Die Siemens Stiftung initiiert gemeinsam mit dem Internationalen Sommerfestival in Hamburg eine Koproduktionsreihe in drei Ländern, die kulturell bedeutsame Orte auf ihre verborgenen Paradoxien hin befragt. Der erste Schauplatz ist der Papstpalast in Avignon. Boris Charmatz, einer der innovativsten Choreographen der Gegenwart, bevölkert für die Uraufführung am 7. Juli 2011 den berühmten Ehrenhof des Palasts mit sechsundzwanzig Kindern im Alter von sechs bis zwölf Jahren und neun Performern aus sechs Nationen. Die deutsche Erstaufführung ist am 23. und 24. August 2011 beim Internationalen Sommerfestival Hamburg.
„enfant“ stellt das vertraute Verhältnis zwischen Kindern und Erwachsenen, Mensch und Maschine, Macht und Ohnmacht auf den Kopf. Charmatz wählt hierfür einen radikalen Ansatz: Er verbindet sein Interesse an gesellschaftlichen Vorgängen mit seiner Faszination für Maschinen und kreiert einen diffusen Ort der Reibung zwischen den menschlichen und maschinellen Körpern, zwischen der kindlich-naiven Freude und dem berechnend-manipulativen Verhalten der Erwachsenen.
"Wir tanzen auf der Bühne, aber wir vergessen die Realität nicht, auf der die Bühne gebaut ist“, kommentiert der 38jährige Franzose. Inspiriert ist das Stück unter anderem auch von einer Sammlung von Briefen, die das NGO-Netzwerk RESF Réseau Education Sans Frontières veröffentlicht hat. Sie enthalten Apelle einfacher Bürger an die Behörden und lenken den Blick eindrucksvoll auf die Situation von Kindern, deren Eltern sich in Ausweisungsverfahren befinden.
Die Biographie von Boris Charmatz liest sich als einzige Erfolgsgeschichte: Nach der Ausbildung an der Ballettschule der Pariser Oper sorgte er bereits mit seinem ersten Stück – er war damals 19 Jahre alt – international für Furore. Seither treibt er den Tanz unablässig vorwärts und leitet seit 2009 das Musée de la danse in Rennes.
Ein Schauplatz ist wörtlich ein Ort, auf den sich die Blicke richten. An kulturell gewichtigen Austragungsorten in drei Ländern lenkt die Reihe den Blick auf bemerkenswerte Künstler, die mit ihren Arbeiten einen wichtigen Beitrag zu gesellschaftlich relevanten Themen leisten. Die weiteren Stationen der Reihe sind 2012 in Argentinien und Deutschland.
Performance für neun Tänzer und sechsundzwanzig Kinder
Uraufführung
Choreographie: Boris Charmatz
Licht: Yves Godin
Ton: Olivier Renouf
Maschinen: Artefact, Frédéric Vannieuwenhuyse
Kostüme: Laure Fonvieille
Uilleanische Pfeife: Erwan Keravec
Interpretation: Eleanor Bauer, Nuno Bizarro, Matthieu Burner, Olga Dukhovnaya, Julien Gallée-Ferré, Lénio Kaklea, Maud Le Pladec, Thierry Micouin, Mani A. Mungai
Kinder (beim Festival d’Avignon): Perle Béchu-Quaiser, Eliott Bourseau, Théotim Bourseau, Léon Cassin, Lisa Cazoulat, Rémi Cazoulat, Abel Charmatz, Marguerite Chassé, Tikal Contant-Ricard, Noé Couderc, Zaccharie Dor, Elio Fouilleul, Mathieu Guidoni, Cédric Lamotte-Lenoir, Sasha Goasduff-Langlois, Salomé Lebreton, Emma Lecoq-Vinagre, Youenn Louédec, Joseph Michard, Louane Mogis, Lou-Andréa Paulet, Emma Perreau, Raphaëlle Piechaczyk, Adèle Richard, Mathilde Richard, Hypolite Tanguy
Produktion: Musée de la danse / Centre chorégraphique national de Rennes et de Bretagne. Koproduktion: Festival d’Avignon, Théâtre de la Ville-Paris, Festival d’Automne à Paris, Internationales Sommerfestival Hamburg and Siemens Stiftung im Rahmen der Projektreihe SCHAUPLÄTZE, Théâtre national de Bretagne (Rennes), La Bâtie-Festival de Genève, Kunstenfestivaldesarts Brüssel.
Mit Unterstützung von: Ministère de la Culture et de la Communication-DRAC Bretagne, la Ville de Rennes, le Conseil régional de Bretagne, le Conseil général d’Ille-et-Vilaine, Rennes Métropole und dem Institut français.
Siemens Stiftung und Internationales Sommerfestival Hamburg mit Musée la danse / Centre chorégraphique national de Rennes et de Bretagne und Festival d’Avignon
7., 8. und 10. – 12. Juli 2011 Festival d’Avignon, Frankreich
23. – 24. August 2011: Internationales Sommerfestival Hamburg, Deutschland
2. – 3. September 2011: La Bâtie-Festival de Genève, Schweiz
23. – 24. September 2011: Fundação Caixa Geral de Depósitos – Culturgest Lissabon, Portugal
12. – 16. Oktober 2011: Théâtre de la Ville / Festival d’Automne Paris, Frankreich
11. – 13. Mai 2012: Kunstenfestivaldesarts, Brüssel, Belgien
23. – 24. Mai 2012: Théâtre National de Bretagne, Rennes, Frankreich