Welt mit wichtigen Playern der Entwicklungszusammenarbeit zu einer aktiven Community zusammenführt. Jeder kann ab sofort beim Online-Voting eine Stimme für den Publikumspreis abgeben.“

Die Preisträger werden bei der Preisverleihung ausgezeichnet, die am 30. Oktober 2013 in Nairobi stattfindet. Die drei Erstplatzierten erhalten 50.000, 30.000 bzw. 20.000 Euro, 20 weitere Finalisten jeweils 5.000 Euro.

Im Rahmen der Preisverleihung findet außerdem ein Workshop gemeinsam mit der Social Impact Development Group, einer Initiative der Siemens Stiftung und Ashoka, statt. Hier sollen die Erfinder Gelegenheit erhalten, ihre Entwicklungen mit Sozialunternehmern zu diskutieren und eigene Businessansätze weiterzuentwickeln.

Ab sofort kann unter www.empowering-people-award.siemens-stiftung.org
ein Votum für den Publikumspreis abgegeben werden. Der Gewinner erhält frei wählbares technisches Equipment für sein Projekt im Wert von 3.000 Euro.

Die Finalisten sind:

BioGas Backpack

Tragbarer Biogasbehälter. Geeignet zum Transport von Biogas zum Beispiel von zentralen Biogasproduktionen in den eigenen Haushalt oder zum Verkauf. Der Rucksack ist ein Ballon mit Innenschichten aus gasdichtem Stoff und wird durch einfachen Druckausgleich befüllt. Der Rucksack kostet aktuell 12,25 Euro.

ElectroChemical Arsenic Remediation (ECAR)

Wassersanierung. Um giftiges Arsen III aus dem Trinkwasser zu extrahieren, bedient man sich hier eines Elektrolyse-Prozesses. Dieser überführt Arsen III in Arsen-IV-Ionen, die sich zuverlässig aus dem Wasser filtern lassen. Der Energiebedarf liegt bei 0,05 kWh pro Kubikmeter Wasser.

Eliodomestico

Wasserdestillation mit Sonnenenergie. Entwickelt für den Wasserbedarf von Haushalten, ermöglicht der Wasserdestiller die Reinigung von Brack- und Salzwasser. Alle Teile können von Hand aus Ton und Metall gefertigt werden, Filter sind nicht erforderlich. Die Kosten des Prototyps liegen bei 75 US-Dollar.

Fish Farm

Mikro-intensive Fischzucht zur Ernährungssicherung. In einem nur zwölf Meter langen Schiff-Container werden die für die Fischzucht erforderlichen Tanks, Filter und Pumpen untergebracht. Das macht das System kostengünstig; es ist transportfähig, braucht wenig Platz und genügt kommerziellen Anforderungen. Produziert bis zu vier Tonnen Fisch pro Jahr.

Jompy Water Boiler

Energieeffizienz beim Kochen und bei Wasserdesinfektion in einem. Angebracht zwischen den Töpfen und der Kochstelle auf offenem Feuer, erlaubt der Wasseraufbereiter das Erhitzen von Wasser während des Kochens. Die erreichte Temperatur vernichtet 98 Prozent der schädlichen Keime. Die Kosten von 30 US-Dollar amortisieren sich durch eingespartes Brennmaterial.

Leveraged freedom chair

Geländegängiger Rollstuhl. Bestehend aus Fahrradteilen wird der Rollstuhl über Hebel angetrieben. Anstelle einer Kettenschaltung, die in unwegsamen Gelände anfällig ist, erreicht der Anwender eine 3:1-Übersetzung nur über die Bewegung der Hebel.

MakaPads – Sanitary Pads

Hygienebinden helfen Frauen und schaffen Arbeitsplätze. Die Herstellung aus Papyrusfasern, Papier und Wasser braucht kaum elektrische Energie. Die Trocknung übernimmt die Sonne, Glätten und Pressen erfolgen mechanisch. Die Einlagen sind 75 Prozent günstiger als herkömmliche Hygienebinden und zu 100 Prozent biologisch abbaubar.

Mapeo de Napas con Georadar – Soil Research

Georadar zur Feststellung des Grundwasserspiegels. Mit elektromagnetischen Wellen und einem digitalen Aufzeichnungsgerät wird der Boden in vier bis zehn Metern auf Wasser, Salz, Steinschichten usw. untersucht. Hilft, Ernteerträge unabhängig von Regenfällen dort zu sichern, wo Grundwasser erreichbar ist.

Mobile Solar Cellphone Charger

Mobile Handy-Ladestation. Einklappbare Solarmodule (20 Watt) sind mit einer Lithium-Batterie und Lade-Einheiten so verbaut, dass sie zum Beispiel als Fahrradanhänger zu Handy-Nutzern gebracht werden können, die keinen verlässlichen Zugang zu Strom haben. Einsatz als Franchise-System möglich.

OneDollarGlasses

Brillen für weniger als einen US-Dollar, die selbst für arme Menschen mit Sehbehinderung erschwinglich sind. Sie bestehen aus einem leichten, aber extrem robusten Federstahldraht sowie zwei bruchsicheren Kunststofflinsen. Die Herstellung der Rahmen erfolgt manuell vor Ort auf einer eigens dafür entwickelten Biegevorrichtung, die keine Stromversorgung benötigt.

OpenIR – Democratizing Infrared Satellite Data

Webapplikation für Infrarot-Satellitendaten. Die Geodaten werden so aufbereitet und in Kartenform zur Verfügung gestellt, dass sie für jedermann verständlich sind. Auf diese Weise lassen sich zum Beispiel Risikoflächen für Überschwemmungen bestimmen oder auch Flächennutzungspläne erstellen.

Pee Poo – Single-use toilet

Toilettenbeutel zur Einmalverwendung. Der Beutel enthält Urea (Harnstoff), um Krankheitserreger unschädlich zu machen. Einfach anzuwenden leistet er einen Beitrag zu Hygiene und hilft, die unmittelbare Umgebung sauber zu halten. Die Kosten pro Stück liegen bei 0,04 Euro; die Beutel sind biologisch abbaubar.

Permafunnel

Eine kleine, aber nützliche Erfindung für Handpumpen. Bestehend aus lebensmittelechtem Kunststoff, kann der Trichter bei der Herstellung der Pumpen eingebaut oder nachgerüstet werden. Er vermeidet die Verschwendung von kostbarem Trinkwasser, die oft bei bis zu 30 Prozent liegt, und die Verunreinigung durch unhygienische externe Trichter. Die Kosten liegen bei 10 US-Dollar.

ReMotion Knee

Polizentrische Knieprothese auf Polymer-Basis. Entworfen für Bedingungen in Entwicklungsländern ermöglicht die Prothese zum Beispiel die Arbeit in der Landwirtschaft in knienden und sitzenden Postionen. Sie ist geeignet für die Massenproduktion, ihr Preis liegt mit 80 US-Dollar bei 10 Prozent vergleichbarer Prothesen.

River Ice – Cooling System

Kühlsystem mit Fließwasser. Eine Turbine im Fluss wird direkt an einen offenen Kältekompressor angeschlossen, der widerstandfähige Polyethylen-Beutel kühlt. Sie sind gefüllt mit gefiltertem Wasser, das zu Eis gefriert und zur Lagerung zum Beispiel von Fisch oder Medikamenten dienen kann. Die Kosten liegen bei 33 Prozent gängiger Methoden.

ROTOR – Swimming Power Plant

Schwimmendes Wasserkraftwerk. Die kinetische Energie von fließendem Wasser betreibt einen elektromechanischen Energieumwandler zur Produktion von Elektrizität, die damit auch ohne Speicherung immer verfügbar ist. Die einfache Bauart aus überall vorhandenen Materialien hält die Kosten gering.

Score-Stove™ 2

Stromerzeugung beim Kochen. Der Kochherd wird mit Holz oder Biomasse befeuert, der warme Luftstrom durch den Einsatz thermo-akustischer Röhren in akustische Schwingungen umgewandelt. Ein linearer Generator verwandelt diese in Elektrizität. Weiterer Vorteil: Es entstehen keine giftigen Abgase beim Kochen.

SimGas Gesi-Shamba rural biogas digester

Sofort einsetzbares System zur Herstellung von Biogas. Hergestellt aus Polyethylene-Komponenten (HDPE), ist das System nicht nur preisgünstig, sondern auch mobil und in der Größe variabel. Geeignet für Haushalte in sehr entlegenen Regionen zur Umwandlung organischer Abfälle in Biogas, das zum Beispiel zum Kochen genutzt werden kann.

SMSGYAN – Information & Communication

Internetbasierte Information offline per SMS. Handybesitzer ohne Internetzugang schicken ihre Anfrage per SMS an eine zentrale Nummer, das System prüft das WorldWideWeb nach passenden Informationen und sendet relevante Resultate reduziert per SMS zurück. Eine Anfrage kostet 1 Euro-Cent, die monatliche Flatrate 0,30 Euro.

Solar Reflectors (Scheffler)

Kochen mit Solarenergie. Ein Parabolspiegel rotiert mittels eines sensorgesteuerten Motors um eine Achse parallel zur Erdachse synchron mit der Sonne. Das konzentrierte Licht erzeugt Temperaturen von bis zu 1.000 °C und kann für den Betrieb von Herden und Backöfen in Bäckereien oder kleinen Restaurants verwendet werden.

Solarkiosk

Elektrizität für abgelegene Regionen. Das modulare, individuell konfigurierbare Kiosksystem umfasst einen leichten, einfach zu transportierenden Alu-Rahmen und ein Solarpanel (1 kWp) und das dazugehörige Equipment. Die Kioske werden dort aufgebaut, wo Strom etwa zum Laden von Akkus, dem Betrieb von Radio und TV etc. gebraucht wird. Zusätzliche Kioske für Haarsalons, Banken oder Telecom-Shops können angebaut werden.

Sun Saluter – Solar Tracking & Water Filtration

Solarnachführung für kleine Panels. Die Drehung wird erreicht durch die Modifikation von Gewichten an den Panelseiten; dafür sorgt ein Wassertropfsystem. Das Wasser wird außerdem durch einen Sandfilter zu gereinigtem Trinkwasser. Sichert bis zu 40 Prozent mehr Energie als statische Panels.

Thermpod Infant Warmer

Alternativer Inkubator. Damit zu früh geborene Säuglinge nicht an Unterkühlung sterben, wenn kein Inkubator bereitsteht, wurde hier eine Art „Schlafsack“ konzipiert. Dank der bis zu 50-mal wiederverwertbaren Wärme-Pads hält er die erforderliche Temperatur jeweils bis zu sechs Stunden.

Weitere Informationen auf

www.empowering-people-award.org.

„empowering people. Award“ auf Facebook: www.facebook.com/EmpoweringPeopleAwardund auf Twitter

www.twitter.com/Emp_Ppl_Award

Über die Siemens Stiftung

ENCOURAGE. empowering people. Die Siemens Stiftung will Menschen in die Lage versetzen, sich aktiv gesellschaftlichen Herausforderungen zu stellen, und bezieht sich dabei ideell auf die Werte von Werner von Siemens. Gemeinsam mit Kooperationspartnern konzipiert und realisiert sie lokale sowie internationale Projekte mit der Zielsetzung, Eigenverantwortung und Selbstständigkeit zu fördern. Die Stiftung engagiert sich in den Bereichen Ausbau der Grundver-sorgung und Social Entrepreneurship, Förderung von Bildung sowie Stärkung von Kultur. Sie verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz und steht für verantwortungsvolle, wirkungsorientierte und innovative Projektarbeit. Sie wurde 2008 gegründet und kooperiert mit den ebenfalls vom Unternehmen gegründeten Siemens Stiftungen in Argentinien, Brasilien, Frankreich, Kolumbien und den USA. Die Projektarbeit der Stiftung konzentriert sich auf die Zielregionen Afrika, Lateinamerika und Deutschland/Europa.

Weitere Informationen: www.siemens-stiftung.org