Die meisten Einwohner verbrennen ihren Müll oder lagern ihn illegal in der Großstadt und leiden oft an den gesundheitlichen Folgen. Dabei könnten mehr als 90 Prozent des Abfalls als Wertstoffe umweltfreundlich und zugleich gewinnbringend recycelt oder kompostiert werden. In Kooperation mit dem afrikanischen Partner TakaTaka Solutions (taka taka, swahili – Abfall) und dem AT-Verband zur Förderung angepasster, sozial- und umweltverträglicher Technologien, Stuttgart, implementiert die Siemens Stiftung derzeit im Slum Kangemi einen sozioökonomischen Lösungsansatz.
Die Jugendgruppe sammelt organische Abfälle auf einem Straßenmarkt im Slum Kangemi, Nairobi; Photo: © Siemens Stiftung
Abfall stellt ein komplexes Problemfeld dar. Aus diesem Grund werden gleichzeitig unterschiedliche Projektziele verfolgt. Vor Ort entsteht zum einen ein erschwingliches Abfallentsorgungssystem, das durch eine Wiederverwertung von bis zu 80 Prozent der Abfälle eine nachhaltige Ressourcenschonung sichert. In der Folge verbessert sich das Lebensumfelds innerhalb der Gemeinden deutlich in Bezug auf Umweltbelastung und Gesundheit. Gleichzeitig erhalten Slum-Jugendliche ohne Arbeit und Perspektive dauerhafte Jobs und die hierfür nötige Ausbildung.
Der Businessansatz umfasst die Sammlung von Abfall, die Trennung und den Verkauf von Wertstoffen sowie die Umwandlung von organischem Abfall in wertvollen Kompost für die Landwirtschaft durch lokale Jugendgruppen gegen geringe Gebühr. Insbesondere wird auf die Qualität des in einer eigenen Anlage produzierten Naturdüngers Wert gelegt, der eine Haupteinnahmequelle des Sozialunternehmens darstellt. Bereits in der Pilotphase erhalten mehr als zwanzig junge Menschen ohne Arbeit und ohne Berufsausbildung die Möglichkeit, ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen.
In der eigenen Kompostieranlage werden die organischen Abfälle innerhalb von drei Monaten fachgerecht in wertvollen Naturdünger verarbeitet; Photo: © Siemens Stiftung
Die Kooperation mit der Siemens Stiftung beinhaltet in erster Linie die Entwicklung und den Einsatz gezielter Trainings für die aktiv eingebundenen Jugendlichen und zwingend nötige Maßnahmen zur Bewusstseinsbildung der Bevölkerung. Zudem werden dem sozialen und kulturellen Kontext angepasste Behälter für die getrennte Sammlung von Abfall entwickelt, getestet und eingesetzt.
Der AT-Verband stellt TakaTaka Solutions im Rahmen der Partnerschaft wertvolles Wissen und Erfahrungen über das Abfallmanagement in Deutschland und Europa zur Verfügung und stellt gleichzeitig sicher, dass sämtliche Maßnahmen auf den lokalen wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Kontext zugeschnitten werden.
TakaTaka Solutions Ltd., Nairobi
AT-Verband zur Förderung angepasster, sozial- und umweltverträglicher Technologien, Stuttgart