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26.06.2012
Nach zwei erfolgreichen Ausgaben hat sich „Panorama Sur“, die internationale Arbeitsplattform für darstellende Kunst in Südamerika, in Buenos Aires etabliert und erweitert nun im dritten Jahr ihren Radius. Die temporäre Akademie wurde 2010 von der Siemens Stiftung und THE - Asociación para el Teatro Latinoamericano ins Leben gerufen und wird in diesem Jahr durch eine Exzellenzinitiative des Goethe-Instituts ergänzt. Diese enthält unter anderem ein Stipendienprogramm für Autoren aus acht lateinamerikanischen Ländern.
Ziel des internationalen Forums ist es, den Dialog zwischen Künstlern aus lateinamerikanischen Ländern mit ihren strukturell sehr unterschiedlichen Kulturszenen zu intensivieren und die Vernetzung mit dem internationalen Theatergeschehen voranzutreiben. Dieses Jahr treffen junge Theatermacher, Autoren und Choreographen aus aller Welt in Buenos Aires zusammen, um gemeinsam unter dem Motto „Beyond Representation“ an neuen künstlerischen Praktiken zu arbeiten und diese zum Publikum hin zu öffnen. Dabei geht es um die sich ändernde Rolle des Theaters in der Gesellschaft und ein sich wandelndes künstlerisches Selbstverständnis.
Panorama Sur bietet ein intensives vierwöchiges Programm mit einer Autorenwerkstatt, internationalen Workshops, Aufführungen aus den USA, Europa, Brasilien sowie einer argentinischen Uraufführung. Die begleitende Vortragsreihe nimmt die Wirklichkeit jenseits der Repräsentation in den Blick. Erstmalig wird das Forum „Panorama Sur“ in diesem Jahr um Choreographie und Tanz erweitert. Das Goethe-Institut ermöglicht mit seinem Netzwerk lokaler Institute ein umfangreiches Stipendienprogramm für junge Autoren aus acht lateinamerikanischen Ländern und ermöglicht ihnen, die erworbenen Kenntnisse und Erfahrungen anschließend als Multiplikatoren in die Kulturszenen ihrer Heimatländer einzubringen.
Das öffentliche Vorstellungsprogramm beginnt im Teatro San Martín mit dem Stück „H3“ des Brasilianers Bruno Beltrão und seiner Grupo da Rua, die mehr ist als eine Tanzkompanie: Beltrão, der vom Streetdance kommt und zeitgenössischen Tanz und Philosophie studiert hat, versteht sie gleichermaßen als Werkzeug sozialer Emanzipation. Auf einem skizzierten Spielfeld transformiert „H3“ Bewegungsmaterial aus Breakdance, Hiphop und Capoeira zu einer zeitgenössischen Choreographie und zu einem faszinierenden physischen Ereignis, das leichtfüßig Fragen an unsere Wahrnehmung von Raum stellt.
Das Stück „Showcase“ des New Yorker Dramatikers Richard Maxwell und seiner Gruppe New York City Players wird in einem Hotel aufgeführt und ist zum ersten Mal in Südamerika zu sehen. Die Besucher begleiten einen Handlungsreisenden, der sich auf eine Konferenz vorbereitet, aufs Zimmer, wo er überraschend Zeit findet, über sein Leben und seine Träume nachzudenken. Maxwell gilt mit seinem minimalistischen Theater als Visionär und Erneuerer des New Yorker Off-Broadways und bietet ein besonderes, intimes Raumerlebnis.
Mit gleich 120 Darstellern aus allen Generationen konfrontiert der argentinische Autor, Filmemacher und Regisseur Federico León das Publikum bei der Uraufführung seines Stücks „Las Multitudes“. Die räumliche Versuchsanordnung baut auf die Wucht der heterogenen, anonymen Menschenmasse, die dem Publikum wie in einem Spiegel gegenübersteht: zwei Menschenmengen, die im Laufe des Stücks eine gemeinsame Basis finden.
Die Suche nach neuen Formen von Kollaborationen und Präsentationskontexten zeichnet die Arbeit von Meg Stuart und ihrer Gruppe Damaged Goods aus. Als eine der international profiliertesten Choreographinnen bewegt sie sich zwischen den Grenzen der Gattungen. Mit „sand table“ bringt sie eine Live-Installation nach Buenos Aires, die sie zusammen mit der bildenden Künstlerin Magali Desbazeille entwickelt hat. Diese stellt einiges auf den Kopf: Von oben nach unten blickt eine kleine Gruppe von Zuschauern auf die Projektion zweier Körper auf einen mit Sand bedeckten Tisch, die von Tänzern zu bizarren Gestalten verändert und bewegt werden – ein intensiver Theatermoment, der kaum jemanden unberührt lässt.
Die begleitende Vortragsreihe mit „Master Classes“ im Malba, u. a. mit Beatriz Catani und der jungen chilenischen Autorin und Regisseurin Manuela Infante, reflektiert Alternativen zum klassischen Repräsentationstheater aus der Thea-terpraxis und fragt, welche anderen Zugänge zum Theater unkonventionelle Raumformate erlauben und welche Impulse für die Szenen davon ausgehen können.
Im Zentrum des Seminar- und Workshop-Programms steht die Autorenwerkstatt des argentinischen Theatermachers Alejandro Tantanian und der Wissenschaftlerin Cynthia Edul, in der junge Dramatiker aus vielen lateinamerikanischen Ländern sowie Europa ihre eigenen Projekte weiterentwickeln und sich intensiv mit der Theaterszene Argentiniens auseinandersetzen. Christopher Roman wird in einem Workshop erstmals in Argentinien in den choreographischen Kosmos von William Forsythe und die Verfahren der „Improvisation Technologies“ einführen. Die Chilenin Varinia Canto Vila gibt einen Workshop über Bewegungsideen aus dem Arbeitsprozess von Meg Stuart.
Beide Künstler werden im Anschluss nach Chile reisen. Dort bauen die Siemens Stiftung und das Goethe-Institut mit dem chilenischen Kultusministerium eine weitere Werkstatt nach dem Modell der „Sommerakademien“ in Lateinamerika auf, die ebenfalls jährlich stattfinden soll. 2013 wird schließlich eine weitere Akademie in Kolumbien folgen. Mit diesen Aktivitäten möchte die Siemens Stiftung die Entstehung eines lebendigen Netzwerks der verschiedenen Theaterszenen Lateinamerikas unterstützen, das die traditionell einspurige Fixierung auf Europa aufbricht und den Blick auf den eigenen hochkreativen Kontinent lenkt.
Panorama Sur ist ein gemeinsames Projekt von Siemens Stiftung, THE – Asociación para el Teatro Latinoamericano und Goethe-Institut in Zusamme¬narbeit mit: Malba (Museo de Arte Latinoamericano de Buenos Aires) – Fundación Costantini, IUNA – Departamento de Artes del Movimiento, Complejo Teatral de Buenos Aires, INAE/Dirección Nacional de Cultura Uruguay, MEC, Espacio Callejón,TEMPO Festival, Funceb, Centro Cultural de España en Buenos Aires (CCEBA) und Siemens Fundación Argentina, unterstützt von der Cámara de Industria y Comercio Argentino-Alemana und Hotel 725 Continental.
Asociación para el Teatro Latinoamericano / THE ist eine unabhängige, künstlerbasierte Organisation zur Förderung des zeitgenössischen Theaters in Lateinamerika, die 2010 in Buenos Aires gegründet wurde. Sie hat das Ziel, den Austausch zwischen Theaterkünstlern in Lateinamerika zu fördern und zur Verbesserung der Weiterbildung und des Produktionsumfelds für junge Dramatiker beizutragen. Weitere Informationen erhalten Sie unter www.panorama-sur.com.ar
Das Goethe-Institut ist das weltweit tätige Kulturinstitut der Bundesrepublik Deutschland. Es fördert die Kenntnis der deutschen Sprache im Ausland, pflegt die internationale kulturelle Zusammenarbeit und vermittelt ein umfassendes Deutschlandbild durch Information über das kulturelle, gesellschaftliche und politische Leben. Weitere Informationen erhalten Sie unter www.goethe.de
ENCOURAGE. empowering people. Die Siemens Stiftung will Menschen in die Lage versetzen, sich aktiv gesellschaftlichen Herausforderungen zu stellen und bezieht sich dabei ideell auf die Werte von Werner von Siemens. Gemein-sam mit Kooperationspartnern konzipiert und realisiert sie lokale sowie interna-tionale Projekte mit der Zielsetzung, Eigenverantwortung und Selbständigkeit zu fördern. Die Stiftung engagiert sich in den Bereichen Ausbau der Grundver-sorgung und Social Entrepreneurship, Förderung von Bildung sowie Stärkung von Kultur. Sie verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz und steht für verantwortungsvolle, wirkungsorientierte und innovative Projektarbeit.