Hier finden Sie die aktuellsten Pressemitteilungen und Aktuelles zur Siemens Stiftung im Überblick.
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15.04.2010
Unter welchen Bedingungen ist in Zukunft ein gutes Leben möglich? Um sich dieser Frage anzunähern, veranstalten die Humboldt-Universität zu Berlin und die Siemens Stiftung vom 28. April bis zum 30. Juni 2010 die öffentliche Redereihe „Und jetzt – Richtungen der Zukunft“. Sie findet im Rahmen des Fest- und Jubiläumsprogramms der Humboldt-Universität aus Anlass ihres 200-jährigen Bestehens statt.
Die aktuellen globalen Krisen und Gefährdungen bilden den Ausgangspunkt für die Reflexionen der eingeladenen Referenten, die sowohl natur- und geisteswissenschaftliche als auch künstlerische Perspektiven einnehmen. In ihen Vorträgen stellen sie Fragen nach den Zukunftsaussichten einer zusammenwachsenden, in allen Lebensbereichen immer komplexer werdenden Welt. In den Reden werden Zukunftsmodelle und Szenarien vorgestellt, die Anstöße zur Weiterentwicklung offener, verantwortlicher und problemlösungskompetenter Gesellschaften bieten.
Zu den einzelnen Vorträgen:
Der neue Lifestyle des 21. Jahrhunderts könnte die Dominanz einer „geistlosen“ Lebensweise heraufbeschwören, bei der das Gehirn in einer Art Kleinkindstadium verharrt. Daher plädiert die Hirnforscherin Susan Greenfield sich damit zu beschäftigen, wie wir im 21. Jahrhundert ein erfülltes Leben führen können, nachdem die Technologie die Voraussetzungen dafür geschaffen hat, dass wir die Zeit dafür haben.
Der Schriftsteller Josef Winkler widmet sich in seinem Vortrag einem auf den ersten Blick genuin literarischen Thema, das gleichwohl viel darüber aussagt, wie wir die Welt wahrnehmen und beschreiben. Winkler geht es um seine Sprachentwicklung von Kindheit und Jugend an, um Sprache und Sprachlosigkeit und die Angst vor der Sprache und der Sprachlosigkeit.
Die Umweltschützerin Sunita Narain setzt sich für eine gerechte Verteilung der natürlichen Ressourcen ein, die auch die Bedürfnisse der Entwicklungsländer berücksichtigt. Sie geht in ihrem Vortrag der Frage nach, wie man eine sich rasch verändernde Welt in ein für alle akzeptables Gleichgewicht bringen kann.
Harald Welzers Vortrag beschäftigt sich mit den Bedingungen und Chancen der großen Transformation der Industriegesellschaften, die im Angesicht von Klimawandel und Ressourcenkonflikten notwendig ist. Er zeigt, warum sich die bisherigen Strategien, Lebensstile und kulturellen Praktiken verändern, scheitern und welche Rolle mentale Schwerkräfte dabei spielen.
Dem Wirtschaftswissenschaftler Stephan A. Jansen geht bei seiner interdisziplinären Analyse der Arbeitsteilung von Produktion und Gewährleistung von dem Guten und den (öffentlichen) Gütern von ganz einfachen Fragen aus und entwirft ein Plädoyer für eine Wiedereröffnung des Diskurses des Öffentlichen.
Charles Taylor – Philosoph und Politikwissenschaftler – entwirft in seinem Vortrag zwei verschiedene Modelle von Säkularismus, die letztlich ganz unterschiedliche Gesellschaften hervorbringen. Beide Modelle basieren auf einer gewissen Trennung von Kirche und Staat und versuchen, zwischen verschiedenen fundamentalen Anschauungen eine Neutralität der staatlichen Institutionen aufrecht zu erhalten.
Arjun Appadurais Vortrag skizziert eine Politik der Hoffnung für die Bewohner des „Planeten der Slums“. Diese Politik mit Nachhaltigkeit auszustatten, erfordert Kooperationen zwischen Stadt und Privatsektor, zwischen Designern, Architekten und Aktivisten sowie zwischen Intellektuellen und ihren Gleichgesinnten im Slum.
Die Soziologin Eva Illouz beschäftigt sich mit dem Zusammenhang von Kapitalismus und Gefühlen. Sie untersucht in ihrem Vortrag nicht nur Phänomene wie Romantik und Liebe und deren Ausleben mit Hilfe von Konsumartikeln, sondern auch, wie kapitalistische Strukturen und Gefühle einander am Arbeitsplatz, in der Familie und in anderen sozialen Beziehungen bedingen.
Paul Colliers Vortrag widmet sich den speziellen Möglichkeiten und Herausforderungen, die in einem Konzept für die Nutzung der weltweiten Ressourcen liegen. Er entwickelt etwa internationale Standards, die armen, aber rohstoffreichen Staaten ein besseres Ressourcenmanagement erlauben, ohne dabei die besonderen Bedingungen des Klimawandels außer Acht zu lassen.
Martin Hoffmann entwickelt in seiner Rede einen Kulturbegriff, der den öffentlichen Diskurs anregt. Nur so kann Kultur eine gewisse Durchlässigkeit zwischen Schichten, Generationen und Kulturen erreichen, um ihrer gesellschaftlichen Funktion gerecht zu werden.
Der Anthropologe Marcel Hénaff beschäftigt sich in seinem Vortrag mit der Macht der privaten Finanzierungsnetzwerke. Das Ziel dieser neuen Herrscher über die Welt ist nicht etwa das Gleichgewicht der Finanzmärkte, sondern die Vervielfachung von Krediten, die neue Investments anlocken und somit Schulden generieren.
Alle Vorträge werden jeweils mittwochs um 19:00 Uhr in englischer oder deutscher Sprache in der Humboldt-Universität zu Berlin gehalten (Hauptgebäude, Kinosaal, Unter den Linden 6, 10117 Berlin). Der Eintritt ist frei. Die Moderation übernimmt Prof. Dr. Thomas Macho vom Institut für Kulturwissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin. Die Vorträge von Susan Greenfield am 28.04., von Sunita Narain und Harald Welzer am 12.5. und von Charles Taylor am 26.5. stehen im Internet als Live-Stream zur Verfügung.
Ausführliche Informationen zum Ablauf der Redereihe, zu den Biografien der Vortragenden und zum Inhalt ihrer Vorträge finden Sie unter:
www.siemens-stiftung.org und www.hu200.de
Die Siemens Stiftung wurde im September 2008 als gemeinnützige Stiftung b.R. mit Sitz in München gegründet und von der Siemens AG mit einem Stiftungskapital von 390 Millionen Euro ausgestattet. Die Stiftung setzt damit die mehr als 160-jährige Tradition des gesellschaftlichen Engagements des Unternehmens fort. Die Aufgabe der Siemens Stiftung ist es, Antworten auf weltweite gesellschaftliche Herausforderungen zu erarbeiten, Chancen aufzuzeigen und in Notfällen Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. Nach dem Stiftungsauftrag stehen im Fokus der Tätigkeit soziales Engagement, Bildung, Technik sowie Kunst und Kultur. Die Siemens Stiftung ist überwiegend operativ tätig, d. h. sie initiiert vor allem eigene Projekte und führt diese durch.
Die Humboldt-Universität zu Berlin durchlief in ihrer 200-jährigen Geschichte viele Wandlungen. Sie ist heute in elf Fakultäten gegliedert, verfügt über starke interdisziplinäre Forschungszentren, mehrere Zentralinstitute und Graduate Schools. Das Lehrangebot und Forschungsprofil der Humboldt-Universität umfasst alle grundlegenden Wissenschaftsdisziplinen in den Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften, der Humanmedizin, den Agrarwissenschaften sowie der Mathematik und den Naturwissenschaften.